Kritik
Verkauf des Klarastifts umstritten

Münster -

Die freien Wohlfahrtsverbände in Münster üben harsche Kritik am Verkauf des städtischen Altenhilfezentrums Klarastift. Das Verfahren sei intransparent. Öffentliche Gremien wie der Sozialausschuss seien etwa bisher umgangen worden.

Dienstag, 07.07.2020, 13:32 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 16:39 Uhr
Das städtische Altenhilfezentrum Klarastift soll verkauft werden. Das Verfahren erfährt jetzt Kritik.
Das städtische Altenhilfezentrum Klarastift soll verkauft werden. Das Verfahren erfährt jetzt Kritik. Foto: Matthias Ahlke

Die Wohlfahrtsverbände in Münster kritisieren das städtische Verfahren zum Verkauf des Altenzentrums Klarastift als unklar und intransparent. Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, DRK und Der Paritätische bemängeln in einer Pressemitteilung, dass die Bürgerschaft und entscheidende Gremien wie der Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung (Sozialausschuss) oder die Konferenz „Alter und Pflege“ nicht beteiligt worden seien.

Dagegen verweist der Klarastift-Aufsichtsratschef Mathias Kersting auf die Beteiligung von Geschäftsführung, Betriebsrat und anderer, städtischer Gremien im laufenden Prozess des Trägerwechsels.

Neuer Träger

Die Stadt Münster hatte am 4. Juni bekannt gegeben, das Klarastift an einen neuen Träger übergeben zu wollen und bereits von mehreren interessierten Verhandlungspartnern gesprochen. Während offenbar nicht-öffentlich bereits verhandelt wurde, seien die in der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege zusammengefassten Trägervertreter aus Münster erst durch die Pressemeldung informiert worden, heißt es von deren Seite.

Demnach sollten die Konzeptionen der Verhandlungspartner geprüft und auf der Ratssitzung am 24. Juni vorgestellt werden: Auf dieser Grundlage sollte dann ein Grundsatzbeschluss des Rates herbeigeführt werden. Falle dieser für einen Verkauf aus, sei bereits am 26. August eine endgültige Entscheidung für einen neuen Träger vorgesehen. Doch bis heute sei – auch nach erfolgter Ratssitzung – über den weiteren Verlauf des Verfahrens in der Öffentlichkeit nichts bekannt, so die Kritik der Wohlfahrtsverbände.

"Undurchsichtiges Vorgehen"

Sie halten das „undurchsichtige Vorgehen und den hohen zeitlichen Druck“ für völlig unangemessen. Die Verbände weisen in einer Pressemitteilung darauf hin, dass das Klarastift ein wichtiger Bestandteil der Altenhilfeinfrastruktur in Münster sei. Völlig unklar, so die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, sei, ob das Klarastift auch in Zukunft eine Rolle als Akteur im Stadtviertel übernehme.

Dem entgegnet SPD-Ratsherr Kersting als Aufsichtsratschef: „Es geht bei dem vom Rat parteiübergreifend beschlossenen Trägerwechsel des Klarastifts um die zukunftssichere Altenpflege durch einen gemeinnützigen und kompetenten Träger und um den Erhalt der Arbeitsplätze zu mindestens gleichen Bedingungen und die Bewahrung der Tradition des Hauses mit starker Verbindung ins Stadtquartier.“ Darüber werde derzeit verhandelt.

Treuhändlerische Verwaltung

Bisher ist alleinige Gesellschafterin des Klarstiftes die Stiftung Magdalenenhospital. Sie besteht seit fast 850 Jahren, ist rechtlich selbstständig und wird von der Stadt Münster treuhänderisch verwaltet. Die Stiftung wird durch den Vorstand vertreten, der aus dem Rat der Stadt Münster besteht. Ähnlich wie die Wohlfahrtsverbände sieht die Stiftung ihre Aufgabe auch darin, bürgerschaftliches soziales Engagement zu fördern, etwa in der Initiative „Von Mensch zu Mensch“.

Die Wohlfahrtsverbände hegen indes die Sorge, ob dieser sozial-karitative Ansatz weiterverfolgt werden solle und wie insgesamt die Pflegequalität in einer solch wichtigen Einrichtung gesichert werden könne.

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