Auslandsfreiwillige des Bistums bereiten sich vor
Politische Wanderung über Friedhof Lauheide

Münster -

Ob die 25 Freiwilligendienstler des Bistums Münster wirklich nach Afrika und Lateinamerika reisen können, ist noch ungewiss. Auch die Vorbereitung muss anders aussehen: Dafür hat sich die Fachstelle Weltkirche jetzt etwas Besonderes ausgedacht.

Montag, 06.07.2020, 19:12 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 19:22 Uhr
Gräberfeld: Um das Thema Zwangsarbeit ging es am russischen Gräberfeld auf dem Waldfriedhof.
Gräberfeld: Um das Thema Zwangsarbeit ging es am russischen Gräberfeld auf dem Waldfriedhof. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ladermann

Mit dem Flieger wollten sie eigentlich in wenigen Wochen hinaus in die weite Welt – nach Tansania, Ghana, Uganda. Doch für die 25 jungen Erwachsenen, die über das Bistum Münster ab Sommer einen Freiwilligendienst in Afrika oder Lateinamerika beginnen wollten, ist ungewiss, ob es mit dem Auslandsaufenthalt klappt. Zu kritisch ist die Situation rund um das Corona-Virus in ihren Einsatzländern, wie das Bistum mitteilt.

Schon die Vorbereitung in den vergangenen Monaten lief anders ab als bei ihren Vorgängern. Ein persönliches Kennenlernen, intensive Gruppenerfahrungen, all das war kaum möglich. Die Organisatoren vom Referat „Freiwilligendienst im Ausland“ der Fachstelle Weltkirche im Bistum Münster haben sich eine Alternative einfallen lassen: Sie luden die künftigen Freiwilligen aus Münster, Nottuln, Wettringen, Greven, Ahaus, Haltern am See, Neuenkirchen und Ascheberg zu einer „politischen und persönlichen Kreuzwegwanderung“ ein.

Aktuelle Themen diskutiert

Vom Friedhof Lauheide zwischen Münster und Telgte aus wanderte die Gruppe 13 Kilometer zunächst über das Friedhofsgelände, dann durch Wald und über Wiesen entlang der Ems. An verschiedenen Stationen bekamen die Teilnehmenden, die gerade das Abitur in der Tasche haben, die Möglichkeit, sich mit sich selbst und ihrer Situation, aber auch mit aktuellen politischen Themen auseinanderzusetzen.

Beispielsweise mit dem Thema Zwangsarbeit am russischen Gräberfeld auf dem Waldfriedhof: 160 Menschen liegen dort begraben, darunter männliche Kriegsgefangene, aber auch Männer, Frauen und Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs als Zwangsarbeiter in und um Münster gearbeitet haben. „Bewahrt euch die Fähigkeit, euch von persönlichen Schicksalen, auch von fremden Menschen, berühren zu lassen“, ermutigte die ehemalige Freiwillige Greta Lüking ihre künftigen Nachfolger.

Eigene Ohnmacht

Immer wieder ging es auch um die eigene Ohnmacht, der die jungen Frauen und Männer durch die ungewisse Situation derzeit ausgesetzt sind. Victoria Ellerkamp, die ein Jahr in Südafrika geplant hat, sagte: „Bei der Abiturfeier zum Beispiel konnten die meisten genau sagen, wann es für sie mit was auch immer losgeht. Ich hatte keine Antwort darauf.“

Die Fachstelle Weltkirche bietet auch künftig „thematische Kreuzwegwanderungen“ an. Infos unter  495 62 09.

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