Podiumsdiskussion zur Entwicklung des Hafen- und Hansaviertels
Verhärtete Fronten am Hafen

Münster -

Weiteres Kapitel einer unendlichen Geschichte: Seit 20 Jahren wird über die Gestaltung des Hafen- und Hansaviertels kontrovers diskutiert. Jetzt, kurz vor der Wahl, veranstalteten zwei Vereine eine Podiumsdiskussion mit OB-Kandidaten zu dem Thema. Der prominenteste Gast sagte jedoch ab.

Mittwoch, 09.09.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 17:20 Uhr
Thomas Krabbe (2.v.l.), Vorsitzender des Vereins „Mehr Lebensqualität für das Hansa- und Hafenviertel“, moderierte die Podiumsdiskussion mit Peter Todeskino (l.), Horst-Karl Beitelhoff (r.), Dr. Michael Jung und dem Publikum.
Thomas Krabbe (2.v.l.), Vorsitzender des Vereins „Mehr Lebensqualität für das Hansa- und Hafenviertel“, moderierte die Podiumsdiskussion mit Peter Todeskino (l.), Horst-Karl Beitelhoff (r.), Dr. Michael Jung und dem Publikum. Foto: M. Ahlke

Ganz erstaunt darüber, dass die Podiumsdiskussion zur Entwicklung des Hafen- und Hansaviertels im Außenbereich des Jovel stattfinden sollte, bemerkte eine Frau am Eingang, dass sie dafür zu dünn gekleidet sei. „Nicht schlimm, die Diskussion wird heiß“, rief Organisator Thomas Krabbe ihr schmunzelnd zu. Er sollte recht behalten.

Noch bevor es inhaltlich so richtig zur Sache ging, gab es schon die erste Spitze. „Schade, dass er kneift“, kommentierte Dr. Michael Jung, OB-Kandidat der SPD, das Fehlen von Markus Lewe. Das Stadtoberhaupt hatte den Veranstalter-Vereinen „Mehr Lebensqualität für das Hansa- und Hafenviertel“ und „Initiative Zukunft Hafen“ abgesagt – aus terminlichen Gründen, wie sein Vertreter auf dem Podium, Horst-Karl Beitelhoff, betonte.

CDU und SPD verteidigen Kompromiss zum Hafenmarkt

Der CDU-Ratsherr hatte in den nächsten gut 90 Minuten quasi ein Auswärtsspiel. Dass das Publikum, darunter viele Viertelbewohner, keine schwarzen Fanschals hochhalten würden, war vorher klar. Immerhin: Beitelhoff hatte zuerst das Wort.

Die Eingangsstatements machten die Positionen, vor allem zum Thema Hafenmarkt, noch einmal deutlich. Beitelhoff und Jung verteidigten den Kompromiss von CDU und SPD namens Hafenmarkt. Er sei ein wichtiger Baustein für die Versorgung des wachsenden Viertels, so Beitelhoff. Außerdem wolle man nun nach 18 Jahren Diskussion endlich die Entwicklung vorantreiben.

Todeskino im leidenschaftlichen Wahlkampfmodus

Jung hob – gewohnt sachlich und faktenbasiert – die Bedeutung der Quartiersgarage heraus und gab zu bedenken, dass man auf einem Grundstück eines Investors die Planung nicht wieder von Null beginnen könne. Der Kompromiss skizziere das Mögliche und Machbare.

Ganz anders Peter Todeskino. Der grüne OB-Kandidat schaltete bei seinem – um im Bild zu bleiben – Heimspiel in einen leidenschaftlichen Wahlkampfmodus um und wetterte unter Applaus gegen den Hafenmarkt. Er bezeichnete – mittlerweile stehend – den rot-schwarzen Konsens als Etikettenschwindel, denn damit seien die Verkehrsprobleme nicht vom Tisch.

700 neue Wohnungen am Hafen in Münster

Im Programm folgte der Diskussionsteil mit nach Themenblöcken geordneten Publikumsfragen. Immer wieder äußerten Anwohner ihren Unmut über die Art der Bürgereinbindung, die beim Hafenmarkt einer Farce gleichgekommen wäre. „Sie sollten die Bürgerinteressen vertreten und nicht die von Investoren“, sagte ein Gast mit Blick auf die Ausgestaltung des ehemaligen Osmo-Areals, auf dem rund 700 Wohnungen entstehen sollen . Alle drei Diskutanten versprachen, sich künftig für mehr und wirksamere Bürgerbeteiligung einzusetzen.

Todeskino und Beitelhoff ließen die Chance nicht ungenutzt, Jung für seinen 6000-Wohnungen-Plan für das Lignum-Gelände, gegen den schon Kleingärtner und Sportvereinsmitglieder protestiert hatten, zu kritisieren.

Doch zum Ende der hitzigen Debatte herrschte es in einem Punkt Konsens: Vertreter von CDU, Grünen und SPD sprachen sich unisono für den Erhalt des Hawer­kamps als Kulturfläche aus.

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