Landgericht sieht Opfer als vollends glaubwürdig an
Mehrfache Vergewaltigung: Sechs Jahre Haft

Münster -

„Es steht Aussage gegen Aussage“ – „Aber wir haben keinen Grund, die Aussagen des Opfers anzuzweifeln.“ So erklärt der zuständige Richter am Landgericht Münster das Urteil im Prozess um mehrere Vergewaltigungen. Der Angeklagte, ein 37-jähriger Mann aus Münster, muss für mehr als sechs Jahre in Haft.

Mittwoch, 01.07.2020, 17:30 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 17:35 Uhr
Landgericht sieht Opfer als vollends glaubwürdig an: Mehrfache Vergewaltigung: Sechs Jahre Haft
(Symbolbild) Foto: wn

Das Gericht sprach ihn schuldig, eine heute 39-jährige Münsteranerin im Jahre 2009 (Haftstrafe: Zwei Jahre, vier Monate) sowie zwei Mal im November 2019 (Vier Jahre) vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sechs Jahren und acht Monaten gefordert.

Opfer ist Ex-Freundin

Bei der 39-Jährigen handelt es sich um die Ex-Freundin des Angeklagten. Die „Beziehung“ – der Richter führte aus, das Wort falle ihm in diesem Zusammenhang schwer – sei durch Gewalt und Streit geprägt gewesen und hätte den Charakter einer „On-Off-Beziehung“ gehabt.

Das Opfer habe die sexuellen Handlungen oft über sich ergehen lassen, da sie Angst vor Gewaltausbrüchen durch den Angeklagten hatte. Er war mehrfach deshalb verurteilt worden. Auch habe sie den gemeinsamen Sohn beschützen wollen. Die drei betreffenden Male hätte sie allerdings jeweils deutlich widersprochen.

Der Angeklagte hatte die Vergewaltigungsvorwürfe von sich gewiesen und behauptet, die sexuellen Handlungen seien einvernehmlich gewesen.

Aussage gegen Aussage

Somit stand Aussage gegen Aussage. Doch der Richter erläuterte, das Gericht habe keinen Grund gesehen, den Aussagen des Opfers nicht zu glauben. Sie seien nicht übertrieben gewesen, nicht ungenau, seien emotional, aber nicht unsicher vorgetragen worden. Daher seien die Aussagen und Vorwürfe glaubwürdig. Außerdem gebe es von der dritten Tat eine Audioaufnahme.

Zudem erläuterte der Richter, es sei deutlich, dass die 39-Jährige eigentlich Schaden von ihrem Ex-Freund abwenden wollte. Für sie standen nicht die Vergewaltigungen im Vordergrund, sondern die Angst vor Gewaltausbrüche – die Vergewaltigungen hatte sie beiläufig während polizeilicher Vernehmungen erwähnt, woraufhin Ermittlungen eingeleitet wurden.

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