Stichwahl in Münster
Markus Lewe schafft es zum dritten Mal

Münster -

Es ist ein knappes Rennen am Sonntag um das Oberbürgermeister-Amt in Münster – auch wenn es vielleicht nicht ganz so eng wird, wie manche Grüne sich erhofft haben.

Sonntag, 27.09.2020, 21:30 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 15:32 Uhr
Der wiedergewählte Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) mit seiner Ehefrau Maria.
Der wiedergewählte Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) mit seiner Ehefrau Maria. Foto: Matthias Ahlke

Eine Stunde vor dem Tatort im Fernsehen ist im Rathaus von Münster die Spannung raus: Sehr zur Freude der jubelnden CDU-Anhänger kommt Münsters alter und neuer Oberbürgermeister mit seiner Frau Maria in die Bürgerhalle – als strahlender Sieger eines erwarteten Stichwahl-Krimis, der für den 55-jährigen Christdemokraten zum  Start-Ziel-Sieg wird, ohne dass sich Lewe dabei zu früh in Sicherheit wiegen kann.
Die 74 Minuten dauernde Auszählung zeigt nämlich ein knappes Rennen, richtig  eng wird es aber nicht. „Am Ende zählt das Ergebnis“, freut sich ein sichtlich zufriedener Oberbürgermeister, während auf der Leinwand das vorläufige amtliche Endergebnis einen Vorsprung des Amtsinhabers von 6881 Stimmen ausweist.

Gratulation von Todeskino

Den erkennt auch der grüne Herausforderer Peter Todeskino an, der als Erster ins Rathaus kommt und seinem Konkurrenten vor den Mi­krofonen anständig gratuliert: „Ich hoffe, er hat die Kraft, in den nächsten fünf Jahren durchzuregieren.“ 

Markus Lewe im Porträt

Der 55-jährige Markus Lewe ist seit elf Jahren Oberbürgermeister in seiner Geburtsstadt Münster. Bei seiner Wahl 2009 setzte er sich gegen den SPD-Mitbewerber Wolfgang Heuer durch, 2015 waren seine Herausforderer der SPD-Kandidat Jochen Köhnke sowie die Grüne Maria Klein-Schmeink. Lewe hat vor seinem Wechsel in das Oberbürgermeisteramt als Con­troller beim Bischöflichen Generalvikariat gearbeitet. Ehrenamtlich engagierte sich der Wahlsieger in der Zeit von 1999 bis 2009 als Bezirksbürgermeister in Münster-Südost. Lewe ist verheiratet, hat fünf Kinder und inzwischen auch fünf Enkelkinder.  (Von Klaus Baumeister)

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In den vergangenen zwei Wochen kämpften die beiden Bewerber und ihre Parteien  durchaus mit harten Bandagen um das OB-Amt. Das scheint der Vergangenheit anzugehören. „Stichwahlen sind immer nervig, weil sich alles zuspitzt“, stellt Lewe fest. „Gut, dass nach zwei Wochen alles rum ist.“ Am Abend gratulieren sich der  Oberbürgermeister und sein Herausforderer mit spitzen Ellenbogen ganz coronakonform – was für den nachvollziehbaren Freudentaumel im CDU-Lager nicht zu jeder Minute gilt.

Erste Stichwahl für Lewe in Münster

Zum dritten Mal ist Markus Lewe zum Oberbürgermeister gewählt worden, erstmals in der Stichwahl. Sein Resultat deutet er im Moment des Triumphs  als Herausforderung: „Ich sehe dieses Ergebnis als Auftrag,  zu klaren, stabilen Mehrheiten zu kommen.“ Denn im Rat, dem CDU-Mann Lewe weiter vorsteht, ist ein   Mehrheitsbündnis des linken Lagers durchaus denkbar. So will der alte und neue Oberbürgermeister es wohl als Mahnung verstanden wissen, als er sagt: Die Stadt müsse weiter gestaltet werden. „Es darf keinen Stillstand geben.“
Einige Interviews später aber ruht das politische Geschäft. Vor dem Stadtcafé lässt sich Lewe von den CDU-Anhängern kräftig feiern. Dort wissen wohl nur die wenigsten, dass hinter dem Oberbürgermeister eine gefühlsmäßige Achterbahn liegt. Denn einen Tag vor der Stichwahl ist ein guter Freund Lewes – „in meinem Alter“ – nach schwerer Krankheit gestorben. Das ändert die Pläne Lewes für den Wahltag, den er morgens mit   einem Besuch im Dom beginnt und abends zunächst im Familienkreis verbringt.

