Welttag der Orang-Utans
Intelligent, raffiniert – und bedroht

Die Orang-Utans gehören zu den Superstars des Allwetterzoos. In ihren natürlichen Lebensräumen wächst jedoch die Sorge um den Fortbestand dieser Menschenaffen. Notizen über ein außergewöhnliches Tier am Welttag des Orang-Utans.

Mittwoch, 19.08.2020, 13:00 Uhr aktualisiert: 19.08.2020, 13:19 Uhr
In Münster leben derzeit fünf Orang-Utans und teilen sich das Gehege mit vier Zwergottern. Auch in der Natur haben sie denselben Lebensraum.
In Münster leben derzeit fünf Orang-Utans und teilen sich das Gehege mit vier Zwergottern. Auch in der Natur haben sie denselben Lebensraum. Foto: Sebastian Rohling/Allwetterzoo

Die Orang-Utans wollen partout nicht das Innengehege betreten. Das war zu erwarten. Vier Wochen lang herrschte eine geradezu gespenstige Stille. Und nun sind die vier Zwergotter, die ihren Lebensraum friedlich mit ihnen teilen, nach einem Gesundheits-Check-up zurückgekehrt und werden vermutlich wieder einmal versuchen, einen Teil der Paprika-Ration, die eigentlich für die fünf Menschenaffen bestimmt ist, zu ergattern. Und das aus purer Lust am Klamauk. In der Natur würden Zwergotter Gemüse kaum anrühren. Im Zoo jedoch sind sie zu Teilzeit-Vegetariern geworden.

Ein paar Meter entfernt sitzt Dr. Simone Schehka in ihrem Büro und erzählt von einer Orang-Utan-Welt, die ganz anders ist als die weitgehend entspannte in den Zoos Europas. Auf der Welt leben drei Arten dieser Menschenaffen – zwei auf Sumatra und eine auf Borneo. Forscher haben hochgerechnet, dass in der Zeit von 1950 bis 2025 rund 82 Prozent der Borneo-Bestände nicht mehr existieren werden. Viele Zoologen und Tierschützer befürchten, dass Orang-Utans in wenigen Jahrzehnten nur noch in Tierparks zu sehen sein werden. Die Direktorin des Allwetterzoos Münster gehört nicht zu ihnen – oder möchte es einfach nicht. „Ich bin Optimistin“, sagt sie. „Ich habe meinen Glauben daran, dass der Orang-Utan zu retten ist, noch nicht verloren.“ So ein Welttag wie der, der am 19. August dem Orang-Utan gewidmet ist, schürt zumindest ein Fünkchen Hoffnung.

Als gäbe es den Klimawandel nicht

Dieses Fünkchen Hoffnung ist bitternötig. Orang-Utans leben in Regenwäldern. Und gerade die werden noch immer so unbekümmert abgeholzt, als sei der Klimawandel nur die fixe Idee einiger Verschwörungstheoretiker. Die Palmölplantagen, die als Monokulturen an die Stelle der Regenwälder rücken, sind der Tod eines gewaltigen Ökosystems und zugleich bares Geld. „Palmölpflanzen sind hoch ertragreich“, sagt die 42-jährige Biologin. Andere Pflanzen enthalten nur einen Bruchteil des Ölgehaltes und brauchen obendrein viel mehr Fläche, um vergleichbare Erträge zu erzielen. Das Palmöl wird in die ganze Welt exportiert und findet sich in fast jedem Haushalt wieder – sei es als Putzmittel, Lippenstift oder Nuss-Nougat-Aufstrich. Helfen kann nur ein Bewusstseinswandel – und zwar ein umfassender.

„Immerhin gibt es Teilerfolge“, meint Simone Schehka. Mehrere Organisationen haben sich zu einem Round Table zusammengeschlossen und werben für nachhaltige Konzepte. Verbraucher würden kaum rebellieren, wenn ihre Margarine künftig einen Cent mehr kosten würde, weil ein Teil ihrer Zutaten von Plantagen kommt, auf denen auch andere Pflanzen wachsen und die Nährstoffe der Böden nicht komplett aufsaugen. Forscher suchen zugleich nach Möglichkeiten, Palmölpflanzen zu entwickeln, die kein ausschließlich tropisches Klima brauchen. Den Regenwäldern käme das zugute. Und den Orang-Utans auch.

