Kriminalitätsschwerpunkt Bahnhofsviertel
NRW-Innenminister Reul am Brennpunkt

Münster -

NRW-Innenminister Herbert Reul war am Freitagabend im münsterischen Bahnhofsviertel, das für die Polizei als Kriminalitätsschwerpunkt gilt. Er ging durch den Hamburger Tunnel und über die „Platte“ am Bremer Platz. Begleitet wurde er von Oberbürgermeister, Polizeipräsident und dem CDU-Chef.

Freitag, 07.08.2020, 21:46 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 21:58 Uhr
NRW-Innenminister Herbert Reul
NRW-Innenminister Herbert Reul Foto: Oliver Werner

Am Freitagabend um 19.17 Uhr fährt eine dunkle Limousine mit Blaulicht dort vor, wo man es in Münster eher nicht erwarten würde. Am Hamburger Tunnel, dort, wo die Schattenseiten dieser Stadt wie im Brennglas zu besichtigen sind. Herbert Reul, NRW-Innenminister, will sich auf Einladung der münsterischen CDU vor Ort ein Bild von der Situation machen. Im vergangenen Jahr hat sich rund um den Hauptbahnhof jede siebte Straftat in Münster ereignet, für die Polizei ist das Quartier ein Kriminalitätsschwerpunkt. Hier halten sich Dealer auf, konsumieren Süchtige Drogen, kommt es immer wieder zu Körperverletzungen und anderen Straftaten.

Reul wird von Oberbürgermeister Markus Lewe, Polizeipräsident Rainer Furth und Münsters CDU-Chef Hendrik Grau begleitet. Der leitet den Rundgang mit wenig charmanten Worten ein: „Hier geht es zum größten Urinal der Stadt“, Grau meint den Hamburger Tunnel.

„Das ist ein Fahrradweg, geht es noch?“, ruft eine gereizte Radlerin, als sie nicht an der Personengruppe vorbeikommt – und klingelt Sturm. Lewe bittet Reul zur Seite und erläutert dann, dass die Radständer nur ein Provisorium seien. „Der Tunnel wird künftig anders gestaltet.“

 „Schwieriger Balanceakt“

Die Gruppe überquert die Bremer Straße – und steuert direkt die „Platte“ an, jenen Bereich, an dem sich Tag für Tag Drogenkonsumenten aufhalten. An diesem Abend mögen es rund 50 sein. „Ey, im Zoo wird Eintritt bezahlt“, ruft ein Mann, eine Frau grölt: „Sind Sie von der Regierung?“ Reuls Personenschützer fragen, wie man wieder von der Fläche runterkommt, „schöne Ecke hier“, sagt einer von ihnen. „Was für ein Kontrast zum Prinzipalmarkt, da muss was passieren“, fordert Grau.

„Das ist eine Situation, wie wir sie in vielen Großstädten haben“, sagt Reul. „Sie haben es oft schwer, darauf eine Antwort zu finden.“ Man müsse genau abwägen, wie man mit den Betroffenen umgehe – und zugleich bei Kriminalität „konsequent eingreifen“. Auch Lewe spricht von einem „schwierigen Balanceakt“, sieht das Bahnhofsquartier als „großes Testfeld“ beim Bemühen, Sicherheit auf der einen sowie Schutz und Hilfe auf der anderen Seite zusammenzubringen.

Kritik an Drogenhilfeverein

Klartext fordert der Polizeipräsident. „Wir dürfen die Menschen nicht belügen, es gibt Probleme rund um den Hauptbahnhof“, sagt Furth. Diese gelte es zu benennen und zu lösen. „Es hilft nicht, summ, summ, summ zu sagen und den Menschen Sand in die Augen zu streuen.“ Polizei und Ordnungsamt würden demnächst noch enger zusammenarbeiten, Furth bietet gemeinsame Streifen von Vertretern beider Behörden an. „Die Menschen sollen sich sicher fühlen“, sagt Grau. Der Bremer Platz müsse seine Sogwirkung ins Umland verlieren.

Kritik übt Furth am Drogenhilfeverein Indro. Er berate nicht zum Drogenausstieg, „feiere“ gar die „maximale Zahl von Konsumvorgängen“. Das, sagt Furth, sei nicht in Ordnung. „Ich erkenne bei Indro im Moment keine Ansätze, den Menschen zu helfen.“ Dem Oberbürgermeister scheinen diese Aussagen zu forsch zu sein, Lewe mahnt zu „Behutsamkeit“, zollt jenen, die sich um Süchtige kümmern, ebenso „höchsten Respekt“ wie den Polizisten, die rund um den Hauptbahnhof im Einsatz sind.

Wenn erst einmal das Gebäude an der Bahnhof-Ostseite steht und der Hamburger Tunnel umgestaltet ist, dann werde sich die Situation anders darstellen, ist Reul optimistisch. Wird also der Bremer Platz in fünf Jahren ein ganz anderer sein? „Dafür“, sagt Lewe und lacht, „brauchen wir keine fünf Jahre.“

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