Historische Porträts aus Münster
Stadtheimatbund veröffentlicht Buch von Walter Kutsch

Münster -

Vielen galt Walter Kutsch als das Gedächtnis der Stadt. Texte des im vergangenen Jahr verstorbenen Hobby-Historikers erscheinen nun in einem Buch, dass der Stadtheimatbund herausgibt.

Dienstag, 07.07.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 08:02 Uhr
Ursula Warnke (M., Vorsitzende des Stadtheimatbunds), Maria Aßmuth-Kutsch und Arndt Zinkant präsentieren ein neues Buch mit Texten des im vergangenen Jahr verstorbenen Walter Kutsch.
Ursula Warnke (M., Vorsitzende des Stadtheimatbunds), Maria Aßmuth-Kutsch und Arndt Zinkant präsentieren ein neues Buch mit Texten des im vergangenen Jahr verstorbenen Walter Kutsch. Foto: Matthias Ahlke

Als sie ihren Mann kennengelernt habe, erinnert sich Maria Aßmuth-Kutsch, da habe Walter Kutschs Archiv zur Stadt Münster ein Regal gefüllt. Heute ist bekannt, Kutschs Sammlung nahm im Laufe der Zeit ganz andere Ausmaße an. 2013 ging die Sammlung, mittlerweile rund 13 000 Medieneinheiten groß – darunter allein 6000 Bücher – an das Stadtarchiv, wo sie seitdem als „Monasteria-Bibliothek“ abrufbar ist. Kutsch war penibler Sammler, intelligenter Gesprächspartner und bissiger Kritiker, so beschreiben ihn diejenigen, die den 2019 verstorbenen Versicherungsangestellten, dessen Hobby über fünf Jahrzehnte die Stadt Münster war, besser kannten.

Kutsch bekundete stets die Liebe zu Münster, war aber bei allem Enthusiasmus nie blind vor Liebe. Im Gegenteil: „Manche Entscheidungen waren ihm zu provinziell“, sagt Maria Aßmuth-Kutsch über ihren Mann. Das eine oder andere Mal habe sie die Form seiner Kritik auch als „grenzwertig“ empfunden. Und doch, so ergänzt Ursula Warnke, Vorsitzende des Stadtheimatbundes, habe Kutsch stets die Fähigkeit gehabt, mit den Menschen, die er kritisierte, im Dialog zu bleiben. Etwa mit der ehemaligen Oberbürgermeisterin Marion Tüns, die er einst als Mutter-Beimer-Verschnitt bezeichnete, und mit der das Ehepaar-Kutsch einen schönen Abend in den eigenen vier Wänden verbrachte.

24 Kurzporträts

Vor allem aber bleibt von Walter Kutsch die Akribie in Erinnerung, mit der er sich der Stadt, ihrer Geschichte und nicht zuletzt den Menschen widmete, die in Münster leben und lebten. Für das vom Stadtheimatbund herausgegebene Magazin „Torhaus aktuell“ schrieb er 24 Kurzporträts über Persönlichkeiten, die die Stadt in den vergangenen Jahrhunderten mitgeprägt haben.

Diese Porträts gibt der Stadtheimatbund nun im Aschendorff-Verlag als Buch unter dem Titel „Wer war eigentlich . . . Auf der Suche nach bedeutenden Münsteranern der letzten Jahrhunderte“ heraus. Veredelt wird der 111 Seiten fassende Band durch Karikaturen von Arndt Zinkant.

Liebevoll in Szene gesetzt

17 Männer und sieben Frauen stellen Kutschs Texte vor. Eine eher zufällige Quote, wie Maria Aßmann-Kutsch sagt. Und auch Ursula Warnke betont, dass gerade Kutsch ein Faible für unangepasste Frauen, wie etwa Mathilde Franziska Anneke oder Clara Ratzka, gehabt habe. Liebevoll herausgearbeitet und sprachlich präzise setzt Kutsch sie, aber auch andere, vielen Münsteranern sicher noch unbekannte Persönlichkeiten in Szene.

Etwa Alexander Heimbürger, 1819 geborener Sohn eines preußischen Beamten, der seine Berufausausbildung aufgab, als Zauberkünstler in die Welt hinauszog und mit seinen Shows in den USA und Lateinamerika ein großes Publikum erreichte. Als Millionär sei „Herr Alexander“, so sein Künstlername, nach Münster zurückgekehrt.

Neben den 24 Texten von Kutsch findet sich noch ein 25. Porträt in dem Buch. Genau so viele wollte Kutsch ursprünglich für das „Torhaus aktuell“ schreiben. Dazu kam es nicht mehr. Nun handelt der 25. Text von ihm selbst, einem Mann, in dem manch einer das Gedächtnis der Stadt sah und an den selber wohl noch lange gedacht werden wird.

Zum Thema

„Wer war eigentlich... Auf der Suche nach bedeutenden Münsteranern der letzten Jahrhunderte“, herausgegeben vom Stadtheimatbund mit Texten von Walter Kutsch, Aschendorff-Verlag, 14,90 Euro.

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