Streifzug durch den Allwetterzoo

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  • Varis zählen zu den Lemuren. Sie sind nur im Osten und Südosten Madagaskars verbreitet. Dort sind diese Halbaffen vor allem durch die Zerstörung ihres Lebensraumes Regenwald von der Ausrottung bedroht. Bei den Varis unterscheidet man zwei Unterarten: Neben den in Münster lebenden Schwarzweißen Varis gibt es die noch selteneren Roten Varis.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Eingang - Der Allwetterzoo Münster 

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Geparde waren einst weit über Afrika und Asien verbreitet. Heute existieren nur noch Restbestände in süd- und ostafrikanischen Schutzgebieten sowie südlich des Kaspischen Meeres. Im Allwetterzoo leben derzeit sechs dieser sehr schnellen Sprinter.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Der Bongo-Nachwuchs, dabei handelt es sich eine Waldantilope, bei seinem ersten Ausgang im Revier des Allwetterzoos. Im Allwetterzoo leben Östliche Bongos. Diese leben nur in kleinen Waldgebieten Kenias und gelten als vom Aussterben bedroht.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Kleine Frackträger. Die Brillenpinguine im Allwetterzoo gehen bei Wind und Wetter gerne ins Wasser.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Von der Küste Ostafrikas und den Maskarenen bis Kiribati und Samoa. Der Paletten-Doktorfisch kommt in den Territorialgewässern von über 50 Ländern oder abhängigen Gebieten vor.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • In seinen natürlichen Lebensraum, dem Pátzcuarosee-Querzahnmolche, ist er nahezu ausgestorben. Neben drei weiteren Zoos in Deutschland ist auch der Allwetterzoo Münster aktiv in der Nachzucht dieser besonderen Tiere.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Der Nachwuchs der Bennett-Kängurus ist gar nicht so leicht zu fotografieren, fühlt sich das Jungtier im Beutel des Muttertieres doch augenscheinlich sehr wohl.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Leoparden sind sehr anpassungs­fähig und kommen in fast allen Lebensräumen Afrikas und Asiens vor. Sie sind die besten Kletterer unter den Katzen und erklimmen geschickt selbst senkrechte Stämme.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Die Sibirischen Tiger hier „Fedor“ sind die größten heute lebenden Raubkatzen. Ausgewachsene Männchen können bis zu 300 kg wiegen.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Elefanten sind die schwersten Landtiere. Mit einem Gewicht von 3 bis 5 Tonnen und einer Schulter­höhe von max. 3,5 m wird der Asiatische Elefant (Bild) nur noch vom Afrikanischen Elefanten mit einem Gewicht von 4 bis 6,5 Tonnen und einer max. Höhe von 4 m über­troffen. 

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Für andere Steppentiere haben die Strauße eine wichtige Wächterfunktion übernommen. Weit ragt ihr Kopf auf dem langen, nur spärlich befiederten Hals über die Ebene hinaus, und den aufmerksamen Vögeln entgeht nur schwer ein Feind. Die Augen, durch dichte Wimpern vor Staub geschützt, beobachten unaufhörlich die Umgebung.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Das Trampeltier kommt als Wildtier nur noch in winzigen Restbeständen in der Wüste Gobi vor. Daneben wurde schon vor etwa 4.500 Jahren eine Haustierform gezüchtet. Im Kinder- und Pferdepark bewohnen die Trampeltiere gemeinsam mit den Przewalski-Urwildpferden eine große Anlage.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Seepferdchen sind Fische, die ausschließlich im Meer leben. Sie fallen besonders durch ihre Gestalt auf, die nur wenig an einen Fisch erinnert. Ihr Kopf ähnelt dem eines Pferdes, ihr Hinterleib gleicht eher einem Wurm.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Hinweisschild im Eingangsbereich

