Kampfmittelfund
Großevakuierung betrifft 14.000 Münsteraner

Münster -

Im westlichen Teil des Stadtteils Mauritz wurden insgesamt sechs Fliegerbomben gefunden. Im September soll es zu einer großen Evakuierungsmaßnahme kommen. Ob die Corona-Lage diese erschweren wird, bleibt abzuwarten.

Freitag, 31.07.2020, 14:30 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 14:32 Uhr
Kampfmittelfund: Großevakuierung betrifft 14.000 Münsteraner
Foto: Colourbox.de (Symbolbild)

Erst am Mittwoch hat die Entschärfung einer Weltkriegsbombe an der Pötterhoekschule für eine Evakuierung der Anwohner gesorgt. Im September müssen aller Voraussicht nach mindestens 14 000 Münsteraner im Stadtteil Mauritz und angrenzenden Straßen ihre Wohnungen für einen Tag verlassen. Kampfmittelexperten der Stadtverwaltung haben dort sechs Verdachtspunkte ausgemacht, wo Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen könnten. Diese sollen an einem Sonntag im September, jedoch nicht an den Wahltagen (13. und 27. September), entschärft werden.

„Das wird sehr aufwendig, weil das Franziskus-Hospital und mehrere große Altenpflegeeinrichtungen im Evakuierungsgebiet liegen“, erläutert Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer, der den für die Evakuierung eingerichteten Krisenstab der Stadt leitet. Die betroffenen Altenpflegeeinrichtungen sind das Klarastift, das Haus Maria Trost sowie das Mutterhaus der Franziskanerinnen.

Alle Verdachtspunkte gleichzeitig freilegen

Da eine Evakuierung von Patienten und älteren Münsteranern aufwendig sei, habe man sich dafür entschieden, in einer konzertierten Aktion alle sechs Verdachtspunkte gleichzeitig freizulegen und zu überprüfen. „Dadurch wollen wir verhindern, dass die Bereiche in einem halben Jahr schon wieder evakuiert werden müssen“, so Heuer. Wegen des Ausmaßes sei extra ein Gutachter hinzugezogen worden, der konkret Folgewirkungen von möglichen Explosionen berechnen kann. 

Die Freilegung und mögliche Entschärfung der Blindgänger werde mit Sprengschutzaufbauten, großräumigen Verkehrsumleitungen und Aufenthaltsräumen für eine große Zahl an Menschen einhergehen. „Wir schätzen, dass wir uns für 1000 bis 2000 Menschen um eine Unterbringung kümmern müssen“, sagt Heuer, wobei er das Franziskus-Hospital ausnimmt. 

Wir werden das entsprechend vorbereiten und, sobald wir ein Datum wissen, Patienten möglichst vorher entlassen.

Krankenhaus-Sprecherin Marlene Lepper

Dieses ist, genau wie die Feuerwehr und mehrere städtische Ämter, in den Krisenstab eingebunden, der am Mittwoch zum ersten Aal getagt hat und, so Heuer, „noch mehrmals tagen wird, nächstes Mal in zwei Wochen“.

Krankenhaus-Sprecherin Marlene Lepper erläutert, man sei informiert und werde in den kommenden Wochen, in Absprache mit der Stadt, Evakuierungspläne entwerfen. „Wir werden das entsprechend vorbereiten und, sobald wir ein Datum wissen, Patienten möglichst vorher entlassen." Ein Gutachter werde zudem in den nächsten Tagen klären, ob das gesamte Krankenhaus evakuiert werden müsse oder nur Teile. 

Corona-Lage könnte Evakuierung erschweren

Ob dies die größte Evakuierung Münsters seit Kriegsende werde, darauf wollte Heuer sich nicht festlegen, aber sicherlich eine der größten in den letzten Jahren. „Hinzu kommt das Risiko, dass die geplante Großevakuierung durch eine mögliche Verschärfung der Corona-Lage erschwert werden kann“, sagt Heuer. Ob dies der Fall sein werde, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar und hänge vom Infektionsgeschehen im September ab. Im äußersten Fall werde die Entschärfung verschoben. 

Bei den sechs Verdachtspunkten handele es sich wahrscheinlich um Weltkriegsbomben der 250- und der 500-Kilogramm-Klasse, so die Stadt. Bei dieser Größenordnung schreiben Experten die Evakuierung eines Umkreises von 500 Metern um jeden der Fundort vor. Heuer erläutert, dass Kampfmittelexperten die Orte durch die Analyse von Luftaufnahmen und Fliegerbildern der Alliierten bestimmt haben. Die betroffenen Münsteraner werden laut Stadt in den kommenden Wochen auf unterschiedlichen Kanälen fortlaufend informiert.

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