Hetze im Netz nach „Black lives matter“-Demonstrationen
Aufruf zum Anschlag: Polizei ermittelt

Münster -

Hetze im Netz: Wegen des Aufrufs im Internet zu einem Anschlag gegen Demonstranten ermittelt jetzt die Polizei Münster. Der Verfasser hatte in einem Chat-Beitrag einer Telegram-Gruppe von münsterischen Coronamaßnahmen-Gegnern dazu ermutigt, mit dem Auto in eine Menschenmenge zu fahren.

Mittwoch, 10.06.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 19:56 Uhr
Teilnehmer einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt. Anlass ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd im Zuge eines brutalen Polizeieinsatzes in den USA.
Teilnehmer einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt. Anlass ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd im Zuge eines brutalen Polizeieinsatzes in den USA. Foto: Britta Pedersen/dpa

„Mit dem Auto rein fahren. Nummernschild ab und Vollgas hupend rein in diese Menge“ – so kommentierte ein Nutzer im Telegram-Chat der „Corona Rebellen Münster“ am vergangenen Freitag ein Video, das Ausschreitungen zwischen der Polizei und einigen Protestlern nach einer Anti-Rassismus-Demonstration der „Black lives matter“-Bewegung in Berlin zeigt.

Grünen-Ratsherr Carsten Peters und Katharina Köhnke (SPD) vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ erstatteten daraufhin Anzeige gegen den unbekannten Verfasser mit dem Pseudonym „Michael“. Die Polizei Münster habe die Ermittlungen aufgenommen, bestätigte ein Polizeisprecher.

Gegner der Corona-Maßnahmen

Aufgefallen war der Beitrag, der per Screenshot festgehalten , aber mittlerweile vom Verfasser aus der Telegram-Chatgruppe „Umbrella Corporation“ gelöscht wurde, der linksradikalen Gruppe „Eklat Münster“ . Sie analysiert und archiviert schon seit mehreren Monaten die Chatverläufe der „Corona Rebellen Münster“, erklärte „Eklat Münster“-Sprecher Juri Sonnefeld.

Die „Corona Rebellen Münster“ sind Gegner der staatlichen Corona-Maßnahmen. Auf „Telegram“ vernetzen sie sich, um sich über die wöchentlich stattfindenden, sogenannten Hygiene-Demos in Münster und über Verschwörungsideologien wie etwa Impfzwang oder die vermeintliche Gefahr des Mobilfunkstandards 5G auszutauschen.

Ich denke, wir sollten als Gesellschaft gelernt haben, dass Anschlagsdrohungen niemals auf die leichte Schulter genommen werden sollten.

Carsten Peters

Zu dem Beitrag auf „Telegram“ sagt Carsten Peters in einer Pressemitteilung : „Ich denke, wir sollten als Gesellschaft gelernt haben, dass Anschlagsdrohungen, besonders aus verschwörungsideologischen Milieus, niemals auf die leichte Schulter genommen werden sollten.“

Judith Beifuß, Sprecherin von „Eklat Münster“, betonte, dass mit dem Beitrag in dem Chat eine neue Eskalationsstufe erreicht sei. Bewusst werde zum massenhaften Mord an Menschen aufgerufen, die sich mit den Protesten um George Floyd solidarisieren.

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