Gleitaar
Seltener Greifvogel im LWL-Museum für Naturkunde präpariert

Münster -

Der Geisaar kommt eigentlich aus Nordwestafrika und Spanien – in Mitteleuropa gilt der Greifvogel als Rarität. Umso begeisterter waren die Präparatoren des LWL-Naturkundemuseums, als sie einen der seltenen Vögel für die Sammlung erhielten. Damit das Tier so echt und unversehrt wie möglich aussieht, wird viel Aufwand betrieben.

Mittwoch, 08.07.2020, 08:00 Uhr
Dieser Gleitaar ist das jüngste Mitglied des Magazins des LWL-Museums für Naturkunde: Die Verletzungen des Tieres sind am Ende der Präparation nicht mehr zu sehen und es wirkt besonders naturnah.
Dieser Gleitaar ist das jüngste Mitglied des Magazins des LWL-Museums für Naturkunde: Die Verletzungen des Tieres sind am Ende der Präparation nicht mehr zu sehen und es wirkt besonders naturnah. Foto: LWL/Christoph Steinweg

Die wissenschaftliche Sammlung im LWL-Museum für Naturkunde in Münster bekommt Zuwachs: Ein Exemplar des in Mitteleuropa äußerst seltenen Gleitaars wurde von Museumsmitarbeitern präpariert und ist nun das jüngste Mitglied des Magazins, wie das Museum in einer Mitteilung schreibt.

Entdeckt hatte den toten Greifvogel ein Landwirt auf seinem Acker in Niedermörmter (Kreis Kleve). Wahrscheinlich verunglückte der Vogel an einem Strommast.

Islam begeistert

„Ich war begeistert als ich gehört habe, dass wir einen Gleitaar bekommen“, erklärt Aminul Islam, Leiter der zoologischen Präparationswerkstatt im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Islam präparierte das Tier für die Sammlung. „Ich kenne viele Kollegen in Deutschland, die schon lange im Beruf sind. Aber weil der Gleitaar so selten ist, haben sie noch keinen zur Präparation bekommen. Das ist für uns eine einmalige Chance, für mich als Präparator ganz besonders“, so der Fachmann.

Auch wenn der Gleitaar nur so groß ist wie eine Taube, sorgte sein Auftauchen für Aufsehen unter Vogelkennern. Museumsleiter Dr. Jan Ole Kriegs: „Eigentlich ist das Tier in Nordwestafrika und Spanien zu Hause, wird aber zunehmend auch nördlich gesichtet. In Mitteleuropa gilt er als seltene Ausnahmeerscheinung.“ Deswegen gab der Verein Naturschutzzentrum Kreis Kleve, an den sich der Finder gewendet hatte, den Vogel an das LWL-Museum weiter.

Viele Verletzungen

Als das Tier im Museum ankam, wurde das Ausmaß der Verletzungen durch den Zusammenstoß und wohl auch der anschließenden Liegezeit sichtbar: Viele einzelne Löcher, fehlende Federn und Verletzungen an Schulter und Bauch – alles in allem kein Wunschzustand für einen Präparator.

Dessen Aufgabe ist, die Verletzungen so gut wie möglich unsichtbar und das Erscheinungsbild des Gleitaars so naturnah wie möglich zu gestalten. Aminul Islam beginnt jede Präparation mit der Vermessung des Tiers, so auch beim Exemplar des Gleitaars. Alle Maße müssen für wissenschaftliche Zwecke aufgezeichnet werden. Dann wird die Haut abgezogen, gewaschen und getrocknet, jegliches organisches Material wird entfernt.

Schnabel und Augenlider verzogen

Den Körper des Vogels schnitzt der Präparator aus Hartschaum, er soll dem Original möglichst ähnlich sein, damit die Haut später darüber passt. Sitzt die neue alte Haut, muss das Präparat eine Woche lang trocknen. Den Schnabel und die Augenlider modelliert Aminul Islam nach, da sie sich beim Trocknen verzogen haben. „Wir nehmen auch Gewebeproben von dem Tier für unser DNA-Gewebearchiv“, so Islam. „Am Ende ist aus dem Vogel ein lebensechtes Meisterwerk geworden. So gute Präparatoren wie Aminul Islam und sein Team am Hause zu haben, ist für ein Museum von unschätzbarem Wert“, so Kriegs.

So schnell wird der Gleitaar jedoch nicht in einer Ausstellung zu sehen sein. Er geht jetzt zunächst in die rund 26 000 Objekte umfassende Vogelsammlung des Museums.

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