Train-Denkmal unkenntlich gemacht
„Heroisierung von Kriegsverbrechern“

Münster -

Das Train-Denkmal am Ludgerikreisel wurde zur Ehrung dreier Soldaten aufgestellt. Seit Jahren fordern Kritiker, dass es enthüllt oder entfernt wird. Jetzt wurde es von Mitgliedern einer Initiative unkenntlich gemacht.

Montag, 13.07.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 14.07.2020, 15:20 Uhr
Die Inschriften am Train-Denkmalfoto wurden mit Farbe unleserlich gemacht.
Die Inschriften am Train-Denkmalfoto wurden mit Farbe unleserlich gemacht. Foto: Matthias Ahlke

In der Nacht von Sonntag auf Montag haben Mitglieder der Initiative „Mahnmal statt Denkmal“ das Train-Denkmal am Ludgerikreisel derart unkenntlich gemacht, dass die Inschriften nicht mehr sichtbar sind.

Auf diese Weise prangert die Initiative nach eigenem Bekunden die Verklärung von Kriegsverbrechen an, „die mit der Errichtung des Denkmals romantisiert werden“. Die Aktion solidarisiere sich mit den Forderungen der Bewegung „Black Lives Matter“. Angestrebt sei, „die einseitige weiße Geschichtsschreibung umzustoßen, in der nicht-weißen Menschen kein Platz im kollektiven Gedächtnis eingeräumt wird und in der Gewalttaten der Kolonialherren verschwiegen, relativiert und heroisiert werden“, heißt es.

Forderung nach Abriss

Das Train-Denkmal am Ludgerikreisel wurde zur Ehrung dreier Soldaten aufgestellt, von denen einer während der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China starb und die beiden anderen in Deutsch-Südwestafrika 1905/1906 bei der blutigen Niederschlagung der Aufstände der Herero und Nama ums Leben kamen. Die Ermordung von Zehntausenden Herero und Nama wurde im Jahr 2016 in Deutschland als Genozid anerkannt. „Das Train-Denkmal steht jedoch nach wie vor“, so die Kritiker.

Seit 1982 drängen Bürgerinitiativen darauf, das Denkmal zu verhüllen oder zu entfernen. Diesen Forderungen wurde von der Stadt bisher nicht entsprochen.

Die Sprecherin der Initiative, Marianne Schulte-Introp, sieht in der Entfernung des Denkmals einen notwendigen Schritt, „um die Heroisierung und Erinnerungskultur von Kriegsverbrechern zu beenden“.

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