Eine Bahn-Bekanntschaft mit Folgen
In Sorge um die Würde im Alter

Münster -

Eine Bahn-Bekanntschaft mit Folgen. Sie: Dr. Johanna Unkhoff, Geschäftsführerin der Möbel-Spedition Laarmann. Er: Prof. Dr. Klaus Kocks, einer der bekanntesten deutschen Kommunikationsberater und geschäftsführender Gesellschafter der Sozietät „Cato“ mit Sitz in Horbach im Westerwald. Sie 37, er 68. Sie kommen ins Gespräch.

Freitag, 04.09.2020, 21:30 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 22:00 Uhr
Dr. Johanna Unkhoff und Prof. Dr. Klaus Kocks stellen das „Münsterische Monitum“ über den Wert des Alters vor. Ein Buch und ein Kongress zum Thema sollen folgen.
Dr. Johanna Unkhoff und Prof. Dr. Klaus Kocks stellen das „Münsterische Monitum“ über den Wert des Alters vor. Ein Buch und ein Kongress zum Thema sollen folgen. Foto: nt/dpa

Sie, studierte Religionswissenschaftlerin und in der fünften Generation des Familienunternehmens tätig. Er dabei, seine Agentur an die nächste Generation weiterzugeben. Ihr Thema: Die besondere Würde des Menschen im Alter. Das Ergebnis dieser neuen Bekanntschaft: „Das Münstersche Monitum“.

Johanna Unkhoff hat diese Denkschrift, diese Mahnung, verfasst. „Das Lebensrecht und die Selbstbestimmung einschließlich der Freizügigkeit alter und sehr alter Menschen sind auch dann zu achten, wenn sie zu höherem gesellschaftlichem Aufwand führen. Alter ist ein Wert an sich, ihm gebührt uneingeschränkt der Verfassungsvorbehalt der Menschenwürde als Richtwert allen staatlichen Handelns.“

Auslöser: Die Corona-Pandemie

Auslöser dieser großen Sorge, die in diesem Monitum deutlich wird: natürlich auch die Corona-Pandemie. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte mit einer (von ihm später relativierten) Äußerung einen Sturm der Entrüstung ausgelöst: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären – aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“ Ältere und Kranke sollten zugunsten der Jüngeren auf soziale Kontakte verzichten.

Wozu die Corona-Maßnahmen bei den alten Menschen führen, erfährt Dr. Unkhoff inzwischen nahezu täglich, denn sie arbeitet aktiv in dem von ihr gegründeten Pflegedienst mit. „Schon gar nicht sind mit hohem Lebensalter ökonomisch angezeigte Verringerungen der medizinischen Versorgung gerechtfertigt, die eine höhere Sterblichkeit als sozialverträglich in Kauf nehmen“, sagt sie. Eine Verringerung der zugemessenen Menschenwürde auch in hohem Alter sei völlig inakzeptabel.

Zurück zum ICE: Natürlich weiß ein Kommunikations-Profi wie Kocks, einem solchen Thema den erforderlichen Platz in der politischen Debatte zu verschaffen. „Wir sind politisch unterwegs, aber nicht parteipolitisch, wir argumentieren moralisch, aber nicht religiös. Es ist unsere zivilgesellschaftliche Pflicht, uns alle aufzuklären über das Leben dieser und in dieser vierten Generation.“

Debatte soll von Münster ausgehen

Die Debatte dazu soll von Münster ausgehen. Warum Münster? „Die Stadt ist eine der letzten wirklich bürgerlichen Metropolen, Friedensstadt, christlich sozialisiert und ausgestattet mit einem dichten Netz sozialer Einrichtungen“, begründet Kocks die Initiative. Die nächsten Schritte: Im Herbst erscheint ein Buch mit Beiträgen von rund 80 Alterswissenschaftlern. Und für das Frühjahr planen Unkhoff und Kocks einen ersten großen Kongress zum Thema. In Münster.

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