Abendforum mit Ruprecht Polenz
Koloniales Erbe in Namibia

Münster -

Wiedergutmachung hält Ruprecht Polenz für kaum möglich. Die Rede ist von der Beziehung zwischen Deutschland und Namibia. Die war Thema eines Vortrags im Franz-Hitze-Haus.

Dienstag, 08.09.2020, 22:30 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 10:13 Uhr
Ruprecht Polenz sprach beim Abendforum im Franz-Hitze-Haus über das koloniale Erbe Deutschlands in Namibia.
Ruprecht Polenz sprach beim Abendforum im Franz-Hitze-Haus über das koloniale Erbe Deutschlands in Namibia. Foto: Franz-Hitze-Haus

Die langwierigen Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia über die Aufarbeitung der Kolonialzeit standen im Mittelpunkt eines Vortrags mit anschließender Diskussion in der Akademie Franz-Hitze- Haus in Münster.

In Kooperation mit dem Soroptimist International Club Münster-Mauritz war es der Bistumseinrichtung gelungen, mit Ruprecht Polenz den Sondergesandten der Bundesregierung für den Dialog um den Völkermord an den Herero und Nama im Gebiet des heutigen Namibia zu gewinnen, heißt es in einer Pressemitteilung. Er skizzierte seine Erfahrungen in dem politischen und gesellschaftlichen Prozess und diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern den aktuellen Stand.

Von 1884 bis 1915 war das heutige Namibia als „Deutsch-Südwestafrika“ Kolonie des Deutschen Reiches. Als sich zwischen 1904 und 1908 die Volksgruppen der Herero und Nama in zwei bewaffneten Aufständen gegen die deutsche Kolonialmacht auflehnten, wurden sie durch die vom deutschen General von Trotha geführten Truppen brutal verfolgt, getötet oder interniert.

Weil geschehenes Unrecht nicht ungeschehen gemacht werden kann, sei eine eigentliche Wiedergutmachung kaum möglich, betonte Polenz. Während es den Nachfahren der Opfer um Anerkennung der Leiden geht, die durch die Kolonialherrschaft angerichtet wurden, sei es Ziel der Bundesregierung, im Dialog die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die namibische Seite eine Entschuldigung annehmen könne.

Deshalb gehe es neben der politisch-moralischen Dimension um die mit tiefen Emotionen verbundene Rückführung von Gebeinen, die zu Zwecken der „Rassenforschung“ nach Deutschland geschickt worden seien, so Polenz.

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