Internationaler Gedenktag am 21. Juli
Acht Todesfälle wegen Drogenkonsums

Münster -

Viele Drogenkonsumenten haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. In Münster ist das anders. Und das scheint sich positiv auszuwirken: Die Zahl der Todesfälle ist dort relativ gering.

Montag, 20.07.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 20.07.2020, 20:40 Uhr
Internationaler Gedenktag am 21. Juli: Acht Todesfälle wegen Drogenkonsums
Foto: Colourbox.de (Symbolbild)

Am heutigen „Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher“ rufen viele Vereine und Organisationen dazu auf, die medizinischer Versorgung von Betroffenen zu verbessern. In Münster hat die Polizei im vergangenen Jahr acht Todesfälle durch Drogenkonsum verzeichnet, 2018 waren es fünf.

„Man muss aber davon ausgehen, dass die Dunkelziffer relativ hoch ist“, sagt Polizeisprecherin Vanessa Arlt. Das Problem sei, dass ein direkter Zusammenhang zu dem Konsum bestehen muss, deshalb könnten einige konsumbedingten Todesfälle – beispielsweise durch Langzeitfolgen – in der Statistik gar nicht erfasst werden.

Deutlich weniger Neukonsumenten

Die Zahl der Todesfälle in Münster sei relativ gering, sagt Ralf Gerlach, Leiter des Vereins Indro, der ein Kontaktcafé und einen Konsumraum am Bremer Platz betreibt. „Wir hatten 2019 wirklich ein Rekordjahr“, so Gerlach, erstmals suchten mehr als 20 000 Konsumenten die Einrichtung auf. Dass mehr Menschen die entsprechenden Angebote wahrnähmen, hänge mit der verhältnismäßig geringen Zahl der Todesfälle zusammen, „weil sie hier unter hygienischen Bedingungen und medizinischer Beobachtung konsumieren“.

Das bestätigt Georg Piepel von der städtischen Drogenhilfe: „Es ist sicherlich so, dass der Konsumraum dazu beiträgt, dass wir weniger Drogentote in Münster haben.“ Erfreulich sei, dass es bei der Drogenhilfe einen deutlichen Rückgang der Neukonsumenten gebe, sagt Piepel. Auch machten die Opiat-Konsumierenden (z.B. Heroin) „nur“ 26 Prozent der Ratsuchenden aus.

Bundesweit fast 1400 Drogentote

Bundesweit sind fast 1400 Menschen infolge des Konsums gestorben, wie die Deutsche Aidshilfe mitteilt. Die Aidshilfe fordert mehr Zugang zu Gesundheitsversorgung für Betroffene, vor allem zur Substitutionsbehandlung, also Ersatzmedikamente für Suchtkranke.

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