Die Oberbürgermeister-Stichwahl in Bildern

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  • Gratulation an den Wahlsieger: Peter Todeskino (Grüne, r.) gratuliert Oberbürgermeister Markus Lewe zur Wiederwahl.

    Foto: hpe
  • Ellbogengruß statt Handschlag: Die Gratulation an den Wahlsieger erfolgte coronakonform.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Auszählung der Stimmen bei der Oberbürgermeister-Stichwahl (hier die Wahlbriefumschläge im Schlaungymnasium) war spannend.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Rathaus wurden die Zwischenergebnisse auf einer Leinwand verfolgt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Viele Bürger waren gekommen, um das Geschehen vor Ort live zu verfolgen.

    Foto: hpe
  • Auf einer Leinwand wurden die Zwischenergebnisse der Auszählung dargestellt. Und auch wenn der Kandidat der Grünen zwischenzeitig vorne lag,...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... musste Peter Todeskino (r.) am Ende doch Markus Lewe zum Wahlsieg gratulieren. Lewe holte 52,6 Prozent der Stimmen, Todeskino entsprechend 47,4.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Markus Lewe und seine Ehefrau Maria freuen sich über den Wahlsieg.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Lewe: „Ich bin sehr erleichtert und freue mich über das Ergebnis, auch wenn es knapp ist.“

    Foto: hpe
  • Trotz der Niederlage war Todeskino nicht niedergeschlagen: „Ich hätte natürlich gerne gewonnen, aber ich bin nicht enttäuscht. Auf das Ergebnis kann ich stolz sein.“

    Foto: hpe
  • Im Stadtbezirk Münster-Mitte lag Todeskino in zwölf von 13 Wahlbezirken vor Lewe, der wiederum in den Außenbezirken punkten konnte.

    Foto: hpe
  • Robert von Olberg (r.,SPD) zieht am 27.09.2020 in der Bürgerhalle des Rathauses den imaginären Hut vor der Leistung von Wahlverlierer Peter Todeskino.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die Grünen hatten das Marktcafé gebucht. Mit Spannung wurde das Geschehen hier verfolgt.

    Foto: hpe
  • Als Todeskino aus dem Rathaus auf den Prinzipalmarkt tritt, wird er von einem Pulk jubelnder Anhänger empfangen.

    Foto: hpe
  • Im Marktcafé blickte Todeskino schon nach vorn: „Beim nächsten Mal treten wir mit einer grünen Oberbürgermeister-Kandidatin an, dann schneiden wir noch besser ab.“

    Foto: hpe
  • Gelöste Stimmung herrschte bei der Wahlparty der CDU vor dem Stadtcafé.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ganz coronakonform war der Freudentaumel im CDU-Lager nicht zu jeder Minute.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Lewe stieß mit seinen Anhängern auf seine nun dritte Amtszeit an.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Und die könnte durchaus schwierig werden. Denn im Rat, dem CDU-Mann Lewe weiter vorsteht, ist ein Mehrheitsbündnis des linken Lagers durchaus denkbar.

    Foto: Matthias Ahlke

Wahlbeteiligung von 53,9 Prozent

Auch der unterlegene Kandidat Peter Todeskino darf  auf familiären Beistand setzen. Neben seiner Frau Gudrun sind die beiden erwachsenen Kinder Rouven und Rebecca gekommen. Den großen Wurf dürfen sie  nicht erleben. „Ich finde, das ist ein super Ergebnis“, stellt Todeskinos Tochter auf der Zielgeraden der Auszählung aber fest. Ihr Vater sagt: „Ich bin sehr glücklich mit dieser Stimmenzahl.“ 
Dazu beigetragen hat ein Teil der insgesamt 133 177 Wähler, die ihr Kreuzchen gemacht haben. Die Wahlbeteiligung liegt diesmal bei 53,9 Prozent, deutlich höher als bei der OB-Wahl 2015 (44,9 Prozent). Den Schlussakkord des Abends setzt Lewe: „Ich bin Oberbürgermeister aller Münsteranerinnen und Münsteraner“, verspricht er. Der Rest ist Freude.

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