Münsters Wahlkampf irritiert Umland
Autofreie Innenstadt ein kritisches Signal

Münster/Warendorf -

Die zugespitzte Verkehrsdebatte im münsterischen Wahlkampf irritiert zunehmend das Umland. Der Landrat des Kreises Warendorf, Olaf Gericke, warnte vor einer Symbolpolitik. Das Auto dürfe nicht verteufelt werden.

Samstag, 15.08.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 16.08.2020, 15:20 Uhr
Dr. Olaf Gericke, Landrat des Kreises Warendorf
Dr. Olaf Gericke, Landrat des Kreises Warendorf Foto: Gunnar A. Pier

Münsters Grüne und ihr Oberbürgermeisterkandidat Peter Todeskino wollen die autofreie Innenstadt bis zum Jahr 2025 verwirklichen und das Zentrum für den motorisierten Individualverkehr abriegeln. Kritik kommt unter anderem von der IHK und der Initiative Starke Innenstadt. Doch auch die SPD und der bisherige Bündnispartner der Grünen, die CDU, wollen den Autoverkehr in einem veränderten Verkehrsmix zurückfahren. Menschen aus den Münster umgebenden Landkreisen verfolgen die zugespitzte Verkehrsdebatte im Kommunalwahlkampf mit Skepsis. „Die teils verstörenden Botschaften sind ein kritisches Signal an das Umland“, sagt der Landrat des Kreises Warendorf, Dr. Olaf Gericke.

Natürlich liege die Planungshoheit auch in Verkehrsangelegenheiten bei der Stadt Münster. Gericke respektiert die kommunale Selbstverwaltung und die Hoheit des städtischen Rates. „Meine Wahrnehmung aber ist, dass Münster mit dieser Debatte den eigenen Wohlstand und seine Prosperität gefährdet“, sagt der gebürtige Münsteraner.

Einpendelnde Fachkräfte und Besucher

Münster lebe von Tausenden Fachkräften, die im Umland wohnen und jeden Tag einpendeln. Münster lebe von Tausenden Besuchern, die zum Einkaufen in die Stadt fahren, und von den Touristen. Gericke, Sprecher der Landräte im Münsterland, warnt vor diesem Hintergrund vor einer „Symbolpolitik mit dem Zweck der Profilierung“ und rät dringend zu „innovativen Verkehrslösungen“. Er bietet dazu eine enge Zusammenarbeit mit den Kreisen an.

Das Auto dürfe beim Blick auf die Zukunft nicht ausgeschlossen werden. „Bus und Bahn dürfen nicht verherrlicht, das Auto aber auch nicht verteufelt werden“, sagt Gericke. Gerade weil der ÖPNV in den Landkreisen weniger ausgebaut sei, habe das Auto dort eine höhere Bedeutung. Und die Parkhäuser in Münster seien nun mal in der zentralen Innenstadt angesiedelt. „Was damals auch die richtige Entscheidung war“, so Gericke.

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