Antisemitischer Anschlag in Hamburg
Jüdische Gemeinde „zutiefst schockiert“

Münster -

Die Klappspaten-Attacke auf einen jüdischen Studenten in Hamburg weckt Erinnerungen an den Anschlag von Halle. Auch die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Münster zeigen sich zutiefst betroffen.

Montag, 05.10.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 17:31 Uhr
Sharon Fehr ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster
Sharon Fehr ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster Foto: Matthias Ahlke

Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Münster sind „zutiefst schockiert und bedrückt“ über den antisemitischen Anschlag eines Rechtsextremisten auf ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Hamburg am Laubhüttenfest. Dieser Anschlag eines in Militäruniform gekleideten Rechtsextremisten wecke auch in Münster dunkelste Erinnerungen an den schwer bewaffneten Rechtsextremisten Stephan B., der vor knapp einem Jahr versucht hatte, die Synagoge in Halle zu stürmen, um dort möglichst viele Juden zu töten, heißt es in einer Pressemitteilung des Gemeindevorsitzenden Sharon Fehr.

„Antisemitismus breitet sich aus“

„Es ist für Menschen jüdischen Glaubens hierzulande eine schockierende Tatsache, dass Antisemitismus sich in Deutschland zunehmend mehr ausbreitet“, heißt es weiter. „Nazis, Rechtspopulisten aller Couleur sind wieder unterwegs, hetzen in Kommentarspalten, in Parlamenten, in den sogenannten sozialen Netzwerken.“

Mitglieder Jüdischer Gemeinden erlebten es als höchst beunruhigend, wenn laut einer Umfrage unter 16 000 Menschen jüdischen Glaubens 41 Prozent der Befragten hierzulande angeben, im vergangenen Jahr mindestens eine antisemitische Erfahrung gemacht zu haben, 52 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Dass Antisemitismus 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz und trotz vielfältiger Initiativen und Engagements in Bereichen der christlich-jüdischen Erinnerungs- und Begegnungskultur leider immer noch Realität sei, „lässt uns dennoch weiter hoffen, doch eines Tages in einer Welt leben zu können, in der es nicht länger Alltag ist, als Jude mit permanenter Verunsicherung und Angst leben zu müssen. Dafür sind mehr als 90 Prozent unserer Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Münster aus den GUS-Staaten zu uns nach Deutschland, nach Münster gekommen“, betont Sharon Fehr.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7618745?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker