Tour: Münster vor Ort
Wie das Flüsseviertel zum „Blitzdorf“ wurde

Münster -

Das Flüsseviertel im Nordosten der Innenstadt hat eine interessante Geschichte. Die Siedlungsgeschichte, die eng mit dem Dortmund-Ems-Kanal verknüpft ist, greift die Münster-vor-Ort-Tour bei der Begehung des Quartiers am Wochenende auf.

Dienstag, 07.07.2020, 18:10 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 18:28 Uhr
Blitzdorf: Siedlungshäuser an der Rheinstraße.
Blitzdorf: Siedlungshäuser an der Rheinstraße. Foto: Stefan Rethfeld

Am kommenden Wochenende (11./12. Juli) führt die Münster vor Ort-Tour ins Flüsse-Viertel. Dort können Architekturfreunde in eine mehr als 100-jährige Siedlungsgeschichte eintauchen, die mit dem Bau des angrenzenden Dortmund-Ems-Kanals um 1899 ihren Anfang nahm, wie es in einer Pressemitteilung des Veranstalters heißt.

 In Münster galt das Gebiet als zu erschließendes Neuland – und wurde gesondert ab 1910 entwickelt. Erste Straßen entstanden 1913 – sie wurden sämtlich nach Flüssen benannt, die mit den neuen Kanalprojekten ein weitgespanntes Reichswasserstraßennetz ergaben.

Beamten- und Arbeiterwohnungen

In Münster warben Stadtverordnete seinerzeit dafür, das neue Viertel für den Bau von Beamten- und Arbeiterwohnungen zu nutzen. Grund und Boden wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt und erstmals verschiedene Bauträger und Wohnungsvereine mit der Ausführung beauftragt. Um der großen Wohnungsnot zu begegnen, entstanden typisierte Reihenhäuser in einfacher Ausstattung. An Weser- und Rheinstraße, Elbe- und Moselstraße lassen sich frühe Bauabschnitte noch heute finden, nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Planungen fortgesetzt. Da an der „Danziger Freiheit“ ein neues Straßenbahn-Depot geplant war, bezogen vielfach Straßenbahn-Angestellte die neuen Häuser. Die Dienstjacken trugen ein „Blitz“-Abzeichen und gaben der neuen Siedlung den Namen „Blitzdorf“.

Gehobene Wohnhäuser

Nicht nur Siedlungshäuser schmückten das Viertel, auch zahlreiche gehobene Wohnhäuser entstanden. Nach 1945 setzte die sechseckige St. Pius-Kirche  (1962/64, Architekten: Paul Ehling, Günther Fiedler) ein weiteres Zeichen und flankiert den Eingang ins Viertel.

Die Tour wird die Entwicklung des Gebietes nachzeichnen, auf verschwundene Orte wie das Haus Mauritzheide oder die Radrennbahn, gelungene Sanierungen und offen liegende Potenziale verweisen. Auch liegen ein ehemaliges Schülerbootshaus, ein Yachthafen und ein Bunker auf dem Weg.

Die Tickets für die 3,5-stündige Tour unter der Leitung des Architekten und Autoren („Architekturführer Münster“) Stefan Rethfeld am Fr 10.7. um 15 Uhr sowie am Sa 11.7. um 11 Uhr und Sonntag 12.7. um 11 Uhr (Wiederholung) sind im WN-Ticket-Shop, Prinzipalmarkt 13 oder bei Tourbeginn erhältlich. Treffpunkt ist die Piuskirche, Lahnstraße 5. Nächste Termine: Rumphorst (21.-23. August) und Hörstertor (18.-20. September). Weitere Infos: www.muenster-vor-ort.de

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