Theater Münster präsentiert aktuelles Programm
Nur die Kunst darf anstecken

Münster -

Im März erschien das schöne neue Spielzeitheft des Theaters Münster. Dann kam Corona und durchkreuzte die Pläne der Bühnenkünstler. Aber jetzt melden sie sich in die neue Spielzeit zurück - mit kreativen Ideen für die Krisenzeit.

Donnerstag, 13.08.2020, 17:34 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 17:40 Uhr
Trotzen der Corona-Krise mit kreativen Lösungen: (v. l.) Generalmusikdirektor Golo Berg, Schauspieldirektor Frank Behnke, Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann, Generalintendant Dr. Ulrich Peters, Monika Kosik vom Jungen Theater, Tanztheater-Chef Hans Henning Paar und Operndirektorin Susanne Ablaß
Trotzen der Corona-Krise mit kreativen Lösungen: (v. l.) Generalmusikdirektor Golo Berg, Schauspieldirektor Frank Behnke, Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann, Generalintendant Dr. Ulrich Peters, Monika Kosik vom Jungen Theater, Tanztheater-Chef Hans Henning Paar und Operndirektorin Susanne Ablaß Foto: Rüdiger Wölk

„Wir haben hier ein Traum-Heft und ein Realitätsheft!“ Dr. Ulrich Peters hält zwei Spielzeit-Pogrammhefte in den Händen: eines, das Anfang März vorgestellt wurde und all die großen Pläne enthält, die in der jetzt beginnenden Spielzeit umgesetzt werden sollten. Und ein anderes, neues, das die Realität der Corona-Zeit dokumentiert. Ohne Wagners „Walküre“, ohne Goethes „Faust“ ...

Aber doch mit einem ambitionierten Programm bis Ende Dezember. Ein „fiktiver Termin“, räumt Peters ein, denn niemand weiß ja, ob die Pandemie-Situation im Januar wieder längere Produktionen mit Pausen erlaubt, die derzeit verboten sind. Oder ob die Tänzer des Theaters einander auf der Bühne wieder näherkommen dürfen als auf sechs Meter Abstand. Was der Tanztheater-Chef Hans Henning Paar übrigens in seinem Abend „Dis-Tanz“ umsetzen wird – mit einem Trostpflaster für die Zuschauer: „Tänzer, die privat zusammenleben, dürfen sich auch auf der Bühne berühren. Zum Glück haben wir zwei Pärchen im Ensemble. Die haben jetzt striktes Trennungsverbot.“

Auf jeweils zwei Abende verteilter „Figaro“

Viel Improvisation der Theaterkünstler ist nötig, weil nicht alle geplanten Programme ihres „Traum-Hefts“ einfach in die zweite Spielzeithälfte oder gar in die Saison 2021/22 verschoben werden können – die bekanntlich die letzte Spielzeit der Ära Peters sein wird. „Walküre“ und „Faust“ sind solche Beispiele wie auch das Festival „Musica Sacra“, das 2022 stattfinden soll. Aber ein konzertanter, gekürzter und auf jeweils zwei Abende verteilter „Figaro“ von Mozart ist ebenso den Vorschriften der Corona-Schutzverordnungen und der Unfallkasse geschuldet wie eine Reihe von Liederabenden und Chorkonzerten, in der Sänger einen Teil ihrer Kunst präsentieren, die auf der Bühne gerade nicht dargeboten werden kann.

Dass sich dabei auch Chancen auftun, ist offenkundig. Schubert-Liederzyklen mit Sängern des Ensembles im Kleinen Haus oder ein satirischer Musiktheaterabend, bei dem Ulrich Peters als Regisseur ein Offenbach-Stück und Bellini-Arien mit der komischen Kurzoper „Die letzten Tage des V.I.R.U.S.“ verknüpft – das klingt spannend. Und Schauspieldirektor Frank Behnke kann die Monologstücke von der jetzt zu kleinen Probebühne U2 ins Kleine Haus überführen oder im Großen Haus „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ in der Regie Stefan Ottenis präsentieren. Ansonsten will er in den kommenden Monaten auf „absolute Zeitgenossenschaft“ setzen, wozu das Stück „Furor“ um eine Bürgermeisterwahl und die Uraufführung „Deutsche Feiern“ von Lars Werner gehören.

Einschränkungen im Konzertangebot

Das Platzieren der Zuschauer im Schachbrettmuster bedingt, dass im Großen Haus 300 Menschen Platz finden, im Kleinen Haus 100 – und, als neue Spielstätte, im Foyer des Großen Hauses 25. Dort wird etwa „Das verrückte Wohnzimmer“ eingerichtet – ein Stück des Jungen Theaters für Zuschauer ab vier Jahren. Was aus dieser Sparte für die Schulen angeboten werden kann, hängt von deren Möglichkeiten ab, sagt Dramaturgin Monika Kosik.

Die nächsten Premieren

6. September: Das verrückte Wohnzimmer. Für alle ab 4 Jahren. Oberes Foyer
11. September: Furor. Schauspiel von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Kleines Haus
12. September: Dis-Tanz. Tanzabend von Hans Henning Paar. Großes Haus
20. September: Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin. Kinderstück. Kleines Haus
25./27. September: Le Nozze di Figaro von Mozart, Großes Haus
10. Oktober: Deutsche Feiern. Uraufführung, Großes Haus
17. Oktober: Seele essen Angst auf. Ein Stadtprojekt.
6. November: Marleni (Preußische Diven blond wie Stahl). Komödie von Thea Dorn, Kleines Haus
8. November: Die Dreigroschenoper von Brecht/Weill, Großes Haus
19. November: Vorsicht ansteckend! Satirisches Musiktheater, Kleines Haus
20. November: Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Großes Haus
27. November: Alte Meister. Komödie von Thomas Bernhard, Kleines Haus
(Das Theater weist darauf hin, dass alle Angaben unter Vorbehalt sind. Zuschauer mögen die Website sowie den Monatsleporello beachten.)

...

„Beethovens Vierte ist die Obergrenze der Orchesterbesetzung auf unserer Bühne“, sagt Generalmusikdirektor Golo Berg zu den Einschränkungen im Konzertangebot, sieht darin aber auch eine Gelegenheit, manche Stücke prominenter zu präsentieren als in einem normalen Saisonprogramm, etwa Schuberts Fünfte oder Haydns „Paukenwirbel“-Sinfonie. Und was er für die Sicherheit sagt, gilt natürlich für sämtliche Sparten und Aufführungen: „Es wird alles dafür getan, dass sich niemand ansteckt, weder auf der Bühne noch im Publikum.“

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