Rat stimmt Ankauf zu
Ältestes Handwerker-Haus vor dem Abriss gerettet

Münster -

Die ehemalige „Bit-Pünte“ an der Bergstraße ist denkmalgeschützt – und sollte abgerissen werden. Das hat die Stadt jetzt verhindert. Die Verwaltung hat das Haus gekauft.

Dienstag, 01.09.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 18:09 Uhr
An der Bergstraße 9 tut sich was – zu erkennen an den vier haushohen Streben, die das Gebäude seit Februar abstützen.
An der Bergstraße 9 tut sich was – zu erkennen an den vier haushohen Streben, die das Gebäude seit Februar abstützen. Foto: Stadt Münster

Lange wurde untersucht, geprüft und abgewogen, letztendlich wies ein richterlicher Vergleich den Weg. Zum 1. September hat die Stadt Münster das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus an der Bergstraße 9 erworben und bewahrt so das älteste Handwerker-Haus in der Altstadt vor dem Abriss, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Das Haus hat eine ganz besondere Baugeschichte“, betont Mechthild Mennebröcker, Leiterin der städtischen Baudenkmalpflege, die Bedeutung der Entscheidung.

Mit Hilfe der Dendrochronologie, die sich mit den Fälldaten der für den Bau verwendeten Hölzer befasst, ist die Entstehung des Hauses auf das Jahr 1592 datiert worden, heißt es weiter. Aus dieser frühen Zeit stammen die fast vollständig erhaltenen Balkenlagen aller Geschossdecken und der Dachstuhl in spätmittelalterlicher Konstruktionsweise. „Beeindruckend sind die wuchtigen Kopfbänder, aber auch die alten Deckenausfachungen aus Lehm. Die Fassade und die Kaminstelle aus Backstein im Erdgeschoss spiegeln deutlich die vielen Veränderungen wider, die das Haus im Laufe der Jahrhunderte erlebt hat und die das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner prägten.“

Haus wurde im Krieg nicht zerstört

Das Haus an der Bergstraße ist eines der rund 250 Häuser, die schon auf dem von Everhard Alerdinck 1636 fertiggestellten Stadtprospekt eingezeichnet sind. Als einziges Fachwerk-Stadthaus im früher eng bebauten Handwerkerviertel von Münster wurde es im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört.

Zur Vorgeschichte der Kaufentscheidung: 2017 wurde die Kneipe „Bit-Pünte“ an der Bergstraße 9 geschlossen. Das als Denkmal eingetragene Haus wurde verkauft. Der neue Eigentümer gab verschiedene Untersuchungen in Auftrag, die zu dem Ergebnis kamen, die statische Sicherheit sei nicht mehr gegeben, der Erhalt des Hauses  nicht wirtschaftlich. In der Konsequenz sah der Eigentümer den Abriss des Hauses als einzige Möglichkeit. Die Denkmalpfleger der städtischen Denkmalbehörde und die Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mochten diesen Weg nicht mitgehen. Und ihre Einschätzung wurde am Ende bestätigt, wie die Stadt weiter mitteilt.

Einstimmigkeit im Rat

Zunächst hatte das Verwaltungsgericht Münster mit einem Vergleich zusätzliche Untersuchungen ermöglicht, die zum einen klären sollten, ob das Fachwerkgerüst erhalten werden kann und zum anderen Aufschluss über die Baugeschichte geben sollten. Sollten die Untersuchungen positive Ergebnisse bringen, so der Vergleich, sollte die Stadt Münster das Fachwerkhaus erwerben. Der Rat der Stadt Münster hatte dem richterlichen Vergleich bereits einstimmig zugestimmt, so dass das Haus nun zum 1. September in den Besitz der Stadt übergegangen ist.

Die Untersuchung zum Zustand des Fachwerks hat die LWL-Denkmalpflege in Auftrag gegeben, heißt es weiter. Drei Wochen lang war ein Restaurator im Zimmererhandwerk im Haus und nahm Zentimeter für Zentimeter die Hölzer unter die Lupe. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen der Denkmalpfleger: Nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten sollen rund 70 Prozent des Fachwerkgerüstes erhalten sein. Laut Mennebröcker „ein enorm hoher Wert“.

Die Bauforscher des LWL entdeckten bei der Untersuchung des Gebäudes zudem, dass umfangreiche Substanz aus der frühen Neuzeit erhalten ist. Fazit: Das Haus ist ein einzigartiges Zeugnis der Bau- und Stadtgeschichte.

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