Kometen-Aufnahmen
Hobby-Astronomen aus Münster sind die Schnellsten am Teleskop

Münster -

Alle 6000 bis 7000 Jahre kommt es vor, das Neowise, so heißt der jüngst entdeckte Komet, der Erde so nah kommt, wie jetzt. Die ersten Aufnahmen, die bestätigen, dass es sich um einen Kometen handelt, hat eine Gruppe aus Münster gemacht – mit einem Teleskop, das in Australien steht.

Montag, 13.07.2020, 20:00 Uhr
Seltener Anblick: Der Komet
Seltener Anblick: Der Komet Neowise ist in den nächsten Tagen am Nachthimmel mit bloßem Auge gut zu erkennen. Foto: imago images/Ingo Wächter

Neowise heißt der Komet, der in diesen tagen am Nachthimmel mit bloßem Auge zu erkennen ist. Dass der Komet der Erde so nah kommt, dass das möglich ist, kommt nur alle paar Tausend Jahre vor. Und die ersten Aufnahmen von dem schönen Spektakel, die von der Erde aus gemacht wurden, stammen aus Münster – beziehungsweise von einem Teleskop in Australien, das von Münster aus bedient wurde.

Die ersten Bilder vom Kometen

„Wir haben das Glück, dass wir über Bildungsprojekte auf Großteleskope in Australien zugreifen können“, sagt Paul Breitenstein. Der Hobby-Astronom leitet die Aim-Projektgruppe (Astronomy and internet in Münster). „Unsere Gruppe konnte zufällig die ersten Bilder von dem Kometen machen“, weil sie als erste auf eine Online-Meldung des Minor Planet Centers (Zentrum für Kleinplaneten) aufmerksam wurde, wie Breitenstein erklärt.

Die Plattform sammele Daten und wenn etwas Neues entdeckt werde, würden die Daten veröffentlicht, um zu verifizieren, dass es sich – in diesem Fall – um einen Kometen handelt. Breitenstein: „Als die Meldung kam, haben wir direkt draufgehalten und dabei die ersten Aufnahmen von der Erde aus gemacht.“ Das australische Großteleskop, das die Gruppe nutze, funktioniere quasi wie eine Webcam, die man von Münster aus über das Internet steuern könne, erläutert Breitenstein.

Sie werden aufgeheizt und dadurch entsteht eine Gasstaubwolke, die man als Schweif erkennen kann.

Paul Breitenstein

Bei Kometen handele es sich im Grunde um Schneebälle, die zufällig in die Nähe der Sonne kämen. „Sie werden aufgeheizt, und dadurch entsteht eine Gasstaubwolke, die man als Schweif erkennen kann“, so Breitenstein. „Das ist ein sehr, sehr seltenes Ereignis.“ Er gehe davon aus, dass Neowise 6000 bis 7000 Jahre brauchen wird, bis er der Erde wieder so nahe kommt. Besonders „schön“ zu beobachten sei Neowise, weil er im Gegensatz zu vielen anderen Kometen nicht in Einzelteile zerfallen sei: „Er hat die Passage um die Sonne sehr gut überstanden.“

Schön anzusehen, ja, aber zu nah sollte der Komet der Erde auch nicht kommen. Der münsterische Hobbyastronom erklärt, warum die Aufnahmen, die sie gemacht haben, wichtig sind: „Das Minor Planet Center interessiert vor allem, wo sich der Komet befindet und ob er auf Kollisionskurs mit der Erde ist. Das wäre nicht so lustig“, aber Breitenstein beruhigt: Die anhand der Aufnahmen berechnete Flugbahn deute auf keine Gefahr hin. Neowise ist „einfach nur schön.“

Wer diese einmalige Chance nutzen möchte, den Kometen am Nachthimmel zu bestaunen, muss in den nächsten Tagen allerdings ein bisschen Schlaf opfern: Am besten eigne sich ein Nachtspaziergang zwischen 0 und 3 Uhr, sagt Breitenstein. Gut zu erkennen sei der Komet beispielsweise von der Kanalbrücke an der Warendorfer Straße aus.

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