Neue Wohn-Quartiere Oxford und York
Ideen übertrumpfen Kaufpreis

Münster -

In den beiden neu entstehenden Wohnquartieren in Gievenbeck und Gremmendorf sollen neue Konzepte dafür sorgen, dass sich alte Fehler nicht wiederholen.

Sonntag, 09.08.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 09.08.2020, 17:03 Uhr
Versickern und verdunsten lassen statt zu versiegeln: Im Oxford-Quartier soll Regenwasser auf eigens angelegten Grünflächen zum Mikro-Klima beitragen.
Versickern und verdunsten lassen statt zu versiegeln: Im Oxford-Quartier soll Regenwasser auf eigens angelegten Grünflächen zum Mikro-Klima beitragen. Foto: Arge Oxford

Wer in den kommenden Jahren ins York-Quartier nach Gremmendorf oder ins Oxford-Quartier nach Gievenbeck ziehen will, kann viele Fragen stellen. Wäre es gut, mit mehreren Generationen unter einem Dach zu wohnen? Eine Baugemeinschaft zusammenzutrommeln oder Teil einer Wohngenossenschaft zu werden? Könnte man das eigene Büro in der Nachbarschaft eröffnen? Erstmals auf Mobilität ohne Auto setzen, weil die klimabewusste Infrastruktur stimmt? Und wie gut ist die Espresso-Bar in der ehemaligen Panzerhalle? Solche individuellen Pläne kann sich Stephan Aumann gut vorstellen. Denn so kann entstehen, was der Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft Konvoy GmbH ein „resilientes“ – also dauerhaft stabil strukturiertes – Wohngebiet nennt. Bei der Konvoy laufen derzeit alle Fäden zusammen, um in den beiden Stadtteilen zwei außergewöhnliche urbane Quartiere zu realisieren.

Die Quartiere sollen auf Dauer lebendig bleiben, anpassungs- und entwicklungsfähig.

Stephan Aumann, Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft Konvoy GmbH

„Oft läuft es so: Junge Familien beziehen Neubaugebiete, alle Kinder sind im gleichen Alter und ziehen Jahre später gleichzeitig aus – der Zyklus des Gebietes ist beendet. Auf den Konversionsflächen aber fördern wir eine Nutzungsmischung, ein Miteinander von Studierenden und älteren Menschen sowie von Singles und Familien“, sagt Aumann. Die Quartiere sollen auf Dauer lebendig bleiben, anpassungs- und entwicklungsfähig. Eben als „Orte, in denen buntes und urbanes Leben zu Hause sein wird“ – so sieht Stadtbaurat Robin Denstorff die künftigen Quartiere im Stadtteil. „Hier wird die Möglichkeit geschaffen, das eigene Leben mit der Stadt zu verknüpfen. Das selbstverständliche Leben und die Alltagstauglichkeit sind wichtig. Das macht die Quartiere für alle attraktiv.“

Die ersten Schritte in diese Richtung laufen laut einer Mitteilung der Stadt. Baufelder werden erschlossen, Baustraßen angelegt, Erhaltenswertes geschützt. Mehr noch: Erste Grundstücksvergaben sind bereits erfolgt, weitere aktuell in der Auswertung und neue Ausschreibungen auf dem Weg. Diese Vergaben werden als so genannte Konzeptvergaben durchgeführt. Sie sorgen dafür, dass nach dem Bezug der insgesamt 3000 neuen Wohneinheiten in Gievenbeck und Gremmendorf der Mix aus Bewohnern und den für sie passenden Wohnformen stimme.

850 Wohneinheiten geplant

Bei allen Konzeptvergaben zählt vor allem die Qualität der eingereichten Projekte. „Die Idee eines Investors zählt mehr als der Preis, den er für eine Teilfläche bietet“, bringt Stephan Aumann es auf den Punkt. “Es gibt auf den Arealen jeweils etwa 20 Baufelder, und jedes dieser Baufelder wird die Konvoy einzeln vergeben. Bei anderen Grundstücken fließt der beste Kaufpreis in die Entscheidung mit ein, immerhin zu 30 Prozent.“ 

Während viele Baufelder gerade baureif gemacht werden, realisiert die Wohn- und Stadtbau zurzeit bereits Wohnungen und Gemeinschaftseinrichtungen. Insgesamt 850 Wohneinheiten in beiden Quartieren plant das kommunale Tochterunternehmen, die Hochbauarbeiten im York-Quartiersollen bereits im Oktober beginnen.

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