Ausstellung im Stadthafen
"MS Wissenschaft" zeigt Pflanzen als Retter der Zukunft

Münster -

Pflanzen sind echte Multitalente: Sie sollen die wachsende Weltbevölkerung künftig ernähren und mit Rohstoffen versorgen können. Wie genau, zeigt die Ausstellung auf der „MS Wissenschaft“.

Donnerstag, 30.07.2020, 18:00 Uhr
Ist es eigentlich okay, dass ich Tiere esse? Und traue ich mich, im Labor gezüchtete Alternativen zu probieren? Auf der „MS Wissenschaft“ kann man den Selbsttest machen. Jaqueline Dupont von der Universität Osnabrück erklärt außerdem, welche innovativen Fleischalternativen es gibt
Ist es eigentlich okay, dass ich Tiere esse? Und traue ich mich, im Labor gezüchtete Alternativen zu probieren? Auf der „MS Wissenschaft“ kann man den Selbsttest machen. Jaqueline Dupont von der Universität Osnabrück erklärt außerdem, welche innovativen Fleischalternativen es gibt, geben wird, und wie nachhaltig sie sind. Foto: Oliver Werner

Bis In-vitro-Fleisch auf den Markt kommt wird es noch einige Jahre dauern, doch Insektenburger sind bereits seit 2018 verkäuflich. Die innovativen Fleisch-Alternativen sollen es ermöglichen, die ständig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und dabei Tiere und Umwelt zu schonen.

Ob man sich trauen würde, im Labor gezüchtetes Fleisch oder Insektenburger zu essen – und ob man den eigenen Fleischkonsum überhaupt rechtfertigen kann – können Besucher auf dem Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“ ausprobieren, das seit Donnerstag im Stadthafen liegt. Das Thema der Ausstellung ist Bioökonomie – und der nachhaltige Fleischersatz nur ein kleiner Teil davon. Viele bioökonomische Ideen befinden sich noch in der Forschung, andere sind bereits umgesetzt.

T-Shirts aus Kaffeesatz

Um auf chemische Tenside in Waschmitteln zu verzichten, hat ein Unternehmen beispielsweise Tenside auf Zuckerbasis entwickelt. Die Ausstellung liefert zudem den Beweis, dass man aus Kaffeesatz und recycelten Polyesterfasern Textilfasern – und somit T-Shirts – herstellen kann.

Mit der Herstellung von Energielieferanten und Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen beschäftigt sich Prof. Dr. Andrea Kruse von der Universität Hohenheim. Anhand eines Exponats erklärt sie, wie man aus Biomüll Batterien – und mit Stroh oder Chicorée Erdöl ersetzen kann. Für die herkömmliche Herstellung von Batterien braucht man Graphit, einen seltenen Rohstoff, wie Kruse erklärt: „Wenn wir in die Elektromobilität einsteigen wollen, werden wir damit ein Problem bekommen.“

Batterien aus Bioabfall

In den meisten E-Autos seien sowohl Batterien als auch ein Superkondensator verbaut: „Der lädt schnell, aber kann nicht viel Energie speichern, deshalb braucht man beides“, so Kruse. Und beides kann die Professorin aus Bioabfall herstellen, indem dieser als Kohlenstoffquelle genutzt wird. Die Bioraffinerien arbeiten mit der Landwirtschaft zusammen, sind an Biogasanlagen angeschlossen. „Die Biogasanlagen bekommen die Nebenprodukte, die nicht zu unserer Chemikalie werden, und wir nutzen die Wärme der Biogasanlage.“ Ein sich schließender Kreis, das Grundprinzip von Bioökonomie.

Wie man in Form einer solchen biobasierten Kreislaufwirtschaft Abwasser mithilfe von Algen reinigen kann, erklärt eine Station weiter Dr. Christina Kuchendorf vom Forschungsinstitut Jülich. Leitet man einen Abwasserstrom durch einen Algenrasen, nehmen die Algen die Nährstoffe auf: „Daraus ergibt sich sauberes Wasser und eine nährstoffhaltige Biomasse, die man einem anderen Kreislauf wieder zuführen kann“, so Kuchendorf.

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