Mit Video: Bäcker-Gilde lässt Brote testen
Qualitätskontrolle: Prüfen auf Korn und Kruste

Münster -

Münster sucht die beste Schnitte: Die Gilde-Bäcker der Stadt haben wie in jedem Jahr ihre Brote einer Prüfung unterzogen. Allerdings coronabedingt in ganz neuer Umgebung.

Freitag, 03.07.2020, 20:00 Uhr
Kritisch mit allen Sinnen: Brotprüfer Matthias Bantel testet einen Laib nicht nur mit den Augen, sondern auch mit der Nase.
Kritisch mit allen Sinnen: Brotprüfer Matthias Bantel testet einen Laib nicht nur mit den Augen, sondern auch mit der Nase. Foto: Pjer Biederstädt

In diesem Jahr ist coronabedingt vieles anders – das gilt auch für die alljährliche Brotprüfung. Sonst lassen Münsters Gilde-Bäcker ihre Brote publikumswirksam auf dem Stadtfest auf Korn und Kruste prüfen, in diesem Jahr nimmt Matthias Bantel, Sachverständiger der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, die Kontrolle wegen der Pandemie ohne Zuschauer in den Geschäftsräumen vom Bäcker- und Konditorenfachhandel Ebäcko ab.

116 mögliche Fehler

Gute drei Stunden schaut, drückt, riecht und schmeckt der Brot-Experte. Die rund 40 Laibe von 17 verschiedenen Bäckereien aus Münster, die sich der Kontrolle freiwillig unterziehen, werden jeweils auf 116 mögliche Fehler überprüft. Für die volle Punktzahl gibt es ein Zertifikat, für drei Jahre Spitzenqualität in Serie sogar ein goldenes. „Natürlich werben die Bäcker mit dem Qualitätsnachweis“, sagt Gilde-Obermeister Georg Krimphove, „aber in erster Linie ist es für sie gut zu wissen, was sie an ihren Produkten noch verbessern können.“

Denn gutes Brot ist wieder angesagt. „Es findet ein Umdenken statt. Die Menschen achten beim Brot wieder mehr auf Qualität“, sagt Barbara Altrogge, stellvertretende Obermeisterin der Gilde. Zwar verzeichneten die Bäckereien in der Corona-Krise Umsatzeinbußen von 25 bis 35 Prozent, so Krimphove, doch das hänge mehr mit geschlossenen Café-Bereichen und ausbleibenden Aufträgen aus dem Gastro-Gewerbe zusammen. „Der Bäcker an der Ecke verkauft in der Krise mehr Brot als vorher, auch weil wieder zusammen Abendbrot gegessen wurde und man nicht eben zur Pizzeria ums Eck gehen konnte“, sagt Krimphove. „Bei uns war das lange haltbare Pumpernickel in der Krise ungefähr so begehrt wie Toilettenpapier“, teilt Altrogge ihre Erfahrungen aus der Prünte-Bäckerei.

Brot mit hohem Stellenwert

Brot habe hierzulande einen hohen Stellenwert, sagt Bantel. Das zeige auch die Vielfalt von über 3000 Brotsorten. 2019 kauften die Deutschen laut der Gesellschaft für Konsumforschung im Schnitt 39,9 Kilogramm Brot pro Haushalt – und das bei kleiner werdenden Haushalten. Darauf reagieren auch die Bäckereien. „Brote haben früher oft 1,5 Kilogramm gewogen, heute liegen meist 750-Gramm-Brote in den Regalen“, sagt Brot-Fachmann Bantel.

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