Rassismus-Vorfall am Coconut Beach
Zusammenarbeit mit Sicherheitsdienst steht auf der Kippe

Münster -

Der Rassismusvorfall am Coconut Beach hat in Münsters Partyszene und darüber hinaus für Entsetzen gesorgt. Thomas Pieper, Geschäftsführer der Dockland GmbH, möchte jetzt die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma überprüfen. Aber nicht nur das.

Dienstag, 21.07.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 21.07.2020, 19:20 Uhr
Das Gelände des Clubs „Coconut Beach“: Chef Thomas Pieper führt nun Gespräche mit dem beauftragten Sicherheitsdienst..
Das Gelände des Clubs „Coconut Beach“: Chef Thomas Pieper führt nun Gespräche mit dem beauftragten Sicherheitsdienst.. Foto: Matthias Ahlke

Der Schock sitzt tief bei Thomas Pieper. Er ist Mitinhaber des „Coconut Beach“, an dem am Sonntagnachmittag der Polizist Victor Ocansey und seine Söhne von einem Türsteher nicht zu einer Party gelassen wurden.

„Das hätte nicht passieren dürfen. Dass es ständig in Clubs deutschlandweit passiert, macht es nicht besser“, so Pieper. Er selbst habe in seiner Jugend als Halb-Koreaner rassistische Erfahrungen machen müssen.

Türsteher ist „nicht rassistisch“

 „Wir haben immer wieder Treffen mit unseren Security-Unternehmen“, erläutert Pieper. Zwar gebe es Kriterien wie aggressives Verhalten oder antidemokratisches Auftreten, nach denen jemandem der Zutritt verweigert werde, doch die Hautfarbe gehöre nicht dazu.

Mit Victor Ocansey habe Pieper am Dienstag eine Stunde lang telefoniert und dabei auch überlegt, wie diese Form von Alltagsrassismus in Zukunft verhindert werden könne. Denn dass der betroffene Türsteher einen Fehler gemacht habe, räumte Pieper ein. „Ich kenne ihn schon lange, er ist nicht rassistisch“, erläutert der Dockland-Geschäftsführer, räumt aber ein, dass Vorurteile trotzdem eine Rolle gespielt haben könnten. Konkret erklärt Pieper die Entscheidung des Türstehers mit Erfahrungen der vergangenen Wochen.

Für mich hängt ganz viel davon ab, wie das diese Woche aufgearbeitet wird.

Thomas Pieper

So habe es Probleme mit einem Clan aus Hamm gegeben, dessen Mitglieder auch Türsteher in Münster mit dem Leben bedroht haben. Als der Türsteher dann Ocanseys Wagen mit Hammer Kennzeichen gesehen habe, sei er davon ausgegangen, dass die drei ebenfalls zum betreffenden Clan gehören.

Das solle das Verhalten des Türstehers nicht entschuldigen: „Kommunikation ist alles“, so Pieper. Durch ein kurzes Gespräch hätte dem Türsteher – genauso wie später „Vibetown-Entertainment“-Geschäftsführer Philipp Mühlen, klar sein müssen, dass sie hier „ganz normale, vernünftige Leute vor sich haben“.

In Abstimmung mit dem Sicherheitsdienst sei vereinbart worden, dass der entsprechende Sicherheitsmann nicht mehr für Dockland arbeiten werde. Auch die weitere Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst und „Vibetown-Entertainment“ sei offen. Pieper: „Für mich hängt ganz viel davon ab, wie das diese Woche aufgearbeitet wird.“ 

Konzept zur Verhinderung von Diskriminierung 

Pieper selbst will dem Vorfall auch etwas Positives abgewinnen: „Ich setze mich am Mittwoch mit dem Chef des Sicherheitsdienstes zusammen“, erläutert er. Gemeinsam wollen sie ein Konzept entwickeln, wie jegliche Form von Diskriminierung vor Veranstaltungsstätten verhindern werden könne. Ideen seien etwa Spitznamen-Schilder der Türsteher oder ein großes Banner mit Kontakten über den Eingängen, an wen sich Betroffene wenden können.

Die münsterischen Grünen reagierten mit Bestürzung auf den Vorfall. Oberbürgermeisterkandidat Peter Todeskino und Kreisvorstandssprecher Stephan Orth fordern „klare und faire Regelungen für den Einlass in Clubs“. Auch die CDU reagierte laut einer Pressemitteilung bestürzt auf den Vorfall. Hendrik Grau, Kreisvorsitzender der CDU, forderte eine Prüfung der Vorwürfe und etwaige Konsequenzen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7503429?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker