„Das Panoptikum des Georges Méliès“
Irrwitziges Kleinbildkino im Planetarium

Münster -

Ein Filmpionier auf der Planetariumskuppel: Der französische Illusionist Georges Méliès steht hat „Freuynde + Gaesdte“ zu einer neuen Produktion inspiriert.

Montag, 27.07.2020, 12:50 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 15:30 Uhr
„Freuynde und Gaesdte“ laden auf historischen Pfaden zu einem kurzweiligen Science-Fiction-Spaß ins Planetarium.
„Freuynde und Gaesdte“ laden auf historischen Pfaden zu einem kurzweiligen Science-Fiction-Spaß ins Planetarium. Foto: f+g

Nun ist es amtlich: Die Sonne mit ihrem Strahlenkranz strafte die Menschheit einst mit jenem Corona-Virus, dessen jüngste Mutation die Welt bis heute in Atem hält. Und wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer. Auch wenn die Alpenländler in der neuen Produktion von „Freuynde + Gaesdte“ eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

„Das Panoptikum des Georges Méliès“ heißt die liebevolle wie amüsante Hommage an den französischen Illusionisten und Filmpionier Georges Méliès (1861-1938). So umwerfend die Naivität und der tricktechnische Erfindungsreichtum Méliès‘, der durch sein ikonenhaftes Bild vom Mondgesicht mit Rakete im Auge bekannt wurde, so genial ist die Herangehensweise der Freuynde, um dem Publikum das Panoptikum Méliès’ zu erschließen: Man nehme vier Filme des Meisters und versehe sie, wie Méliès einst selbst, mit Texten zur Handlung. Was Zeha Schröder (Autor und Tonregie) und seine sechs Mitstreiter von „Freuynde + Gaesdte“ daraus zaubern, ist irrwitziges Kleinbildkino auf der Planetariumskuppel.

Während der Zuschauer beim Prolog „Illusions Fantaisistes“ (1909) noch rätselt, ob er hier womöglich gerade eine auf Stummfilm getrimmte Spielszene erlebt, betritt im ersten Teil von Méliès’ handkoloriertem Meisterwerk „Voyage de la Lune“ (1902), einem der frühesten Science-Fiction-Filme, jener imposante Professor Tou­rette die Szenerie, der seine Forscherkollegen „bornierte Sesselpupser“ schimpft und hernach mit ihnen („Raus aus den Talaren, hinein ins Abenteuer!“) in einer raketenbetriebenen Weltraumkapsel zum Mond fliegt.

Das geht bekanntlich ins Auge, und ist auch deshalb wunderbar komisch, weil die Freuynde den Stummfilmfiguren in live gesprochenen Dialogen Kurioses in den Mund legen und das Abenteuer mit köstlichen Zitaten spicken wie Neill Arm­strongs „Ein Riesenschritt für die Menschheit“ oder „Thank you for Chosing . . .“, dem Werbeslogan der Bundesbahn. Auch die Soundeffekte, bei denen Zeha Schröder ein junges Talent gewinnen konnte, halten so manche Überraschung bereit — Stichwort: Ionentriebwerk.

Nach Tourettes Erkenntnissen zum Corona-Virus im Schwarz-Weiß-Film „L’Eclipse“ (1906) und seinem tragischen Dahinscheiden strebt schließlich der forsche Tourette Junior in „Voyage à travers l‘Impossible“ (1904) erneut der Sonne zu, diesmal begleitet von einer illustren Schar aus Finanziers – und einer „Zeitungsente“ in Gestalt der rasenden Reporterin Nellie Blei. Wer wissen will, ob die Mission gelingt, und wie die Kältekammer auf Schwyzerdütsch heißt, sollte sich diesen kurzweiligen Spaß nicht entgehen lassen.

Karten für die Vorstellungen bis zum 12. August gibt es online:

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