Zentrum Wald und Holz testet Folienlager
Rettung vor der Verrottung

Münster -

Die Sägewerke haben keine Kapazitäten mehr, die Borkenkäfer sorgen aber fleißig für Nachschub in den Wäldern: Damit das anfallende Holz nicht verrottet, probieren die Förster jetzt Verschiedenes aus, um es haltbar zu machen und den Schädlingen Herr zu werden. Eine besondere Abdeckung weckt jetzt Hoffnungen.

Dienstag, 30.06.2020, 09:00 Uhr
Mit Folienlagern (o.l.) versuchen Förster, das viele derzeit anfallende Holz haltbar zu machen. Dr Bertram Leder begutachtet das frisch abgedeckte Holz (o.M.): Die ersten Testergebnisse mit der dem mobilen Sägewerk (r.) zeigen, dass das Holz auf den ersten Blick eine gute Qualität hat. Das zeigen auch die abgesägten Probescheiben (u.l.). Die Experten begutachten das Holz genauer (u.M.): Auch die Borkenkäfer
Die ersten Testergebnisse mit der dem mobilen Sägewerk zeigen, dass das Holz auf den ersten Blick eine gute Qualität hat. Das zeigen auch die abgesägten Probescheiben. Foto: Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Hunderttausende Kubikmeter Fichtenholz liegen in den Wäldern und drohen zu verrotten, wie das Zentrum Wald und Holzwirtschaft von Wald und Holz NRW mit Sitz in Münster berichtet. Die Holzlager der Sägewerke sind voll – gleichzeitig sorgen die Borkenkäfer beängstigend schnell für Nachschub an Fichtenstämmen, die sofort gefällt werden müssen, um eine Ausbreitung der gefräßigen Schädlinge zu verhindern. Dr. Bertram Leder, Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft sagt, Folienlager können ein Beitrag zur Lösung des Problems sein: „Erste Tests im Arnsberger Wald sind vielversprechend.“

Fichtenholz lange haltbar

Fichtenholz sei viele Jahrzehnte haltbar, wenn es zu Dachstühlen oder Regalen verbaut werde. Frisch eingeschlagene Fichten aber seien leicht verderbliche Ware. Sie verliere schnell an Wert, wenn sie nicht rechtzeitig im Sägewerk weiterverarbeitet werde. „Unter luftdichten Folien soll das Holz jahrelang frisch bleiben. Innerhalb weniger Tage ist sämtlicher Sauerstoff unter den Folien verbraucht. Die Borkenkäfer sterben, alle Verrottungsprozesse werden gestoppt und die für die Weiterverarbeitung wichtige Holzfeuchtigkeit bleibt erhalten“, erläutert Leder.

Erste Erfahrungen mit Folienlagern, in denen frisches, gesundes Holz eingelagert wird, gibt es schon: Im Mai 2019 haben die Experten von Wald und Holz NRW der Mitteilung zufolge im Arnsberger Wald im Hochsauerland zehn Folien-Testlager mit je rund 300 Kubikmeter Fichtenholz angelegt.

Jetzt hat Leder das erste Lager geöffnet und einige Stämme mit einem mobilen Sägewerk aufgeschnitten, um die Holzgüte festzustellen: „Top-Qualität. Wie gerade frisch gefällt.“ Bei der Öffnung des ersten Folienlagers war auch Christoph Paul, Einkaufsleiter des Briloner Sägewerks der Firma Egger, dabei. Sein Urteil: „Keine Verfärbung, passende Feuchtigkeit. Ich bin positiv überrascht. Für mich ist das eindeutig B-Qualität.“ B heißt in der Sprache der Forstleute sehr gute Qualität. Genau diese Qualität hätten die Stämme auch, wären sie gerade frisch gefällt.

Holzkonservierung für mehrere Jahre ist für den Sägewerker ein zentrales Thema: „Wir haben nur wenige Möglichkeiten, auf das plötzliche Überangebot an Käferholz zu reagieren. Wir können vom Zwei-Schichtbetrieb auf Drei-Schichtbetrieb hochfahren. Mehr Variation geht nicht.“ Ein Sägewerk sei wie ein Dampfer, der immer mit der gleichen Geschwindigkeit fährt.

Besonders gespannt sind Sägewerker und Wissenschaftler auf die Ergebnisse der nächsten neun Folienlager. Diese Lager werden jetzt im Abstand von jeweils sechs Monaten geöffnet. Dr. Leder ist zuversichtlich, dass sich die gute Qualität des Borkenkäferholzes auch bei längerer Lagerung halten lässt. Bei Kosten von etwa 15 Euro pro Festmeter lohnt sich die aufwendige Folienkonservierung nur bei sehr guten Holzqualitäten, heißt es weiter. „Für die großen Mengen Industrieholz, die zurzeit anfallen, rechnet sich der Aufwand nicht,“ sagt Leder.

Ergebnisse für Waldbesitzer interessant

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, ergänzt: „Die Ergebnisse unserer Versuche sind auch für viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer interessant. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit Folienlagern tausende Festmeter sehr gutes Fichtenholz für die weitere Nutzung zu retten.“ Folienlager seien jedoch nur ein kleiner Baustein von vielen Maßnahmen, mit denen die Förster in NRW zurzeit versuchen, die Folgen des fortschreitenden Klimawandels zu bewältigen. Man laufe den Folgen hinterher: „In unseren Wäldern sprechen wir gerade über den Verlust von Millionen und nicht von tausenden Bäumen. Allein im laufenden Jahr erwarten wir 20 Millionen Festmeter Holz, welches als Folge der Dürrejahre und der Borkenkäfervermehrung ungeplant anfällt“, so Wiebe.

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