Betreten von Paintball-Anlagen erst ab zehn Jahren erlaubt
Gericht: Kriegsspiele sind für Kinderaugen tabu

Münster -

Kinder unter zehn Jahren dürfen keine Paintball-Anlagen mehr betreten. Das hat das Verwaltungsgericht Münster entschieden. Hintergrund ist ein Streit zwischen der Stadt Münster und der Paintballanlage in Roxel.

Montag, 10.08.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 20:32 Uhr
Betreten von Paintball-Anlagen erst ab zehn Jahren erlaubt: Gericht: Kriegsspiele sind für Kinderaugen tabu

Was dürfen junge Kinder mitansehen und was aus Jugendschutzgründen nicht? Mit dieser Frage hat sich das Verwaltungsgericht Münster beschäftigt und nun entschieden: Kinder unter zehn Jahren dürfen anderen beim „Paintball“ nicht zuschauen. Beim Paintball versuchen mehrere Spieler mit Gewehren, aus denen mit Farbe gefüllte Kugeln schießen, sich gegenseitig zu treffen. 

Wer Kindern die Möglichkeit biete, hierbei zuzuschauen, verstoße gegen Jugendschutzvorschriften, so die Richter am Verwaltungsgericht in ihrer Urteilsbegründung.

Betreiber aus Roxel hatte Beschwerde eingelegt

Hintergrund des Urteils ist ein Streit zwischen dem Betreiber einer Paintballanlage in Roxel und der Stadt Münster. Die Stadt hatte den Betreibern der Paintballanlage mittels einer Ordnungsverfügung untersagt, Personen unter zehn Jahren Zutritt zu den Räumlichkeiten der Paintballanlage zu gestatten. „Damit waren wir nicht einverstanden und haben Klage eingereicht“, erläutert Betreiber David Schwanemeier auf Anfrage.

Die Begründung: Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters sei es nicht mehr möglich, die Anlage gemeinsam zu nutzen. Er verweist darauf, dass laut Gesetz Kinder ab acht Jahren mit weniger starken Spielzeuggewehren Paintball spielen dürften. Außerdem seien die Spielfelder, auf denen Kriegsszenen nachgestellt werden, aus den Aufenthaltsräumen nur zum Teil einsehbar. 

Gefährdung für geistiges und seelisches Wohl

Das Gericht lehnte den Eilantrag Schwanemeiers ab und gab der Stadt Recht. Ein kleineres Spielfeld sei zwar nicht aus dem Aufenthaltsraum heraus einsehbar, ein größeres Spielfeld jedoch zu rund 75 Prozent. Da durch die farbige Markierung bei Treffern die Nutzung echter Schusswaffen nachempfunden werden, bestehe eine Gefährdung für das geistige und seelische Wohl für die Altersgruppe der Kinder unter zehn Jahren. 

Das Gericht vergleicht das Zusehen der Eltern beim Paintballspiel mit Kriegsfilmen: Das Kampfgeschehen erzeuge ein Bedrohlichkeitsgefühl bei den Kindern und erzeuge und verstärkte aggressive Überzeugungen und Einstellungen. 

Die seelische und geistige Gesundheit der Kinder sei wichtiger als die finanziellen Einnahmeverluste der Betreiber, wenn Eltern, die ihre Kinder mitnehmen müssen, nicht mehr kommen können.

Schwanemeier hat nun zwei Wochen Zeit, um gegen das Urteil Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einzulegen. 

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