„Litfilms“ – das neue Literatur-Film-Festival Münster
Die Kombination gab’s noch nie

Donnerstag, 06.08.2020, 19:41 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 11:52 Uhr
Die „Litfilms“ bringen Schriftstellerinnen wie Toni Morrison (l.), Dokus aus der Welt des Buches wie „The Booksellers“ oder Filmschaffende wie den Regisseur Christian Petzold (r.) zusammen.
Die „Litfilms“ bringen Schriftstellerinnen wie Toni Morrison (l.), Dokus aus der Welt des Buches wie „The Booksellers“ oder Filmschaffende wie den Regisseur Christian Petzold (r.) zusammen. Foto: Mindjazz Pictures / Marco_Krueger

Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Gattungen der Literatur und dem Medium Film sind so langlebig und mannigfaltig wie der Film selbst. Seit jeher bilden literarische Texte die Grundlage sowohl für narrative Filme als auch für experimentellere Formen. Vier Wochen lang erkunden Filmvorführungen, Lesungen, Workshops, Gesprächsrunden und Performances die Schnittstellen zwischen den beiden Künsten. Dabei öffnet sich das Festival in die Stadt Münster ebenso wie in das Umland und bezieht etablierte Literatur-Orte mit ein.

Bereits seit Mitte Juni nehmen eine junge Filmschaffende und ein junger Literat an einer dreimonatigen Residenz im Kloster Bentlage in Rheine sowie in der Stadt Münster teil. Das Festival bietet den beiden Zeit, Raum und Budget, gemeinsam zu arbeiten, in der Region zu leben und sich mit Themen wie Stadt- versus Landleben, Grenzen im Kopf und Identitätsbildung auseinanderzusetzen. Ihre Ergebnisse werden zum Abschluss des Festivals präsentiert.

In einem internationalen Wettbewerb sind neue Literaturverfilmungen zu sehen, die sich formal zwischen Erzählkino und Experiment bewegen, wie etwa „Last and First Men“, der einzige Film des isländischen Regisseurs und Komponisten Jóhann Jóhannsson, der einen Science-Fiction-Roman aus den 1930er-Jahren mit der hypnotischen Stimme von Tilda Swinton zu einem berauschenden Kopfkinotrip werden lässt.

Eine Reihe mit Dokumentarfilmen aus der Welt der Bücher widmet sich zwei der bedeutendsten nordamerikanischen Schriftstellerinnen der letzten Jahrzehnte: Toni Morrison und Margaret Atwood. Und die NRW-Premiere von „The Booksellers“ taucht in die die wunderliche und faszinierende Welt New Yorker Antiquariate und ihrer Bewohner ein – eine Hommage an die Liebe zum Buch und ein Plädoyer für die Seiten, die die Welt bedeuten.

Gespräche mit Autoren und Regisseuren sind wesentlicher Teil des Programms. Mit Christian Petzold ist ein Filmemacher zu Gast, der mit der Adaption von Anna Seghers’ Roman „Transit“ eine der außergewöhnlichsten Literaturverfilmungen der letzten Jahre vorgelegt hat. Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff wird zu einem weiteren Filmgespräch erwartet. Sein gesamtes Werk widmet sich den Beziehungen von Literatur und Film. Er präsentiert eine neu restaurierte Version seiner noch nach 40 Jahren verblüffend aktuellen Literaturverfilmung „Die Fälschung“ mit Bruno Ganz und Hanna Schygulla.

Ein Kurzfilmprogramm mit internationalen Poesiefilmen zeigt das Beste des Weimarer Poetryfilmpreises und in einer Gesprächsrunde mit Autorinnen und Autoren werden die Einflüsse filmischen Erzählens auf die literarische Arbeit thematisiert.

Die Veranstaltungen von „Litfilms“ finden – mit den erforderlichen Hygienekonzepten – unter anderem im Schloßtheater, im LWL-Museum für Kunst und Kultur, im Westfälischen Kunstverein und in der Black Box im Cuba statt. Veranstaltungsorte in der Region sind die Burg Hülshoff, das Kloster Bentlage in Rheine und das Scala Cinema in Warendorf. Teile des Programms werden auch online unter litfilms.de verfügbar sein.

Das komplette Programm mit allen Daten und Zeiten wird in der zweiten Augusthälfte veröffentlicht.

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