„Dog Eye“: Arbeiten von Daniel Steegmann Mangrané in der Städtischen Kunsthalle
Tarnung und Enttarnung

Münster -

Geometrische und abstrakte Formen, die sich mit natürlichen Elementen überschneiden: Der Künstler Daniel Steegmann Mangrané aus Brasilien zeigt in der Städtischen Ausstellungshalle Arbeiten mit einem sehr poetischem Ansatz.

Freitag, 11.09.2020, 17:30 Uhr
Die Arbeit „Rotating Tables / Speculative Devices“ (links vorne) von Daniel Steegmann Mangrané
Die Arbeit „Rotating Tables / Speculative Devices“ (links vorne) von Daniel Steegmann Mangrané Foto: Petra Noppeney

Auf den ersten Blick wirkt die Ausstellung höchst minimalistisch. Eine Glasscheibe, ein paar Fotografien, drei Hologramme in iPad-Größe, grazile Skulpturen und Wandarbeiten: Daniel Steegmann Mangranés Werke zeichnen sich durch ihren poetischen Ansatz aus und bilden thematisch miteinander ein schlüssiges Gefüge. Der gebürtige Spanier, der seit dem Jahr 2004 in Brasilien lebt, präsentiert mit „Dog Eye“ in der Städtischen Ausstellungshalle seine erste vielversprechende Einzelausstellung in Deutschland.

Wer die Ausstellung besucht, die von diesem Sonntag an (13. September, ab 12 Uhr) geöffnet ist, fühlt sich mitunter an den Blick durch ein Kaleidoskop erinnert. Geometrische Strukturen und natürliche Elemente, die sich überschneiden, spielen in Steegmann Mangranés Werk eine zentrale Rolle. Die Wandmalerei „Morphogenesis/Cripsis“ (2019) steht bildlich dafür. Vier Äste (aus Münster!) sind in die Raute eingearbeitet, tauchen aber im Linien-Gefüge unter.

Grazile geometrische Strukturen bilden auch die gläsernen Bruchstücke aus, die der Künstler bei zwei Arbeiten auf dickes Sicherheitsglas aufgebracht und senkrecht in einem Betonsockel platziert hat. Der Blick durch das Glas verändert das Raumgefühl. Mit diesem Trick arbeiten auch die angeleuchteten Hologramme, die die Illusion eines Raumes schaffen. Stabheuschrecken, auch Gespenstschrecken genannt (ihnen ist auch der Film „Phasmides“ von 2012 gewidmet), setzt der Künstler dort zwischen Zweigen und geometrischen Formen in Szene. Es geht um das natürliche Spiel von Tarnung und Enttarnung, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit.

Muss sich der Betrachter hier bewegen, um das exotische Insekt zu entdecken, so bilden die beiden „Rotating Tables / Speculative Devices“ den Kontrapunkt. Auf sich drehenden Spiegeltischen präsentieren sich fein halbierte Äste, die an das Insekt denken lassen. Ein weiterer Ast ist kunstvoll in eine filigrane Skulptur eingearbeitet. Geisterhaft erscheinen auch die Straßenhunde in der Foto-Serie, die in Bangladesh entstand. Die Aufnahmen spielen Kunstvoll-poetisch mit der Auflösung von Innen und Außen, von Architektur und Natur.

Die Klangarbeit im Hintergrund basiert auf dem gewaltigen Geräuschwirrwarr auf einer Bohrinsel in Brasilien – und darf als wirtschaftskritisches Statement verstanden werden. Eine Flötistin hat den Lärm in vibrierende Töne übersetzt.

Diese Arbeit korrespondiert mit dem narrativen Film „Fog Dog“, der die Folgen von Kolonialismus und Klimawandel aufgreift und „wie ein Horrorfilm daherkommt“, wie Merle Radtke, Leiterin der Kunsthalle, beim Rundgang sagt. Für die Filme wurden eigens organisch geschwungene Raume nach Ideen des Künstlers geschaffen. Wegen Corona wird er am Eröffnungstag nicht in Münster sein. Sein „Table with Objects“, eine Art „Denkraum“, gibt aber Einblicke in seine Arbeitsweise.

Bis zum 22. November in der Städtischen Ausstellungshalle, Hafenweg 28. Geöffnet: Di – So 12 – 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, die Besucherzahl auf 60 begrenzt. Am 27. September um 15 Uhr, 16. Oktober um 18 Uhr und 22. November um 15 Uhr sind Führungen geplant.

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