Prozess um Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit
Nagelstudiobetreiber gesteht illegale Geschäftspraktiken

Münster -

Mit einem monatlichen Verdienst von 800 bis 1200 Euro habe er die beschäftigten Frauen und Männer aus Vietnam angemeldet, obwohl diese tatsächlich mehr als 2000 Euro verdienten. Das gestand einer der sechs Angeklagten im Mammutprozess um 17 Nagelstudios in NRW. Verhandelt werden unter anderem Steuerhinterziehungsvorwürfe.

Freitag, 03.07.2020, 21:00 Uhr
Sechs Angeklagte müssen sich nach Razzien in ihren Nagelstudios vor dem Landgericht verantworten.
Sechs Angeklagte müssen sich nach Razzien in ihren Nagelstudios vor dem Landgericht verantworten. Foto: Pjer Biederstädt/Archiv

Die Begriffe „Kostüm“ oder „geliehene Klamotten“ dienten scheinbar als Codes für Ausweispapiere und Aufenthaltsgenehmigungen für illegal in Deutschland Beschäftigte. Über Inserate ein einer Facebook-Gruppe, in denen diese Codes immer wieder auftauchen, soll auch der Hauptangeklagte in dem Verfahren wegen Steuerhinterziehung, Veruntreuung und illegaler Beschäftigung in Nagelstudios, vietnamesische Arbeitskräfte akquiriert haben.

Im November 2019 waren die Beschuldigen nach Razzien in Nagelstudios festgenommen worden. In 17 Nagelstudios im Münsterland, Ostwestfalen und im Rheinland sollen sie illegal vietnamesische Staatsangehörige beschäftigt haben. Einer der insgesamt sechs Beschuldigten äußerte sich am Freitag zu den Vorwürfen – und gestand einige Taten.

Lohn nur zum Teil angemeldet

„Ich gebe zu, Steuern hinterzogen und Mitarbeiter schwarz beschäftigt zu haben“, sagte er. Es sei mit den Beschäftigten vereinbart worden, wie viel Lohn angemeldet wurde. Die Angestellten hätten zwischen 2200 und 2700 Euro verdient, sagte er. Offiziell seien es 800 bis 1200 gewesen. Gezahlt wurde immer bar – das galt natürlich auch für die Kunden. Er habe die Leute „des Überlebens willens“ schwarz beschäftigt, sagte der Angeklagte: „Die Lohnsteuer in unserer Branche ist sehr hoch. Ich sehe ein, dass das nicht richtig war und habe deshalb beschlossen, mich nicht mehr selbstständig zu machen. Das Thema Nagelstudios ist für mich abgeschlossen.“

Angefangen hatte seinen Ausführungen nach alles mit einem schlecht bezahlten Aushilfsjob seiner Nichte, ebenfalls angeklagt. Da sie nicht viel verdiente, habe sie 2011 entschieden, zusammen mit ihrem Onkel (weiterer Angeklagter) ein erstes eigenes Studio zu eröffnen. Als er sah „dass man damit gutes Geld machen kann“, habe auch er selbst 2016 sein erstes Studio in Dülmen eröffnet, so der Angeklagte. Er betonte, seine Nichte habe nichts von den hintergründigen Abläufen gewusst.

Fortsetzung am 7. Juli

Als es immer mehr wurden, und ihm der Aufwand „zu viel“, habe er angefangen, einige Betriebe, wie ein Franchisingverfahren, an Geschäftspartner abzugeben, die dann selbst für die Führung verantwortlich gewesen seien (Zwei der Mitangeklagten). Die Verhandlung soll am 7. Juli fortgesetzt werden.

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