Thierry Escaïch gab Orgelkonzert in St. Lamberti
Sprechende Bilder mit allen Trompeten

Münster -

Hoher Besuch aus Paris: beim Orgelkonzert am Sonntag in St. Lamberti saß Thierry Escaïch an den Tasten der Schuke-Orgel. Da saß er schon einmal, vor 19 Jahren. Damals eher noch ein „Geheimtipp“ in der Orgelszene, ist Escaïch inzwischen längst zu einem der führenden Köpfe seiner Zunft avanciert. Als Orgelvirtuose nicht weniger denn als Komponist, dessen Werke erstaunlich weite Verbreitung nicht nur unter den Organisten gefunden haben.

Montag, 05.10.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 12:00 Uhr
Thierry Escaïch
Thierry Escaïch Foto: Christoph Schulte im Walde

Hoher Besuch aus Paris: beim Orgelkonzert am Sonntag in St. Lamberti saß Thierry Escaïch an den Tasten der Schuke-Orgel. Da saß er schon einmal, vor 19 Jahren. Damals eher noch ein „Geheimtipp“ in der Orgelszene, ist Escaïch inzwischen längst zu einem der führenden Köpfe seiner Zunft avanciert. Als Orgelvirtuose nicht weniger denn als Komponist, dessen Werke erstaunlich weite Verbreitung nicht nur unter den Organisten gefunden haben.

Escaïch (Jahrgang 1965) Titularorganist an St.-Etienne-du-Mont in Paris, hat sich durchaus eine eigene charakteristische Tonsprache angeeignet, die an die französische Tradition des 20. Jahrhunderts anknüpft, diese aber für neue Klänge öffnet. Die „Evocation IV“ über das gregorianische „Verbum Supernum“ mag dafür ein Beispiel sein, natürlich auch die spontan erfundenen Improvisationen – etwa zum „Sonnengesang“ des Heiligen Franziskus.

Durchzogen vom Ruf des „Te Deum laudamus“, entwickelt Escaïch sprechende Bilder: „Bruder Sonne“, „Schwester Wasser“ und so weiter – ein Lob auf die Schöpfung am Tag des Erntedanks, auch ein Memento an „Schwester Tod“, an die Vergänglichkeit. Das waren faszinierende Eindrücke und Einblicke, gewaltig im Tutti der Orgel mit allen Trompeten, vorsichtig verhüllt in Klängen der „Vox humana“ oder der „Vox coelestis“.

Escaïch ist als Improvisator versiert in allen Stilen, auch im romantischen des 19. Jahrhunderts, wobei „Präludium und Fuge“ in Anlehnung an diese Epoche in klanglicher Umsetzung eher neoklassisch ausfielen. Doch Franz Liszt und Julius Reubke – bekannt als wieselflinke Pianisten ihrer Zeit – standen stets irgendwo im Hintergrund Pate.

Dann Escaïch als Literaturspieler: Nicolas de Grignys barocke Pracht dürfte er mit der Muttermilch aufgesogen haben, so klang es jedenfalls. Und Louis Vierne gehört zum Lebenselixier zeitgenössischer französischer Interpreten. Wunderbar, dass hier zwei Sätze aus Viernes 4. Sinfonie erklangen: ein Stiefkind unter den sechs Sinfonien, die der Meister aus Notre-Dame hinterließ.

Schließlich ein atemberaubender Farbtupfer in Escaïchs Programm: „Rumänische Volkstänze“ von Béla Bartók – durch und durch urwüchsige, bodenständige Musik von unvergleichlichem Kolorit, die in Escaïchs für Orgel eingerichtete Version an Kraft und Spannung noch deutlich zulegen.

Großartig!

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