Gegen Schutzmaßnahmen
Corona-Leugner starten Tournee in Münster

Münster -

Die Aushängeschilder der Bewegung „Querdenken“, die gegen die Corona-Schutzregeln Stimmung machen, sind auf Tournee. Am Montagvormittag hält der Tourbus auf dem Schlossplatz. Nach Polizeiangaben sind rund 200 Menschen gekommen.

Dienstag, 06.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 12:03 Uhr
Der „Tourbus“ der Corona-Leugner auf dem Schlossplatz mit Initiator Bodo Schiffmann, in rot-weißer Kluft.
Der „Tourbus“ der Corona-Leugner auf dem Schlossplatz mit Initiator Bodo Schiffmann, in rot-weißer Kluft. Foto: kv

Es gibt bekanntlich Menschen, die die Gefährlichkeit des Coronavirus für eine böswillige Erfindung halten. Sie werden jetzt landauf landab vor Ort informiert und in Stimmung gebracht: Am Montag starteten die Initiatoren der Bewegung „Querdenken“ ihre „Great Corona-Tour“ – und gleich am ersten Tag steuerte der schwarze Luxusbus, in dem normalerweise Künstler auf Tournee sind, den Schlossplatz in Münster an.

Wie Popstars gefeiert

Rund 200 Menschen, so schätzt es ein Polizist, der das Geschehen an der Promenade beobachtet, haben sich versammelt. Als der Bus mit österreichischem Kennzeichen vorfährt, bricht begeisterter Jubel aus. Auf den Platz treten die „Stars“, Repräsentanten der Bewegung, die von der Menge wie Popstars gefeiert werden: der HNO-Arzt Bodo Schiffmann in der weiß-roten Kluft eines Rettungssanitäters und der Youtuber Samuel Eckert.

Letzterer ruft zum „Widerstand“ auf, der „nie bequem“ sei: „Fragt Luther“. Vorher erzählt noch „Tourmanager“ Wolfgang Greulich, dass er gerade am Morgen dem Lehrer seiner Kinder Bescheid gestoßen habe – wegen der Masken, „die die Kinder beim Atmen hindern: So geht’s net.“

Auftritt: „Coronavira“

Noch häufiger ist in der folgenden Stunde von diesem Thema die Rede; mehrmals wird die Behauptung wiederholt, ein Kind sei durch das Maskentragen kollabiert und gestorben. Eine „Erzieherin aus Münster“ verkündet, sie habe deshalb „beim Bundesverfassungsgericht Klage wegen fahrlässiger Tötung“ erhoben. Eine Frau in wallenden Gewändern stellt sich als „Coronavira“ vor: „Ich töte, ohne dass ihr sterbt." Später tritt rund ein Dutzend der Teilnehmer auf Aufforderung nach vorn: Sie alle bezeichnen sich als Angehörige medizinischer Berufe, die die Ansicht teilten, dass die Corona-Gefahr nicht existiere.

Ältere Menschen und Familien mit Kindern

Immer wieder applaudiert die Menge. Viele ältere Menschen, auch Familien mit Kindern sind darunter, sehr viele haben ihre Hunde mitgebracht. Fahnen oder Schilder hat niemand dabei, fast alle filmen die Veranstaltung. Routiniert verkündet Schiffmann nach knapp 90 Minuten das Ende des Programms.

Eine halbe Stunde ist aber noch Zeit für persönliche Gespräche, so Schiffmann – „und Selfies mit uns“.

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