Brandkatastrophe im Camp Moria
Lewe bietet Hilfe für Flüchtlinge an

Münster -

Mehrere Brände haben in der Nacht das Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos zerstört. 12.000 Menschen benötigen dort nun eine Notunterkunft. Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe hat Hilfe angeboten. Auch der Flüchtlingsbeauftragte des Bistums Münster äußerte sich am Mittwoch zur Lage im Lager und wirft der Bundesregierung sowie EU Versagen in der Flüchtlingspolitik vor. 

Mittwoch, 09.09.2020, 14:30 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 15:55 Uhr
Brandkatastrophe im Camp Moria: Lewe bietet Hilfe für Flüchtlinge an
Rauch steigt im Flüchtlingslager Moria auf der nordöstlichen Ägäisinsel Lesbos auf. Ein Feuer fegte durch Griechenlands größtes Flüchtlingslager, das wegen Covid-19 unter Quarantäne gestellt worden war. Foto: Arne Büttner/dpa

Oberbürgermeister Markus Lewe reagiert bestürzt auf die dramatischen Bilder von der griechischen Insel Lesbos. "Wenn wir Europa ernst nehmen, können wir nicht so tun, als ginge uns das alles nichts an", erklärt Lewe in einer städtischen Pressemitteilung und erneuert das Angebot der Stadt Münster, Geflüchtete in Not auch über die landesweite Verteilquote für die Aufnahme Schutzsuchender hinaus aufzunehmen.

Auf der Insel Lesbos steht das Flüchtlingslager Moria in Flammen. Medienberichten zufolge werden  die 12.000 Bewohner des Lagers evakuiert. In den sozialen Netzwerken kursieren zum Teil dramatisch Hilferufe Betroffener. Lewe: "Bekannt ist, dass die Flüchtlingssituation für den griechischen Staat ohnehin schon eine große Herausforderung ist. Da die Lage sich mit dem Großbrand jetzt erneut zuspitzt, ist mit unkontrollierten Wanderbewegungen zahlreicher Menschen in desolaten Lebenssituationen zu rechnen, die dringend Hilfe brauchen."

Münster ist "Sicherer Hafen"

Münster ist vor rund einem Jahr dem Bündnis "Städte Sicherer Häfen" beigetreten. Die Mitgliedsstädte haben sich verpflichtet, Geflüchtete über den vorgegebenen interkommunalen Verteilschlüssel hinaus aufzunehmen und zu unterstützen. Lewe: "Unser entsprechendes Angebot an den Bund und das Land gilt. Wir stehen bereit."


PRESSEMITTEILUNG DES BISTUMS MÜNSTER

„Das Leiden der Menschen kann nicht länger auf Hilfe warten“

Zutiefst bestürzt über die Lage im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat sich der Flüchtlingsbeauftragte im Bistum Münster, Helmut Flötotto, am 9. September geäußert. Die in der Nacht zuvor in Moria ausgebrochenen Brände und die Gesamtsituation in dem Lager bezeichnete Flötotto als „Versagen mit Ansage“, das er der Bundesregierung und der Europäischen Union (EU) anlastet.

Schon seit Monaten und lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie seien „die unmenschlichen Zustände in dem Lager kritisiert“ worden. „Es ist vielfach auf die humanitäre Katastrophe hingewiesen worden, ebenso darauf, dass insbesondere vulnerable Flüchtlingsgruppen darunter massiv leiden, wie Kinder, junge Menschen und Menschen mit Behinderung.“ Zuletzt sei die Situation anlässlich des Besuchs des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet und des NRW-Integrationsministers Joachim Stamp im Flüchtlingscamp Moria „noch einmal offensichtlich und für alle sichtbar geworden.“

„Es ist ein Versagen mit Ansage seitens der Bundesregierung, insbesondere des Bundesinnenministers, und der EU“, meint Flötotto, „die Abschreckungspolitik zu Lasten der Flüchtlinge ist in eine Katastrophe gemündet.“ Die Verantwortliche hätten Appelle aus Kirche und Zivilgesellschaft ignoriert und stattdessen „an einem unmenschlichen System der Flüchtlingshilfe vor den Toren beziehungsweise an den Außengrenzen der EU festgehalten.“ Zuletzt habe der Bundesinnenminister die Aufnahme von Flüchtlingen selbst bei Städten und Kommunen verhindert, die sich selbst zu „sicheren Häfen“ erklärt hatten.

„Deutschland steht in der Pflicht, insbesondere während seiner EU-Ratspräsidentschaft, sich kurzfristig für die Aufnahmen von Flüchtlingen einzusetzen, und das auch dann, wenn kein EU-Konsens erzielt werden kann“, betont Flötotto, „denn das Leiden der Menschen kann nicht länger auf Hilfe warten.“ Viele Kommunen, zivilgesellschaftliche Gruppen und die Kirchen seien bereit, sich aktiv bei der Bewältigung der Aufnahme von Flüchtlingen einzusetzen, um zur Bewältigung der humanitären Katstrophe beizutragen.

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