Nagelstudio-Prozess
Anonymer Hinweis brachte Ermittler auf die Spur - weitere Geständnisse

Münster -

Prozesstag vier im Mammutprozess um Steuerhinterziehung und illegale Beschäftigung vietnamesischer Angestellter in mehreren Nagelstudios im Münsterland: Nachdem am vergangenen Verhandlungstag bereits der augenscheinliche Strippenzieher und Organisator ausgesagt und gestanden hatte, zogen zwei weitere Angeklagte nach.

Dienstag, 07.07.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 21:07 Uhr
Nagelstudio-Prozess: Anonymer Hinweis brachte Ermittler auf die Spur - weitere Geständnisse
Das Archivbild zeigt sechs Angeklagte und zwölf Verteidiger während des Prozesses am Landgericht Münster. Foto: Pjer Biederstädt

Einer von ihnen, der Bruder des Strippenziehers, räumte ein, Schwarzarbeit betrieben und Steuern hinterzogen wurden. Ein detaillierteres Geständnis solle allerdings erst folgen.

Konkreter wurde da der 28-Jährige Angeklagte. Er habe, nachdem er frisch aus Vietnam im Jahre 2018 nach Deutschland gekommen war, zunächst in einem Nagelstudio in Dülmen gearbeitet. Nach einigen Monaten sei er vom augenscheinlichen Strippenzieher gefragt worden, ob er nicht selbst ein Nagelstudio übernehmen wollte, jenes am Aegidiimarkt in Münster.

Er habe zugestimmt, schließlich hätte er in Dülmen gesehen, wie viel Geld man so verdienen könne und ihm sei zugesichert worden, dass er dort feste Strukturen und Mitarbeiter übernehmen werde.

Schwerpunktprüfung in Kosmetikbranche 

Zudem erläuterte er, vom Strippenzieher und anderen Mitangeklagten klare Instruktionen bekommen zu haben: Er sollte wegen der Steuer lediglich ein Drittel der Umsätze melden, seinen Angestellten deutlich mehr als auf dem Papier vereinbart auszahlen und als er selbst eine vakante Stelle nicht besetzen konnte, wurde ihm eine neue Mitarbeiterin zugeteilt. Sein Fazit: „Ich hatte nicht das Gefühl, Chef zu sein, sondern eher, dass ich alles nur verwalten und aufpassen sollte“.

Daneben wurde im Laufe des Prozesses die Haupt-Ermittlungsführerin vom Zoll befragt. Sie führte aus, die Ermittlungen hätten nach einem anonymen Hinweis im Jahre 2016 begonnen. Nach einer Schwerpunktprüfung in der Kosmetikbranche im Jahre 2017 hätte sich der Verdacht der Steuerhinterziehung, der Schwarzarbeit und des Menschenhandels gegen die nun Angeklagten erhärtet.

Observationen und die Überwachung der Kommunikationswege hätten zunehmend Beweise dafür geliefert und offenbart, dass Mitarbeiter angehalten wurden, sich auf Überprüfungen vorzubereiten und Beweismittel zu vernichten.

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