„Miriam, ganz in Schwarz“ im Kleinen Bühnenboden
Weiblicher Harold ohne Maude

Münster -

Basketball hat die 16-jährige Miriam früher auch gespielt. Doch inzwischen ist ihre Freizeitgestaltung etwas außergewöhnlicher: Sie besucht mit Begeisterung Beerdigungen – und zwar von ihr unbekannten Menschen. Dort genießt sie es, laut zu weinen, spätestens, wenn die Musik einsetzt. Von dieser Leidenschaft erzählt Schauspielerin Petra Liebl als „Miriam, ganz in Schwarz“ dem Publikum im Kleinen Bühnenboden.

Montag, 21.09.2020, 17:47 Uhr
Petra Liebl spielt im Kammertheater amüsierend und nachdenklich stimmend zugleich „Miriam, ganz in Schwarz“.
Petra Liebl spielt im Kammertheater amüsierend und nachdenklich stimmend zugleich „Miriam, ganz in Schwarz“. Foto: Mattias Liebl

Basketball hat die 16-jährige Miriam früher auch gespielt. Doch inzwischen ist ihre Freizeitgestaltung etwas außergewöhnlicher: Sie besucht mit Begeisterung Beerdigungen – und zwar von ihr unbekannten Menschen. Dort genießt sie es, laut zu weinen, spätestens, wenn die Musik einsetzt. Von dieser Leidenschaft erzählt Schauspielerin Petra Liebl als „Miriam, ganz in Schwarz“ dem Publikum im Kleinen Bühnenboden. Dieses war durch Corona die verschobene Premiere vom Frühjahr. Regie führte Franz Bernhard Schrewe.

„Man kommt auf andere Gedanken“, erklärt Miriam ihre seltsame Leidenschaft. „Bin ich trauergestört?“, fragt sich die Schülerin. Und dann philosophiert sie über das Leben im Angesicht des Todes, schwärmt von der Verlangsamung und dem Entschleunigen, das die Beerdigungsbesuche bei ihr auslösen. Mit wenigen Utensilien schafft es Liebl, Räume sichtbar zu machen: ob Schule, Friedhof, Hochzeitssaal. Ein großer Teddy dient als Leichen-Platzhalter oder Kuscheltier. Keine Minute wird der Monolog langweilig. Doch zu ernst ist dieser Theaterabend nicht, trotz der Thematik. Die Schnodderigkeit, mit der Liebl die 16-Jährige spielt – Sprache, Gestik, Mimik – lässt vergessen, dass Liebl wesentlich älter ist. Immer wieder wurde am Premierenabend gekichert und zum Abschluss kräftig applaudiert.

Trotz schwarzen Humors und loser Sprüche gibt das Stück Anlass zum Nachdenken über das Leben im Angesicht des Todes, über Zuneigung und Beziehungen und das, worauf es wirklich ankommt. Miriam bewundert Menschen auf Beerdigungen, die wahrhaftig trauern. Das erlebt sie allerdings nicht so oft.

Zum Schluss tauscht die Schauspielerin Leggings und Kapuzenpulli gegen ein schwarzes Kleid und verabschiedet sich so „ganz in Schwarz“ einschließlich Mund-Nasen-Schutz. Und wenn sie das Publikum einlädt, mit zur nächsten Beerdigung zu kommen, macht sie noch einmal neugierig und lässt die Zuschauer gut unterhalten und gleichzeitig nachdenklich zurück. Eigentlich ist sie ein weiblicher Harold ohne Maude, die dem Tod ins Auge sehen kann, statt ihn zu verschweigen. Das Bewusstsein um die Endlichkeit des Lebens schafft eine größere Intensität.

Am Samstag gibt es erneut die Möglichkeit, das Stück zu sehen. Es lohnt sich.

Karten gibt es online.

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