Studie zum Corona-Lockdown im Seniorenheim
Zwischen Verzweiflung und Ruhe

Münster -

Wie haben Senioren in Pflegeeinrichtungen die Corona-Zeit erlebt? Das wurde vom Fachbereich Sozialwesen der FH Münster untersucht. Mit erstaunlichen Ergebnissen...

Mittwoch, 30.09.2020, 07:30 Uhr
Prof. Dr. Mirko Sporket vom Fachbereich Sozialwesen der FH
Prof. Dr. Mirko Sporket vom Fachbereich Sozialwesen der FH Foto: FH Münster/Stefanie Gosejohann

Ältere Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen waren besonders hart von den Maßnahmen während des Corona-Lockdowns betroffen. „Die zum Teil rigiden Regelungen bedeuteten für viele Bewohnerinnen und Bewohner massive Einschränkungen ihrer Persönlichkeitsrechte“, sagt Prof. Dr. Mirko Sporket vom Fachbereich Sozialwesen der FH Münster. Wie genau die Senioren in Pflegeeinrichtungen diese Lockdown-Zeit erlebt haben, hat der Hochschullehrer für Soziologie mit den Schwerpunkten Altern und Demografie durch eine Befragung untersucht, wie die FH in einer Mitteilung schreibt.

"Sehr vielfältiges Bild"

„In den Medien hat man immer nur von anekdotischen oder dramatischen Einzelfällen gelesen und gehört, da wollte ich selbst mal genauer hinschauen“, erklärt der Wissenschaftler. Da er die Bewohner wegen des Besuchsverbots nicht direkt ansprechen konnte, befragte er online insgesamt 34 Mitarbeiter von vier Einrichtungen der stationären Altenhilfe der St. Elisabeth-Stift gGmbH Sendenhorst. „Unterm Strich zeigt sich ein sehr vielfältiges Bild“, so Sporket. „Als massivstes Problem wurde auf jeden Fall das Besuchsverbot wahrgenommen. Die Stimmung unter den Senioren, die ihre Angehörigen nicht mehr treffen konnten, wurde häufig als traurig, verzweifelt und depressiv beschrieben. Hinzu kommt die Ausgangssperre, die für viele einen Verlust an Freiheit und Selbstbestimmung bedeutete.“

Für stark an Demenz Erkrankte scheint sich die Situation weniger dramatisch dargestellt zu haben als zunächst befürchtet. „Sie wurden teilweise sogar als entspannter beschrieben“, berichtet Sporket. „Das Besuchsverbot hat in diesen Fällen die Angehörigen vermutlich schlimmer getroffen als die Senioren selbst“, so seine Einschätzung. Nach den Aussagen der Befragten habe die Ruhe in den Einrichtungen vielen an Demenz erkrankten Menschen gutgetan.

Stärkere Belastung für viele Mitarbeiter

Einige Fragen seiner Untersuchung bezogen sich auch auf die Arbeitssituation der Befragten. Viele Mitarbeiter fühlten sich demnach während des Lockdowns stärker durch ihre Arbeit belastet.

Als Fazit aus seiner Studie empfiehlt Sporket den Pflegeeinrichtungen, genau zu reflektieren, was während des Lockdowns gut und was schlecht gelaufen ist und was sich daraus ganz allgemein für ihre Arbeit ableiten lässt. Der Altersforscher hält die Unterbringung von alten pflegebedürftigen Menschen in großen institutionalisierten Einrichtungen generell für eine „nicht adäquate“ Wohnform. „Wir müssen hin zu kleineren Wohneinheiten für alte Menschen.“

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