Stadtwerke und Telekom kooperieren
Das Ziel: Glasfaser für alle bis 2030

Münster -

Nicht erst seit dem Homeoffice wissen viele Münsteraner, dass das Internet bei ihnen zu Hause langsam ist. Die Stadtwerke wollen daran jetzt gemeinsam mit der Telekom etwas ändern. Denn: Keiner der Partner kann dieses Mammut-Projekt alleine stemmen.

Mittwoch, 29.07.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 29.07.2020, 18:30 Uhr
Glasfaserleitungen sind unentbehrlich, soll schelles Internet bis in alle Haushalte kommen. Michael Hagsphil (kleines Foto, l.) und Sebastian Jurczyk wollen den flächendeckenden Ausbau in Münster bis 2030 voranbringen.
Glasfaserleitungen sind unentbehrlich, soll schelles Internet bis in alle Haushalte kommen. Michael Hagsphil (kleines Foto, l.) und Sebastian Jurczyk wollen den flächendeckenden Ausbau in Münster bis 2030 voranbringen. Foto: Klaus Meyer/Matthias Ahlke

Wer Großes vorhat, sollte erst einmal tief stapeln. Als die Telekom und die Stadtwerke Münster am Mittwoch ihr Gemeinschaftsprojekt zum Glasfaserausbau vorstellten, da sagte der Telekom-Geschäftsführer Michael Hagsphil: „Die Telekom schafft das nicht allein.“

Und auch Stadtwerke-Geschäftsführer Sebastian Jurczyk ließ keinen Zweifel daran, dass verschiedene Akteure an einem Strang ziehen müssten, um ein so großes Projekt stemmen zu können: „Gemeinschaftlich sorgen wir für eine bessere Auslastung des Netzes.“

Erste Baumaßnahme im Jahr 2021

Gemeint ist das Glasfasernetz für schnelles Internet, das beide Unternehmen in den kommenden zehn Jahren flächendeckend und bis in jedes Haus hinein ausbauen wollen.

Jurczyk und Hagsphil unterschrieben dazu – im Beisein von Oberbürgermeister Markus Lewe – eine Absichtserklärung (Letter of Intent), die bereits im kommenden Jahr eine erste Baumaßnahme nach sich ziehen soll. Wo genau, das werde derzeit geprüft, so der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Für 30 Jahre zu Zusammenarbeit verpflichtet

Dem Vernehmen nach nehmen beide Unternehmen für das Zehn-Jahres-Projekt jeweils einen unteren dreistelligen Millionenbetrag in die Hand und verpflichten sich für 30 Jahre zu einer Zusammenarbeit, die Stadtwerke als Eigentümerin des noch zu bauenden Netzes, die Telekom als Betreiber.

Da  aktuell nur rund zehn Prozent der münsterischen Haushalte einen Glasfaseranschluss nach FTTH-Standard (Glasfaser auch auf der „letzten Meile“) haben, ist eine sehr umfassende Bautätigkeit im Stadtgebiet erforderlich. Was den Bau von Versorgungsnetzen betrifft, seien die Stadtwerke „der regionale Platzhirsch in Münster“, so der Telekom-Geschäftsführer für den Bereich Privatkunden. Die Telekom ihrerseits bringe ebenfalls eine zentrale Kompetenz in die Zusammenarbeit ein: „Wir wissen, wie man Netze betreibt.“

Kommentar: Teilen und gewinnen

Von Klaus Baumeister

Alle Münsteraner erinnern sich noch an die große Kampagne der Telekom, mit der sie vor einigen Jahren um Kunden für einen Glasfaseranschluss warb. Sobald eine bestimmte Anzahl an Vorverträgen erreicht sei, so hieß es damals, würden ganze Quartiere erschlossen. Funktioniert hat es nicht. Später übernahmen die Stadtwerke Münster das Konzept. Im Kreuzviertel und im Hansaquartier wurde auch tatsächlich gebuddelt, ein durschlagender wirtschaftlicher Erfolg aber blieb aus.

Jetzt tun sich beide Unternehmen zusammen und verabschieden sich von der Vorstellung, wonach Investitionen ins Glasfasernetz nur getätigt werden sollen, wenn man sich damit exklusive Vermarktungsrechte sichern kann. Vielmehr besticht das neue Konzept durch eine glasklare Aufgabenteilung: Die Stadtwerke bauen das Netz und behalten es im Eigentum. Die Telekom mietet das Netz und betreibt es für sich, aber auch für jeden anderen Internet-Anbieter, etwa die Stadtwerke. Sprich: Beim Wettbewerb um Endkunden sind Stadtwerke und Telekom Konkurrenten, ansonsten sind sie Partner. Und Mitbewerber wie Vodafone oder 1&1 dürfen das Netz ebenfalls nutzen – gegen entsprechende Durchleitungsgebühren.

Kurz und gut: Das Konzept verspricht weniger Exklusivität, aber auch ein geringeres Risiko.

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Keine Angaben zu Anschlusskosten

Insgesamt stehen in Münster rund 40 000 Gebäude. Jedes mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen, setzt natürlich ein entsprechendes Einverständnis (und auch Interesse) der Hauseigentümer voraus. Zu der Frage, welche Anschlusskosten die Hauseigentümer erwarte, machten Stadtwerke und Telekom keine Angaben. Das hänge nicht zuletzt von der Frage ab, hieß es, welches Angebot die Anbieter den Endkunden unterbreiten würden.

Zum Hintergrund: Stadtwerke und Telekom planen ein offenes Netz, das auch andere Unternehmen für ihre Internet-Dienstleistungen nutzen können. Das sorgt für Wettbewerb.

Für Oberbürgermeister Markus Lewe ist es wichtig, dass das neu geschaffene Glasfasernetz „in kommunaler Hand bleibt“. Die Schaffung einer optimalen digitalen Infrastruktur sei im 21. Jahrhundert „Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge“. Lewe bedauerte, dass staatliche Fördermittel zum Ausbau des Glasfasernetzes ganz überwiegend nur für den ländlichen Raum zur Verfügung stünden. 

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