Funkbrücke in die Partnerstadt
Münster-Mühlhausen: Grenzenlose Verständigung

Münster -

30 Jahre Wiedervereinigung bedeuten auch 30 Jahre Städtepartnerschaft Münster-Mühlhausen. Doch die Funk-Begeisterten der beiden Städte hatten genau genommen schon weit vorher Kontakt.

Samstag, 03.10.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 17:34 Uhr
Ersin Oskay von der Funkgruppe Münster sendete anlässlich der 30-jährigen Städtepartnerschaft per Funkbrücke am Freitagmorgen in die Partnerstadt Mühlhausen.
Ersin Oskay von der Funkgruppe Münster sendete anlässlich der 30-jährigen Städtepartnerschaft per Funkbrücke am Freitagmorgen in die Partnerstadt Mühlhausen. Foto: Björn Meyer

Schon früher, zu DDR-Zeiten, hat es von Münster aus Kontakt zur heutigen Partnerstadt Mühlhausen (Thüringen) gegeben. Per Funk, wie sich Thomas Groppe erinnert, der bereits seit 1977 begeisterter Funkamateur ist. Damals allerdings war alles stark reglementiert. „Mehr als ein Hallo oder Guten Tag gab es damals nicht“, sagt Groppe, denn die DDR-Bürger wurden in ihren Funkclubs genau überwacht. Doch nicht nur die, auch der westdeutsche Funk wurde mitgehört.

Alliierten wollten kontrollieren

Schwierig war das nicht, denn Funkverbindungen sind offen. Die Alliierten aber wollten kontrollieren, dass sich in der BRD keine neuen, rechten Netzwerke bilden, so erzählt Groppe es als er am Freitagvormittag am Harsewinkelplatz steht, wo die Funkgruppe Münster eine sogenannte Funkbrücke in die Partnerstadt Mühlhausen technisch schlägt. Im Gegensatz zu heute, war früher vieles anders: „Es gab einen genauen Ablauf für Funkgespräche. Bei Verstößen konnte sogar der Lizenzentzug drohen“, erzählt der Münsteraner.

Denn Funkamateur ist längst nicht jeder mit einem Funkgerät. Es gilt zunächst eine staatliche Prüfung abzulegen, jeder Funkamateur hat zudem ein Rufzeichen, an dem er jederzeit erkennbar ist. Treffen Funkamateure auf sogenannte Schwarzfunker, gelte es, den Kontakt sofort zu beenden – das ist bis heute so geblieben.

Seit der Wiedervereinigung hat sich die Kontrolle im Funkbereich allerdings stark verringert. Was erst einmal gut klingt, kommentiert Groppe mit einem Gesicht, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. Man treffe nun auch vermehrt auf rechte Funker, die ihre Parolen absonderten. „Das gab es früher nicht“, sagt Groppe und ergänzt, dass man den faktischen Wegfall der Kontrolle, die allenfalls noch sporadisch durch die Bundesnetzagentur ausgeübt werde, bedaure.

Funkamateure genießen neue Freiheit

Trotzdem genießen auch die Funkamateure die neue Freiheit. „Mit Leuten die man schon länger kennt, bespricht man auch persönliche Dinge“, so Groppe. Kenne er den Funker auf der anderen Seite nicht, gehe es eher um den Standort und die verwendete Technik.

Währenddessen sitzt Ersin Oskay in seinem Funkmobil, einem mit Funk ausgestattetem Campingbus. Per persönlichem Rufzeichen gibt er sich den Funk-Kollegen in Mühlhausen zu erkennen. Ein paar nette Worte – auch an den Hartmut, den er im Hintergrund des Mühlhauser Funks schön gehört habe. „Mich fasziniert die grenzenlose Kommunikation am Funken. Unabhängig von Politik und Wirtschaft einfach mit Menschen sprechen“, sagt Orsay. Die Frage, ob das zeitgemäß sei, kennt er. „Was viele vergessen, das Handy in der Hosentasche ist im Grunde ja nichts anderes als ein Funkgerät“, sagt Oskay. Schon spricht er wieder nach Mühlhausen. Ganz frei, der Deutschen Einheit sei Dank.

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