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Faultiere hängen überwiegend mit nach unten gekehrtem Rücken im Geäst des tropischen Regenwaldes und bewegen sich, wenn überhaupt, nur langsam hangelnd fort. Am Boden laufen sie unbeholfen - schwimmen können sie hingegen auffällig gut.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Der Name Orang-Utan bedeutet im Malaiischen „Waldmensch“ und entstammt dem Glauben der einheimischen Bevölkerung. Auf Borneo und Sumatra geht man davon aus, dass die Affen früher Menschen waren und auch sprechen könnten. Sie würden nur darauf verzichten, um nicht zur Arbeit gezwungen zu werden. Einst hätten sie die Götter beleidigt und wären daraufhin in den Wald verbannt worden.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Rotscheitelmangaben sind sehr gesellig. Sie leben in Gruppen von bis zu 60 Tieren zusammen. In der Regel bestehen diese aus mehr Weibchen als Männchen und werden vom jeweils ranghöchsten Weibchen angeführt.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Löwen bewohnen offene Steppen, lichte Trockenwälder und steinige Halbwüsten bis zu einer Höhe von 3500 m. Sie kommen vorwiegend in Afrika südlich der Sahara und mit nur noch wenigen, sehr bedrohten Exemplaren in Vorderindien vor. Stets meidet der Löwe dichte Wälder.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Da Nashörner vom Aussterben bedroht sind, kommt der Zucht in Zoos eine große Bedeutung zu. Deshalb schicken Zoos weltweit die Tiere regelmäßig auf Hochzeitsreisen und hoffen, dass der Funke überspringt! Leider ist das nicht immer der Fall und so werden in ganz Europa leider nur wenige Nashörner pro Jahr geboren.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Mit einem Gewicht von bis zu 1000 kg und einer Schulterhöhe von etwa 2 m ist der Gaur das größte aller Wildrinder. Auffallend an der Kopfform sind die abstehenden Ohren und insbesondere beim Männchen die breite, kräftige Stirn. Der Gaur lebt in Herden in den Bergwaldregionen im Süden Asiens.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Malaienbären leben in den tropischen Regenwäldern Südostasiens. Sie gehören zur Familie der Großbären, also mit zu den größten Landraubtieren der Erde. Jedoch ist der ausgewachsene Malaienbär mit bis zu 1,50 Meter Länge und 50 bis 65 Kilogramm Körpergewicht der kleinste Vertreter der Großbären.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Die Stachelschweine haben die längsten Stacheln aller Säugetiere. Die Stacheln sind umgewandelte Haare.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Die Kegelrobbe ist in den Küstengebieten des nördlichen Atlantiks und in Nordsee und Ostsee beheimatet. Von den Ohrenrobben unterscheiden sich die Kegelrobben nicht nur durch das völlige Fehlen der äußeren Ohren, sondern auch durch die Ausbildung ihrer Gliedmaßen, die sie als hochangepasste Wassersäuger kennzeichnen.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Der Asiatische Zwergotter, die kleinste Otterart, wird wegen ihrer kurzen Krallen an den Fingern auch als Kurzkrallenotter bezeichnet.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Die Przewalski-Urwildpferde leben in direkter Nachbarschaft zu den Trampeltieren. Sie teilen sich ein 2000 m² großes Gelände.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Die Gorillas sind die schwersten und größten aller Affen. Ihre nächsten Verwandten, zu denen Bonobos, Schimpansen, Orang‑Utans und auch der Mensch gehören, sind deutlich leichter.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Lustige Meerschweinchen, winzige Schafe, freche Ziegen und riesige Hühner – im Streichelzoo ist gerade nicht viel los.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Im Affenhaus gibt es eine perfekte Südamerika-Wohngemein­schaft: Den oberen Teil der Anlage bewohnen Goldene Löwenaffen und Zwergseidenäffchen. „Untermieter“ auf dem Boden sind zwei Südliche Kugelgürteltiere.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Echte Nesthocker sind die Geier des Allwetterzoo Münster und gehen mit gutem Beispiel voran – Stichwort #stayathome. Was das Team des Allwetterzoos aber besonders freut, nicht nur die Gänsegeier brüten in diesem Frühjahr, sondern auch die Mönchsgeier.

    Foto: Allwetterzoo Münster
  • Streifengnus sind große, kräftig gebaute Antilopen. Ihre Widerristhöhe beträgt bis zu 140 cm, sein Gewicht meist um die 250 kg. Der stattliche, schmale Kopf hat eine breite Schnauze mit schlitzförmigen Nasenlöchern, die von einer Hautfalte bedeckt werden.

    Foto: Allwetterzoo Münster

Menschenaffen sind uns erstaunlich ähnlich

Die fünf Menschenaffen im Allwetterzoo haben sich mittlerweile beruhigt und genießen die Sonne und ihre erste Mahlzeit. Temmy beißt in ein Stück Banane. Die Tierpfleger haben ihre Rationen reduzieren müssen. Temmy heißt im Allwetterzoo auch „unsere Donnerkugel“ – das Weibchen neigt zu Gewichtsproblemen. Die Tierpfleger müssen allerdings vorsichtig sein, wenn sie Temmy auf Schmalkost setzen. „Sie bekommt dann schlechte Laune.“ Die Zoo-Direktorin lacht. „Würde uns ja genauso gehen.“

Ohnehin weisen Affen immer wieder eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Menschen auf. Sie verfügen über eine hohe Intelligenz und gehen strategisch vor. Ein Beispiel: Durch einen Zufall waren die Orang-Utans vor ein paar Jahren an eine Eisenstange gelangt, die Simone Schehka – damals noch als Kuratorin für die Menschenaffen zuständig – unbedingt aus dem Gehege holen wollte. Sie bot den Tieren ein Tauschgeschäft an und ließ den kleinen Vierkant an ihrem Schlüsselbund als Sinnbild für die große Eisenstange klirren. Als Ersatz für die Stange bot sie die einzige Banane an, die sie im Kühlschrank gefunden hatte. „Sie wollten mir alles geben. Stöckchen, Karotten – nur nicht die Stange.“ Simone Schehka kehrte zum Kühlschrank zurück und wollte gerade die Banane zurücklegen, als sie ein Klirren an der Scheibe hörte. Mandi, eines der Weibchen im Gehege, hatte offenbar begriffen, dass alle anderen Optionen ausgereizt waren und die Banane nur im Tausch mit der Stange zu bekommen war.

Mandi ist ein typisches Beispiel für das Europäische Erhaltungsprogramm für Menschenaffen (EEP), für das die Zoodirektorin als zweite Vorsitzende arbeitet. Mandi kommt aus Frankreich und hat in Münster bereits ein Junges bekommen. Das EEP unterstützt Nachzuchtprogramme, berät zoologische Gärten, die Gehege anlegen oder ihr Bildungsprogramm verändern wollen. Die Tierparks werden die Bestände stabil halten können. Und wenn ein Wunder geschieht, gilt das auch in den natürlichen Lebensräumen.

Das Wunder müsste allerdings ein sehr großes sein.

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