Beate Körners Installation „Crisis Manual“ beim Förderverein Aktuelle Kunst
Alles im Lot

Münster -

Wie sieht er aus, der Moment, in dem man glaubt, den Verstand zu verlieren? Künstlerin Beate Körner hat klare Vorstellungen davon – zumindest weist ihre Arbeit „Crises Manual“ eine klare geometrische Struktur auf.

Mittwoch, 16.09.2020, 18:36 Uhr
Beate Körners Installation „Crisis Manual“ beim Förderverein Aktuelle Kunst: Alles im Lot
Foto: pn

Wer den Ausstellungsraum beim Förderverein Aktuelle Kunst an der Fresnostraße betritt, steht vor einer Installation aus Fäden, die von einer zersplitterten Autoscheibe am Boden aus diagonal zur Decke gespannt sind und von dort – durch 300 Gramm schwere gelbe und graue Senklote – senkrecht zum Boden zeigen. Ein spannungsvolles Bild.

Körner, aus Weimar stammend und nach ihrer Studienzeit in Karlsruhe inzwischen mit dem Promotionsstudium in Weimar befasst, beschäftigt sich künstlerisch mit psychischen Ausnahmesituationen. Zum Thema Kunst und Psyche schreibt sie zurzeit ihre Doktorarbeit. Die Ausstellung in Münster ist der praktische Teil davon.

Besonders ein Teil der Installation, „Fake-Smiles“ betitelt, macht deutlich, worum es Körner inhaltlich geht: um die Gesellschaftskonformität bei seelischen Schwächen. Oder, wie Kerstin Schneider, Kuratorin neben Lisa Tschorn und Maria Renee Morales Garcia, sagt: „Wir lernen, das zu zeigen, was gesellschaftlich erwartet wird.“ Dazu gehören hängende Mundwinkel meist nicht. Doch es gibt sie zwischen den über 200 fröhlichen und traurigen Gipsabdrücken von Körners Mund, die in Form eines menschlichen Körpers, der auf dem Boden sitzt und sich an die Wand lehnt, von der Künstlerin angeordnet sind. „An die Stelle, an der ich selbst gesessen habe, als ich beim Aufbau mal am Ende war“, sagt Körner lachend. Sie nennt die Münder „Gesichtsstarre“: „Man versucht sich zu verstellen, will nicht gesehen werden und signalisiert lieber: Alles okay.“

Zu Körners Werk gehört eine Papierarbeit, die nach der Mitwirkung der Ausstellungsbesucher ruft: Auf der „Landkarte der Gefühle“ gilt es, innere Zustände oder Gedanken niederzuschreiben.

Wer dies tut, steht praktisch drin in der großen Rauminstallation, was ausdrücklich erlaubt ist. Die zerstörte Autoscheibe, so Körner, ist als „Schockmoment“ zu verstehen. Er steht laut Körner für den Augenblick, in dem das seelische Gleichgewicht zu kippen droht. Die Lote, die bei Schritten oder Berührungen zu pendeln beginnen, stehen bildlich für das „im Gleichgewicht sein“. Auf Grenzüberschreitungen jedoch reagieren sie mit heftigen Ausschlägen. Eine Installation, so spannungsvoll wie beruhigend.

Die Ausstellung wird an diesem Donnerstag um 19 Uhr eröffnet.

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