Kindertagesbetreuungsbericht 2020
Stadt plant über 3800 Kita-Plätze

Münster -

Das Coronavirus hat die Kindertagesbetreuung in Münster schwer getroffen: Viele Fachkräfte quittieren aus Sorge vor Ansteckung den Beruf, der Personalmangel wird zum Riesenproblem. Dennoch hält die Stadt am Ausbau des Angebots fest - aus gutem Grund.

Montag, 10.08.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 20:51 Uhr
Mit angemessenem Abstand präsentieren (v.l.) Sozialdezernent Thomas Paal, Oberbürgermeister Markus Lewe, Abteilungsleiterin Sybille Kratz-Trutti und Jugendamtsleiterin Sabine Trockel
Mit angemessenem Abstand präsentieren (v.l.) Sozialdezernent Thomas Paal, Oberbürgermeister Markus Lewe, Abteilungsleiterin Sybille Kratz-Trutti und Jugendamtsleiterin Sabine Trockel Foto: Oliver Werner

In Münster leben derzeit 17.069 Kinder unter sechs Jahren. Dass diese Zahl seit 2019 um nur fünf Kinder gestiegen ist, passt nicht recht ins Bild: Die Stadt rechnet mit einem Anstieg der Einwohnerzahl in den kommenden Jahren, also auch mit weiter steigender Nachfrage nach Betreuungsplätzen.

Über 3800 weitere Plätze seien bis 2028 in Planung, betont Oberbürgermeister Markus Lewe bei der Vorstellung des städtischen „Kindertagesbetreuungsberichts 2020“. Für U 3-Kinder gebe es derzeit eine Betreuungsquote von 48,1 Prozent, für Ü 3-Kinder von 103,9 Prozent – nicht schlecht im NRW-Städtevergleich. Dennoch müsse die Stadt ihre Anstrengungen beim weiteren Ausbau von Plätzen erhöhen.

Zwölf Wochen lang nur Notbetrieb

Bis Anfang Juni gab es zwölf Wochen lang nur einen Notbetrieb: Die Corona-Krise habe drastisch vor Augen geführt, wie empfindlich die Gesellschaft auf funktionierende Betreuung angewiesen sei, betont Stadtdirektor Thomas Paal: „Dabei geht es nicht nur um einen Rechtsanspruch. Sondern um ein elementares Bedürfnis.“ Das zu erfüllen nicht einfacher werde. Die größten Probleme der kommenden Jahre seien Platzmangel und Fachkräftemangel.

Einzelne Gruppen können nicht starten.

In zwei Einrichtungen können mit dem Start des Regelbetriebs in der kommenden Woche nicht alle Gruppen geöffnet werden, weil schlicht kein Personal vorhanden sei, berichtet Sibylle Kratz-Trutti vom Jugendamt. Nicht wenige Erzieherinnen und Erzieher gehören den Risikogruppen an, und bei der Arbeit mit kleinen Kindern könne der nötige Abstand nicht eingehalten werden.

Stadt und freie Träger könnten in ihren Einrichtungen im Notfall Personal verteilen, in der Tagespflege allerdings geht das nicht: Fünf bis zehn Tagespflegestellen hören wegen Corona frühzeitig auf. Nachfolger lassen sich kaum finden, weil viele derzeit den Sprung in die Selbstständigkeit scheuen und wichtige Ausbildungskurse nicht stattfinden konnten.

„Attraktivität des Berufs stärken“

Die Stadt bemühe sich, die Attraktivität des Berufes „mit Hausmitteln“ voranzubringen, betont der Oberbürgermeister. Räumt aber zugleich ein: „Als Kommune können wir nicht alles leisten.“ Man setze auf praxisintegrierte Ausbildung, auf Berufsfeld-Erkundung an den Schulen, auf mehr Durchlässigkeit bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Der Beruf verdiene eine bessere Bezahlung, darauf müsse man hinwirken.

Auch die Schaffung neuer Kitas verlaufe nicht störungsfrei. Wo neu gebaut werde, seien Schule und Kita zwar von vornherein wichtiger Bestandteil der Planung. Aber im Bestand – vor allem im Stadtbezirk Mitte – neue Kitas zu bauen, sei schwierig: „Das ist der Bereich, wo wir hinterherlaufen“, meint Thomas Paal. Dabei suchen gerade in der Innenstadt junge Familien händeringend Betreuungsplätze. Hier müsse umso mehr auf Großtagespflegestellen gesetzt werden – von denen es derzeit 65 in der Stadt gibt.

Der Kindertagesbetreuungsbericht wird demnächst den sechs Bezirksvertretungen und am 26. August dem Rat vorgelegt – als Bestandsaufnahme und Aufgabenstellung für die nächsten Jahre. Jugendamtsleiterin Sabine Trockel ist stolz auf das 144 Seiten starke Werk: „Dass das alles trotz Corona so weitergelaufen ist, muss man hervorheben.“

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