Münsteranerin regt sich über Bauarbeiter auf
Engagement mit Füßen getreten

Münster -

Seit sieben Jahren kümmert sich eine 77-jährige Münsteranerin um die Baumscheibe vor ihrer Haustür. Doch plötzlich stehen Bauarbeiter in ihrem Beet, zertreten die Blumen. Der Bauleiter versucht die Situation zu erklären.

Dienstag, 14.07.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 09:47 Uhr
Trotz ihrer 77 Jahre kümmert sich Ellen Kopplin um diese Baumscheibe.
Trotz ihrer 77 Jahre kümmert sich Ellen Kopplin um diese Baumscheibe. Foto: Joel Hunold

Die Kettelerstraße im Kreuzviertel ist eine eher ruhige Straße. Wer sie entlangfährt, übersieht fast die kleine grüne Oase, die unscheinbar am Straßenrand liegt, die Ellen Kopplin erschaffen hat. Seit 2013 pflegt sie dort eine Baumscheibe – jene quadratische Fläche um den vor ihrer Wohnung stehenden Baum. „Ich gebe mir größte Mühe, es hier schön zu machen“, erzählt Kopplin.

Ganz uneigennützig ist ihr Engagement nicht. Früher wurde jener Baum genutzt, um dort Sperrmüll abzustellen, Gelber-Sack-Pyramiden waren meterhoch aufgestapelt. „Irgendwann hab ich mir gedacht: Das reicht jetzt.“

Plattgetrampelte Pflanzen

Obwohl sie mittlerweile 77 Jahre alt ist, gießt sie im Sommer regelmäßig das kleine Fleckchen. Holt Blumenerde auf ihrem Rollator. Und am Wochenende wird in der Erde gebuddelt, um neue Kräuter und Bodendecker zu pflanzen.

Ende letzter Woche musste sich Kopplin plötzlich ärgern. „Ich hab aus meinem Fenster geschaut, und da standen Bauarbeiter im Beet.“ Noch immer sind Spuren des aus Kopplins Sicht „rücksichtslosen Verhaltens“ erkennbar. Pflanzen sind platt getrampelt, rausgerissen, im Bodendecker klafft ein Loch.

Da wurde ein Baumschutz angebracht, damit unsere Fahrzeuge nicht aus Versehen den Baum verletzten.

Bauleiter Klaus Krale

Die Bauarbeiter vom münsterischen Bauunternehmen Batteux führen im Auftrag der Stadtwerke Wasser- und Gasleitungsarbeiten durch. Bauleiter Klaus Krale kann die Aufregung nicht nachvollziehen. „Da wurde ein Baumschutz angebracht, damit unsere Fahrzeuge nicht aus Versehen den Baum verletzten“. Die Baumscheibe hätte dafür betreten werden müssen, „wir können ja nicht fliegen“, so Krale. Rücksichtslos oder absichtlich sei nichts zerstört worden, beteuert er. Kopplin denkt darüber nach, ihre Baumscheibe abzugeben. „Doch ich finde niemanden, der das übernehmen möchte.“ Und wenn sie sieht, dass dort etwas nicht stimmt, dann kann sie eben nicht davon ablassen.

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