Nagelstudio-Prozess
Angeklagte kam als Au-pair nach Deutschland

Münster -

Im Nagelstudio-Prozess hat am Dienstag eine weitere Angeklagte ausgesagt. Ihr wird vorgeworfen, Bankkonten und Ausweispapiere für den Betrug in Millionenhöhe bereit gestellt zu haben. Doch es gibt Hinweise darauf, dass ihre mitangeklagten Verwandten ihre Identität ausgenutzt haben.

Dienstag, 18.08.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 19.08.2020, 12:48 Uhr
Nagelstudio-Prozess: Angeklagte kam als Au-pair nach Deutschland

Im Nagelstudio-Prozess vor dem Landgericht Münster hat eine weitere Angeklagte ausgesagt. Der 31-jährigen Vietnamesin wird vorgeworfen, Konten für die Bezahlung laufender Mietkosten und Ausweispapiere zur Anmietung bereitgestellt zu haben. Schon vor ihren Aussagen waren im Prozess jedoch Zweifel daran aufgekommen, dass sie aktiv an dem Betrugskomplex beteiligt war. Vielmehr scheint es, als hätten ihre Verwandten ihre Identität genutzt.

Am Dienstag machte sie Aussagen zu ihrer Person: Sie sei 2014 als Au-pair nach Rottweil gekommen. Danach habe sie eine Ausbildung in einer Fast-Food-Kette absolviert und seit Mitte 2019 dort als Filialleiterin gearbeitet. Auffällig war, dass sie den überwiegenden Teil der Fragen des Richters mit „Ich kann mich nicht erinnern“ beantwortete. Sie räumte ein, dass mehrere Bankkonten auf ihren Namen laufen würden. Doch die Konten seien etwa für die (mitangeklagte) 37-jährige Schwester gewesen, zudem habe sich ihr Onkel um die Details gekümmert. Welchen Onkel sie meint – ob einen der beiden Angeklagten (47 und 54) oder einen weiteren Onkel, bei dem sie in Rottweil gewohnt hat und der Geschäftsführer jener Fast-Food-Kette in der Region ist –, wurde aus ihren Aussagen nicht deutlich.

Für sie spricht die Zeugenaussage des Vermieters des Nagelstudios in Greven. Er berichtete, dass der 47-jährige Hauptangeklagte sich ihm nicht unter seinem wahren Namen, sondern unter dem Hausnamen seiner mitangeklagten Nichten (die bereits erwähnten Schwestern) vorgestellt hatte. Andere Vermieter hatten Ähnliches berichtet. Aufgrund ausbleibender Mietzahlungen habe der Hauptangeklagte eine weitere Mieterin mit in den Mietvertrag einbringen wollten. Der Vermieter erkannte im Gerichtssaal die 37-jährige Nichte als die ihm vorgestellte Mieterin wieder – allerdings gebrauchte sie den Namen ihrer 31-jährigen Schwester. Der Vermieter konnte dies mit einem Bild des Ausweises der 31-Jährigen belegen.

Unter falschem Namen agiert

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