Plakat-Kampagne des Vereins „Frauennotruf“
Schuld hat allein der Mann

Münster -

Frauen, so heißt es nicht selten, seien selbst schuld, wenn sie von Männern sexistisch beleidigt oder gar gewaltsam angegangen werden. Ein schlimmes Vorurteil, sagen die Beraterinnen des Vereins „Frauennotruf Münster“. Sie wollen damit jetzt aufräumen.

Samstag, 26.09.2020, 11:00 Uhr
Gerlinde Gröger (l.) und Daniela Stöveken zeigen eine Auswahl der Postkarten der Kampagne. Großformatige Plakate an Lifaßsäulen folgen.
Gerlinde Gröger (l.) und Daniela Stöveken zeigen eine Auswahl der Postkarten der Kampagne. Großformatige Plakate an Litfaßsäulen folgen. Foto: Karin Völker

„Frau“ kennt das: Wenn sie wegen ihrer von Männern als zu knapp empfundener Kleidung dumme sexualisierte Sprüche erntet, muss sie sich bisweilen auch noch anhören, sie sei ja durch die Kleiderwahl selbst schuld. Frauen, die von ihren Ehemännern verprügelt werden, müssen sich ebenfalls mitunter fragen lassen, ob sie dafür nicht selbst ein Stück Verantwortung trügen. Gerlinde Gröger und Daniela Stöveken vom Verein Frauennotruf Münster werden wütend, wenn sie das mitbekommen.

Frauennotruf will sensibilisieren

Der Frauennotruf stärkt nun mit einer Plakatkampagne an münsterischen Litfaß-Säulen Frauen den Rücken und will allgemein sensibilisieren: Schuldgefühle von Frauen seien in solchen Fällen „völlig unangebracht“ sagen die beiden Beraterinnen des Vereins, der gegen sexualisierte Gewalt an Frauen zu Felde zieht – mit individueller Beratung und öffentlichkeitswirksamen Kampagnen. Für sexuell motivierte Übergriffigkeit oder gar Gewalt trage allein der Mann die Verantwortung, von dem sie jeweils ausgehe, betont Gerlinde Gröger.

Der Frauennotruf verteilt zur Zeit Postkarten mit den plakativen Sätzen: „Sie trägt einen Rock – keine Schuld“, heißt es da etwa, oder: „Sie hat einen Schwips – keine Schuld“. Auf der Rückseite wird die jeweilige Aussage mit Fakten erläutert. Erstsemester in Münster werden die Karte mit dem Satz „Sie hat einen Studienplatz – keine Schuld“ demnächst in ihrer „Studi-Tüte“, die an den Hochschulen verteilt wird, finden – ein Hinweis darauf, dass sich auch Studentinnen an den Hochschulen mit sexistischen Beleidigungen und Übergriffen auseinandersetzen müssen.

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