Drei Jugendliche aus Moria in Münster angekommen
Geflüchtete werden in Handorf betreut

Münster -

Drei Jugendliche aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria in Griechenland sind in Münster angekommen. Sie waren am Freitag mit weiteren jungen Migranten in Hannover gelandet, und werden jetzt im Vinzenzwerk Handorf betreut. Weitere Aufnahmen sind bislang nicht angekündigt.

Sonntag, 04.10.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 04.10.2020, 18:37 Uhr
Die ersten minderjährigen Migranten aus Griechenland sind am vergangenen Freitag in Hannover gelandet.
Die ersten minderjährigen Migranten aus Griechenland sind am vergangenen Freitag in Hannover gelandet. Foto: imago images

Drei unbegleiteten Jugendliche aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria sind vor wenigen Tagen in Münster angekommen, wie ein Sprecher der Stadt bestätigt hat.

„Sie sind hier in einer der jugendgerechten Wohngruppen des Vinzenzwerks Handorf untergebracht“, so der Sprecher. Das Jugendamt werde in einem nächsten Schritt bei Familiengericht nun die Einrichtung einer Vormundschaft beantragen und gleichzeitig werden in der Bildungsberatung im Amt für Schule und Weiterbildung die Bedingungen für eine schnelle Aufnahme in entsprechenden Schulklassen – in der Regel internationale Förderklassen an Berufsschulen – vorbereitet.  

Persönliche und berufliche Perspektive aufbauen

In der Wohngruppe beginnt derweil das sogenannte Clearingverfahren, teilt der Sprecher weiter mit. Innerhalb der nächsten drei Monate werde der weitere Bedarf der Jugendlichen eruiert, zum Beispiel gesundheitliche Maßnahmen. Anschlussmaßnahmen könne das Jugendwohnen sein, vielleicht aber auch die Vollzeitpflege oder bei Bedarf auch die Vermittlung zu Trauma-Ambulanzen. „Der geregelte Alltag wird dann zeigen, welche psychischen Folgen die erlebte Situation im Flüchtlingscamp Moria mit sich gebracht hat“, so der Sprecher der Stadt.

Das Jugendamt ist im ständigen Austausch mit Wohngruppen und Vormündern, um zeitnahe Hilfen einzusetzen, wenn erforderlich. Eine persönliche und berufliche Perspektive soll aufgebaut werden, um nach Beendigung der Jugendhilfe eine eigenständiges Leben führen zu können.

Initiativen in Münster fordern Einsatz für weitere Aufnahmen

Die drei münsterischen Initiativen „Bündnis gegen Abschiebungen“, „Seebrücke“ und „Münster-Stadt der Zuflucht“ halten die Aufnahme der drei Jugendlichen „angesichts der extremen Notlagen geflüchteter Menschen an den Rändern Europas für einen völlig unzureichenden Akt der Solidarität“, wie sie in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben. Der Rat der Stadt Münster hatte sich darauf verständigt, dass sich Münster für die Aufnahme von bis zu 80 Flüchtlingen aus Moria bereitzuerklären. „Wir werden nicht locker lassen und rufen die Vertreter*innen der hiesigen Ratsfraktionen und den Oberbürgermeister auf, sich konkret und nachdrücklich gegenüber Land und Bund für die weitere Aufnahme der in Griechenland gestrandeten Menschen einzusetzen“, so Benedikt Kern vom Bündnis gegen Abschiebungen.  

Aktuell sind nach Angaben der Stadt keine weiteren Aufnahmen vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) angekündigt. „Dies kann sich jedoch stetig ändern“, so der Sprecher.

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