Einbruch bei Übernachtungszahlen
Jugendherbergen in Existenznöten

Berlin/Münsterland -

Der durch die Corona-Krise bedingte Rückgang von Übernachtungen in Hotels und Pensionen stellt auch Jugendherbergen vor erhebliche Probleme.

Samstag, 05.09.2020, 13:00 Uhr aktualisiert: 05.09.2020, 15:29 Uhr
Ein leeres Zimmer in der Jugendherberge in Köln-Deutz.
Ein leeres Zimmer in der Jugendherberge in Köln-Deutz. Foto: Oliver Berg

Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) geht für das Jahr 2020 von einem Rückgang bei Umsatz und Übernachtungen von etwa 80 bis 90 Prozent aus, wie Justin Blum, Sprecher des Verbandes, sagte.

Insbesondere der Wegfall eines Großteils des Klassenfahrtgeschäftes mache den etwa 450 im DJH organisierten Betrieben zu schaffen, sagte Blum. Viele Herbergen würden deshalb ihren Betrieb nach dem Sommergeschäft wieder einstellen. Aktuell nehme nur rund die Hälfte der Unterkünfte Buchungen an. „Diese Zahl ändert sich aber quasi täglich, da viele Häuser zum Beispiel in den Sommermonaten für die Ferienzeit geöffnet hatten, jetzt aber aufgrund der fehlenden Gäste wieder schließen“, sagte Blum. Einige Betriebe hätten bereits dauerhafte Schließungen angekündigt.

Für das Münsterland zeigt sich Maike Braun vom Landesverband Westfalen-Lippe des Deutschen Jugendherbergswerks optimistisch, dass dies nicht geschieht. Allerdings seien auch bei den hiesigen Jugendherbergen in Rheine, Münster, Haltern, Reken und Nottuln die wirtschaftlichen Schäden enorm. Die Häuser in Rheine und Reken haben derzeit aufgrund der fernbleibenden Schulklassen sogar komplett geschlossen. „Allerdings sehen die Vorbuchungen für 2021 gut aus“, geht Braun von einem besseren nächsten Jahr aus.

Im Juni erlebten die meisten Herbergen trotz beginnenden Sommergeschäfts kaum Erholung. So verbuchten die Unterkünfte bundesweit etwa 83 Prozent weniger Gäste im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Konkret seien nur etwa 164 000 Gästeankünfte gemeldet worden. Im Juni 2019 waren es 955 500. Etwa 1330 Jugendherbergen und Hütten hatten im Juni geöffnet – nur 71 Prozent der Betriebe im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Immerhin ist der Trend ansteigend. Denn im April erreichten die Betriebe bundesweit mit rund 5800 Gästeankünften gerade einmal ein knappes Prozent des Gästeaufkommens vom April 2019, lediglich 500 Betriebe waren überhaupt geöffnet.

Verglichen mit Hotels und sonstigen Beherbergungsunternehmen (52 Prozent) mussten die Jugendherbergen und Hütten im Juni mit preisbereinigt etwa 66 Prozent deutlich höhere Umsatzverluste hinnehmen, wie die Statistiker ermittelten. Doch auch hier scheint sich die Situation etwas zu entspannen. Im April (85 Prozent) und Mai (80 Prozent) waren die Umsatzeinbrüche deutlich höher ausgefallen.

„Es geht um nicht weniger als die Zukunft der deutschen Jugendherbergen“, hatte Julian Schmitz, der Hauptgeschäftsführer des DJH mit Sitz in Detmold, kürzlich gesagt. Zwar konnten 288 der bundesweit rund 450 Häuser nach der wochenlangen Corona-Zwangspause wieder öffnen, doch das traditionelle Kerngeschäft der Herbergen mit Klassenfahrten und Gruppenreisen sei nahezu vollständig weggebrochen. Allein die Schul- und Klassenreisen machten etwa 40 Prozent des Umsatzes aus. In manchen Häusern liege der Anteil deutlich höher.

„Seit dem 15. März erlebten wir eine Stornierungswelle von bereits fest gebuchten Klassenfahrten und Jugendreisen für das gesamte Jahr 2020“, sagte Miriam Gedrose, Sprecherin des DJH-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Von Mitte März bis Anfang August sei ein Stornierungsvolumen von 7,1 Millionen Euro aufgelaufen, etwa 68,5 Prozent des geplanten Jahresumsatzes.

In einigen Häusern reiße der Betrieb deutlich größere Lücken als Einnahmen generiert würden, sagte der DJH-Geschäftsführer Schmitz im Juni. Andere müssten dicht bleiben, weil die baulichen Voraussetzungen Infektionsschutz schwierig machten.

Wie stark die Branche von Schließungen bedroht sei, könne man erst zum Jahresende abschätzen, sagte Blum. Man müsse nun sehen, wie sich die Auslastungen entwickelten und wie staatliche Hilfen wirkten.

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