Hendrik Streeck im Dom
„Wir brauchen Routine im Umgang mit dem Virus“

Münster -

Er ist einer der besten Virologen Deutschlands. Professor Hendrik Streeck, Leiter der Virologie der Uni Bonn. In seiner Rede in Münster warnte er davor, Angst als Ratgeber zu sehen - und machte zudem Hoffnung.

Donnerstag, 20.08.2020, 07:45 Uhr aktualisiert: 23.08.2020, 13:48 Uhr
Professor Hendrik Streeck gestern im Dom zu Münster.
Professor Hendrik Streeck am Mittwoch im Dom zu Münster. Foto: Wilfried Gerharz

Der Redner hielt sich nur kurz mit Erinnerungen an seine Zeit als Zivildienstleistender im Franziskus-Krankenhaus in Münster auf. „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt, auch im Dom“, sagt Hendrik Streeck. Seit dieser Zeit in den 90er Jahren hat sich der heute 43 Jahre alte Mediziner zu einem der angesehensten Virologen Deutschlands und Europas entwickelt. Eine Karriere, die dem gebürtigen Göttinger eine Einladung zu den Domgedanken in Münster verschaffte. „Fünf Abende der Hoffnung“ ist die Gesprächsreihe überschrieben – doch der Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik Bonn durchkreuzte die Hoffnung vieler Zuhörer auf Hoffnung schnell. „Nein, das Virus wird nicht verschwinden. Es wird Teil unseres Lebens, unseres Alltags werden. Weltweit.“ Dies sei fast einhellige Meinung aller Wissenschaftler, die sich sonst nicht immer einig sind und waren.

Laut Streeck bringe es gar nichts, jetzt dramatisierend von einer zweiten Covid-Welle zu sprechen. Dies sei Teil der medialen, verkürzt dargestellten und oft angstgesteuerten Debatte. „Es wird eher eine Dauerwelle werden. Wir werden immer wieder neue Ausbrüche haben, überall.“ Daran müsse man sich gewöhnen. Angst – und das war die zentrale Botschaft seines Vortrags – sei dabei der völlig falsche Ratgeber. „Vor allem wenn sie politisiert wird, wenn es eine Rennen der Bundesländer gibt. Nein, wir alle brauchen Routine im Umgang mit der Pandemie.“

Bundesregierung habe richtig gehandelt 

Streeck, der nach dem Ausbruch in Gangelt im Kreis Heinsberg mit seiner nicht unumstrittenen Gangelt-Studie die erste wissenschaftliche Untersuchung über Infektionszahlen und Sterblichkeitsraten vorgelegt hat und der Bund- und Landesregierungen berät, redet an diesem Abend nicht der Sorglosigkeit das Wort. „Aber wir müssen uns vor Augen führen, dass die Sterblichkeitsrate dort bei 0,37 Prozent liegt. Das ist mehr als bei der Grippe, aber Covid wird nicht unser Untergang sein.“ Streeck nennt als Beispiel die subjektive Angst vieler Menschen vor dem Flugzeugabsturz – und die viel höhere Gefahr, auf dem Weg zum Flughafen mit dem Auto tödlich zu verunglücken. Jeder Mensch solle doch bitte selbst über das Risiko einer möglichen Infektion entscheiden. „Eine 93-jährige Frau im Pflegeheim soll und darf selbst darüber befinden, ob sie ihre Enkelkinder sehen will oder nicht. Es ist ihre Abwägung.“

Die Bundesregierung habe im März angesichts der Gefahr einer unkontrollierbaren Ausbreitung richtig gehandelt. Heute habe man aber viel mehr Erkenntnisse über Infektionswege („Kaum eine Ansteckung erfolgt über Oberflächen“), über wirksame Bekämpfungsmaßnahmen, die einen zweiten, flächendeckenden Lockdown nicht mehr nötig machten. „Wir brauchen eine Eingreiftruppe für regionale Lösungsansätze.“ Und die Erlaubnis, in dem schwierigen Prozess auch Fehler zu machen. „Diese Kultur fehlt uns.“

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    (Zuletzt aktualisiert am 14. August 2020)

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  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind eher unspezifisch. Zu den am häufigsten genannten Symptomen zählen laut Robert-Koch-Institut (RKI) Husten, Fieber, Schnupfen, sowie Geruchs- und Geschmacksverlust. Auch über Atemnot, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, also ein Einatmen von Erregern, die ein Erkrankter zum Beispiel beim Husten verteilt. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Doch auch, wenn nicht gehustet oder geniest wird, kann sich das Virus ausbreiten - über unsichtbare Schwebeteilchen in der Luft. Die sogenannten Aerosole sind winzige, in der Luft schwebende Partikel, die entstehen, wenn Tröpfchen fein vernebelt werden, zum Beispiel beim Sprechen und Singen.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage (Spannweite 1 bis 14 Tage).

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  • Was tun, wenn man Kontakt zu einer infizierten Person hatte?

    Personen, die einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges  Gesundheitsamt  wenden.

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  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Zuständig sind die Hausärzte oder der ärztliche Bereitschaftsdienst (Rufnummer 116 117). Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. In Notfällen, etwa bei Atemnot, sollen sich die Betroffenen an den Notruf 112 oder eine Rettungsstelle wenden.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte Kontakte meiden und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Was bringen Masken?

    Das Tragen einer sogenannten Alltagsmaske trägt dazu bei, andere Personen vor feinen Tröpfchen und Partikeln die man zum Beispiel beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, zu schützen. Für diesen Fremdschutz durch eine Mund-Nasen-Bedeckung gibt es inzwischen erste wissenschaftliche Hinweise , aufgrund derer die WHO ihre Empfehlung zum Tragen von Masken geändert hat. Der Eigenschutz durch die Maske ist bisher wissenschaftlich nicht belegt.

    Das Robert Koch-Institut empfiehlt das generelle Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Raum, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern nicht immer eingehalten werden kann. Diese Empfehlung beruht auf Untersuchungen, die belegen, dass ein gewisser Anteil von Übertragungen von SARS-CoV-2 unbemerkt erfolgt. Denn schon vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen können Infizierte ansteckend sein.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster : 0251/4921077 (Mo-Do 8-18, Fr 8-13.30)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/91191001 (Mo-Fr 8-18 Uhr) | Ansprechpartner am Bürgertelefon beantworten allgemeine Fragen zum Corona-Virus und zur Vorbeugung.

    Unabhängige Patientenberatung Deutschland: 0800/0117722 | Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland mit Sitz in Berlin ist eine gemeinnützige GmbH. Im gesetzlichen Auftrag informiert und berät sie Ratsuchende in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen, damit diese sich im Gesundheitswesen besser zurechtfinden, informierte eigene Entscheidungen treffen und ihre Rechte wahrnehmen können.

    Foto: dpa
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