Zoll legt Kontrollbilanz vor
Sozialbetrug am Baukostet Staat 940 000 Euro

Münster -

Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Lohn-Prellerei in der Baubranche richten laut der Gewerkschaft IG Bau einen enormen Schaden an. Der Zoll leitete demnach allein im vergangenen Jahr 245 Ermittlungsverfahren ein – dem Staat und den Sozialkassen entgingen so eine hohe sechsstellige Summe.

Sonntag, 02.08.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 15:38 Uhr
Zollbeamte der Einheit Finanzkon­trolle Schwarzarbeit werden auf Baustellen oft fündig.
Zollbeamte der Einheit Finanzkon­trolle Schwarzarbeit werden auf Baustellen oft fündig. Foto: IG Bau

Wenn billig am Ende teuer wird: Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Lohn-Prellerei in der Baubranche haben in der Region einen enormen Schaden verursacht. Das teilt die Gewerkschaft IG Bau mit und beruft sich auf eine aktuelle Auswertung des Bundesfinanzministeriums. Danach kontrollierten Beamte des Hauptzollamtes Münster im vergangenen Jahr insgesamt 306 Baufirmen in der Region und leiteten 245 Ermittlungsverfahren ein. Wegen illegaler Praktiken in der Branche entgingen dem Staat und den Sozialkassen 940 000 Euro, heißt es.

IG Bau-Bezirkschef Detlev Hopp spricht von einem „erschreckenden Ausmaß krimineller Energie“. Hier stehe das Image einer ganzen Branche auf dem Spiel. „Sauber wirtschaftende Firmen dürfen nicht wegschauen, wenn sich Konkurrenten nicht an die Regeln halten. Gerade die Coronakrise hat ja gezeigt, wie wichtig die Bauwirtschaft als Stütze der Konjunktur auch in der Region ist“, so Hopp.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Bau-Umsätze in den ersten fünf Monaten des Jahres trotz Pandemie um rund sieben Prozent. „Das beste Mittel gegen unerlaubte Geschäfte am Bau ist ein fairer Wettbewerb zu fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Dazu muss sich die ganze Branche bekennen, wenn sie ihren Ruf nicht verspielen will“, so der Gewerkschafter. Die Arbeitgeber hätten in der laufenden Tarifrunde die Chance, die Bauberufe für Fach- und Nachwuchskräfte attraktiver zu machen.

Entscheidend sei aber auch, dass der Zoll schwarze Schafe noch stärker in den Blick nehme. „Es kommt nicht nur auf die Zahl der Kontrollen an, sondern auch auf die Qualität. Hier braucht die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mehr Personal“, so Hopp. Laut Finanzministerium waren beim Hauptzollamt Münster zu Jahresbeginn lediglich 115 Planstellen besetzt, heißt es abschließend.

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