Münsters Picasso-Museum erhält Miró-Sammlung als Dauerleihgabe
Der höchst willkommene Freund

Münster -

Hausherr Pablo Picasso hat jetzt einen neuen Mitbewohner in „seinem“ münsterschen Museum: Zum 20-jährigen Bestehen des Hauses am Picassoplatz zieht Joan Miró ein – eine Dauerleihgabe des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe.

Dienstag, 01.09.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 16:32 Uhr
Zwei Freunde beim Picknick oder im Bistrot? Mirós „Die Landleute“ aus dem Jahr 1969.
Zwei Freunde beim Picknick oder im Bistrot? Mirós „Die Landleute“ aus dem Jahr 1969. Foto: Wilfried Gerharz

Das Geburtstagskind durfte sich sein Geschenk selbst aussuchen. 20 Jahre jung ist das Kunstmuseum Pablo Picasso mittlerweile: Da wollte sich der Sparkassenverband Westfalen-Lippe als Gratulant nicht lumpen lassen und kaufte aus Paris eine umfangreiche Sammlung mit Werken Joan Mirós, die es dem Museum jetzt als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

Verbandspräsidentin Prof. Dr. Liane Buchholz sprach zwar gestern bei der Präsentation das Kopfzerbrechen vor einem Geburtstag an: „Was schenke ich denn?“ Doch das Museum half tatkräftig bei der Beantwortung mit. Drei Jahre lang war Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller immer wieder in Paris bei der legendären Galerie ­Maeght, um nach passenden Stücken zu forschen. „Und das Schöne war“, erzählt er lachend, „dass Frau Buchholz meine Wunschliste nie abgelehnt hat.“

Spektakuläre Werke

Über die Kosten der 53 Grafikblätter und 14 Fotografien hüllen sich beide Seiten in beredtes Schweigen – frei nach Oscar Wilde sei der Preis ja längst nicht so wichtig wie der Wert der Sammlung, sagt Müller. Das scheinen die Appetithappen, die gestern kurz gezeigt wurden, zu bestätigen: Vom blauen „Notturno“ aus dem Jahr 1953, das Miró als „spanischen Paul Klee“ zeigt, bis zur „Feuersteinschlägerin“ aus dem Jahr 1973 sind es spektakuläre Werke, über die das Museum jetzt verfügen kann.

Video in Kooperation mit dem WDR:

Weil das große Geburtstagsgeschenk also keine Überraschung fürs Museum mehr war, kann es schon die kommende Ausstellung über die Künstlerfreundschaft von Picasso mit Miró vom 19. September an schmücken. Darauf und auf die kommenden Jahre blickt Andrea Hagemann, kaufmännischer Vorstand des Museums, jetzt schon voller Optimismus – verhilft diese Erweiterung des Bestandes dem Museum doch zu neuen Präsentations- und Austausch-Möglichkeiten.

Maximale Spannweite künstlerischer Techniken

Dass neben Werken von Georges Braque, Marc Chagall, Henri Matisse und Honoré Daumier jetzt ein Künstler vertreten ist, von dem Picasso sagte, er komme aus „demselben geistigen Viertel“, macht das Geschenk für Markus Müller so wertvoll: ein „must have“, wie er sagt. Und weil er die Sammlung selbst zusammengestellt hat, konnte er auch wichtige Kriterien umsetzen. So umfasst sie einen möglichst großen Schaffenszeitraum von 1938 bis kurz vor Mirós Todesjahr 1983, enthält nur Werke, die von Mirós Galeristen stammen und über jeden Zweifel erhaben sind.

Sie zeigt eine maximale Spannweite künstlerischer Techniken und bietet die Möglichkeit, Joan Miró im politischen und kulturellen Zusammenhang seiner Zeit zu sehen. Denn der Mann, der ein „internationaler Katalane“ sein wollte, war eben nicht nur jener heitere Spanier, der ein fröhliches Fußball-WM-Plakat schuf und laut Markus Müller gemeinsam mit Hundertwasser „die Lufthoheit über die Wartezimmer der Arztpraxen“ hat. Seine frühen Blätter lassen auch die Erschütterungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkennen. Auch diesen Aspekt zeigt die neue Sammlung.

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