Stadt spricht sich für Kunstwerk aus
Eisenman-Brunnen vor Rückkehr

Münster -

Drei Jahre hat der Verein „Dein Brunnen für Münster“ Geld gesammelt, damit der Eisenman-Brunnen dauerhaft an die Promenade zurückkehren kann. Nun steht nicht nur die Finanzierung – auch die Verwaltung unterstützt das Vorhaben. Das letzte Wort hat der Rat am 24. Juni.

Freitag, 12.06.2020, 20:30 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 20:41 Uhr
Der Eisenman-Brunnen war einer der Publikumsmagneten bei den Skulptur-Projekten 2017.
Der Eisenman-Brunnen war einer der Publikumsmagneten bei den Skulptur-Projekten 2017. Foto: Oliver Werner

Der Eisenman-Brunnen, eines der beliebtesten Werke der Skulptur-Projekte 2017, soll an seinen ursprünglichen Ort zurückkehren. Die Verwaltung spricht sich in einer Vorlage, über die der Rat am 24. Juni entscheiden wird, dafür aus, dass der Brunnen dauerhaft an der Kreuzschanze aufgestellt wird. „Wenn der Rat zustimmt, werden wir am 25. Juni mit der Umsetzung des Projekts beginnen“, verspricht Manfred Petermann vom Verein „Dein Brunnen für Münster“, der seit drei Jahren für den dauerhaften Verbleib des Kunstwerks „Sketch for a fountain“ der amerikanischen Künstlerin Nicole Eisenman an der Promenade wirbt.

Finanzierung gesichert

Die Verwaltung begrüßt in der Vorlage ausdrücklich das Engagement des Vereins. Seit 2017 hat er bundesweit Spendengelder in Höhe von 570 000 Euro eingeworben. Zudem haben mehrere Privatpersonen Förderzusagen gegeben.

Die Sparkasse Münsterland Ost will sich mit 50 000 Euro beteiligen, die Volksbank Münster mit 10 000 Euro, das Bistum Münster mit 30 000 Euro. Das Land NRW stellt weitere 200 000 Euro zur Verfügung, die Stadt Münster einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro.

„Die Finanzierung ist gesichert“, betont Petermann. Nach der Realisierung bleibt die Skulptur Eigentum des Vereins, der zudem für die Unterhaltungskosten, pro Jahr rund 10 000 Euro, aufkommen werde. Erstmalig, dies betont die Verwaltung in ihrer Vorlage, treten bei diesem Projekt Bürgerinnen und Bürger als Auftraggeber für ein wichtiges Kunstwerk in Erscheinung.

Kommentar zum Thema

Eine einmalige Chance

Ein beeindruckendes bürgerschaftliches Engagement steht vor dem Durchbruch. Nach drei Jahren hat der Verein „Dein Brunnen für Münster“ genug Geld gesammelt, um die Rückkehr des Eisenman-Brunnens an die Promenade finanzieren zu können. Manche Bürgerinnen und Bürger haben ein paar Euro gespendet, andere eine sechsstellige Summe. Stadt, Bistum und Unternehmen haben ebenfalls ihre – finanzielle – Unterstützung in Aussicht gestellt. Selten haben in dieser Stadt so viele Akteure an einem Strang gezogen. Das ist umso beeindruckender in einer Zeit, in der gesellschaftliche Gruppen immer mehr auseinander zu driften scheinen.

Gemeinsam für die Kunst: Was für eine großartige Botschaft! Noch fehlt allerdings das entscheidende Votum des Rates. Die Vorzeichen stehen gut, dass er dem Vorhaben zustimmen wird – immerhin ist es eine einmalige Chance, ein Kunstwerk von Weltrang zu einem Freundschaftspreis nach Münster zu holen. Ein Vorhaben, das so viele Bürgerinnen und Bürger unterstützt haben, darf einfach nicht scheitern.

Sicher, es gab auch Kritiker. In einer offenbar gut organisierten Kampagne  wurden sie nicht müde, ein Kunstwerk zu kritisieren, das nicht in ihr Weltbild zu passen schien. Gut, dass über Nicole Eisenmans Brunnen diskutiert wurde. Schließlich ging es nicht darum, in der Ludgeristraße einen Berliner Bären aufzustellen. . .

...

Eisenman, eine der renommiertesten zeitgenössischen Künstlerinnen, deren Arbeiten in den bedeutendsten Museen weltweit zu sehen sind, wird auf einen Großteil ihres Honorars verzichten, ihre Galerie verzichtet gänzlich auf einen finanziellen Anteil. „Nicole Eisenman wartet auf die Entscheidung am 24. Juni“, sagt Petermann, der in engem Kontakt zu ihr steht. Sollte der Rat zustimmen, worauf er hofft, werde sie ihre Entwürfe umgehend konkretisieren. 2021 soll der Brunnen stehen – für zunächst zehn Jahre mit Option auf eine Verlängerung auf unbestimmte Zeit, so die Verwaltung.

Brunnen wirft Fragen auf

Der Brunnen wirft Fragen zu Identität, Vielfalt, Toleranz und Diversität, zu Sexualität und Rollenklischees auf. Das schien während der Skulptur-Projekte nicht jedem zu gefallen. Am 19./20. Juli 2017 sowie am 23. September 2017 wurde das Kunstwerk mutwillig beschädigt. Die Attacken sorgten international für Aufsehen.

Der Brunnen, der nun an der Kreuzschanze wieder aufgebaut werden soll, wird keine vollständige Kopie, aber nahe an der ursprünglichen Gestaltungsform sein. Die beiden Bronze-Skulpturen von 2017 werden zurückkehren, die damaligen Gips-Figuren durch drei Aluminium-Skulpturen ersetzt.

Die Initiative des Vereins „Dein Brunnen für Münster“ stieß auf breite Unterstützung – aber auch vereinzelte Kritik. Umso eindeutiger war das Votum des prominent besetzten künstlerischen Beirates des Kulturausschusses Ende 2019. Er sprach sich einstimmig für die Rückkehr des Brunnens aus. Es handele sich um ein Kunstwerk von herausragender Qualität, das die einzigartige Sammlung Münsters von Kunst im öffentlichen Raum „großartig“ erweitere.

Zu den Unterstützern des Vorhabens zählen auch Oberbürgermeister Markus Lewe und Kasper König, Mitbegründer der weit beachteten, alle zehn Jahre stattfindenden Skulptur-Projekte.

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